Alle Zimmer komplett ausgelastet

Die Wiler Integrations- und Präventionsprojekte unterstützen Süchtige seit 25 Jahren im Alltag. Auch beim Wohnen. 2015 stieg die Nachfrage nach Wohnangeboten markant an. Es musste erstmals eine Warteliste eingeführt werden.

Ursula Ammann
Merken
Drucken
Teilen
Stadtrat Dario Sulzer, Departementsvorsteher Soziales, Jugend und Alter, und Wipp-Leiter René Akeret informierten über das vergangene Jahr. (Bild: Ursula Ammann)

Stadtrat Dario Sulzer, Departementsvorsteher Soziales, Jugend und Alter, und Wipp-Leiter René Akeret informierten über das vergangene Jahr. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Ein Dach über dem Kopf zu haben ist im Leben eines Drogenabhängigen ein Stützpfeiler der Stabilität. Gleichzeitig haben es Süchtige schwer, auf dem freien Markt eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden. Da die Sucht in vielen Fällen mit einem psychiatrischen Krankheitsbild einhergeht, sind Abhängige zudem oft auf Betreuung angewiesen. Das Wohnen ist deshalb einer der Bereiche, in denen die Wiler Integrations- und Präventionsprojekte Wipp (siehe Infokasten) Unterstützung bieten. «Die Nachfrage nach unseren Wohnangeboten ist im vergangenen Jahr markant angestiegen», sagte Wipp-Leiter René Akeret gestern an einer Pressekonferenz. So seien 2015 alle Zimmer komplett ausgelastet gewesen, und dies durchgehend. Erstmals musste Wipp eine Warteliste einführen und für einige Klientinnen und Klienten eine kurzfristige Unterbringungslösung suchen. Beim Betreuten Wohnen stehen sechs Zimmer zur Verfügung, beim Begleiteten Wohnen vier. Zudem existiert ein Notbettenzimmer. Derzeit bestünde Bedarf für zwei bis drei zusätzliche Zimmer.

Klienten werden älter

«Zum Teil hat die Wohnfähigkeit bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Betreuten Wohnens aufgrund ihres körperlichen Gesundheitszustandes massiv abgenommen, was uns vor neue Herausforderungen stellt», erklärte René Akeret. Das habe unter anderem mit ganz normalen Alterungsprozessen zu tun. «Auch unsere Klientinnen und Klienten werden älter.» Für das aktuelle Jahr steht deshalb eine Überprüfung der Konzepte und Angebote im Bereich Wohnen an. Darin einbezogen werde auch die Zusammenarbeit mit der Spitex, erklärte Stadtrat Dario Sulzer, Vorsteher des Departements Soziales, Jugend und Alter, wo die Dienststelle Wipp angegliedert ist.

Dreh- und Angelpunkt der Wiler Integrations- und Präventionsprojekte ist die Kontakt- und Anlaufstelle Kaktus an der Toggenburgerstrasse. Sie bietet Süchtigen einen Aufenthaltsraum und damit eine minimale Tagesstruktur. Zudem finden die Besucherinnen und Besucher dort einen niederschwelligen Zugang zu Beratungs- und Betreungsangeboten. Nicht zuletzt ist der Kaktus aber auch ein Bezugsort für saubere Spritzen, was der Prävention von Infektionskrankheiten dient. 2015 wurden 31 198 Spritzen abgegeben, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Besucherzahl sank jedoch im Vergleich zum Vorjahr leicht von 9165 auf 8960 Personen.

Mehr Kokain konsumiert

Auffällig sei, dass sich das Konsummuster bei den Wipp-Klientinnen und -Klienten weiter in Richtung Polytoxikomanie entwickle, also zu einer gleichzeitigen Abhängigkeit von mehreren Substanzen, sagte René Akeret. «Zudem ist im vergangenen Jahr vermehrt Kokain konsumiert worden, was unsere Arbeit stark erschwerte.» Diese Droge sorgt für ein latent höheres Aggressionspotenzial bei den Konsumierenden. Zu den positiven Tatsachen gehörte, dass es auch im vergangenen Jahr einige Wipp-Klientinnen und -Klienten geschafft haben, aus der Sucht auszusteigen oder ihren Konsum besser zu kontrollieren.