Alimentenbevorschussung bleibt ein Zankapfel

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Wil Der SVP-Stadtparlamentarier Pascal Stieger stört sich seit Jahren an den in seinen Augen zu hohen Ausständen bei der Alimentenbevorschussung durch die Stadt Wil. Unter dem Titel «Einkassieren statt abschreiben» reichte er eine Interpellation mit vier Fragen ein (wir berichteten). Mit der Antwort des Stadtrats zeigte er sich am Donnerstagabend im Parlament «absolut unzufrieden».

Bei der Einreichung der Interpellation habe er sich Gedanken dazu gemacht, wie wohl die Antworten dazu aussehen werden. Leicht zynisch sei er auf folgende Resultate gekommen: «Vergleiche mit anderen Gemeinden sind fast nicht möglich – da die Daten nicht direkt vergleichbar sind. Es braucht mehr Ressourcen – wir hatten in letzter Zeit eine grosse Personalfluktuation. Eine Auslagerung des Inkassos an Private wird seitens der Stadt nicht geprüft respektive nicht gewünscht.» Leider seien seine Vermutungen durch die Antwort des Stadtrates mehr als bestätigt worden.

Die Alimentenausstände betrugen per 31. Dezember 2013 rund 8,8 Millionen Franken und erreichten per 31. Dezember 2016 rund 10,3 Millionen Franken. «In diesen Zahlen nicht enthalten ist, dass in diesem Zeitraum rund 3,6 Millionen Franken abgeschrieben wurden», kritisierte Pascal Stieger. «Somit wäre der Ausstand per Ende 2016 eigentlich bei rund 14 Millionen Franken – und das ohne die Abschreibungen, die vor 2013 erfolgt sind.» Pro Jahr stiegen die Ausstände also um rund 480000 bis 740000 Franken, rechnete er vor. Dies müsse jeweils von den Steuerzahlern finanziert werden und entspreche rund einem bis anderthalb Steuerprozenten.

Stadtrat Dario Sulzer (SP) wehrte sich gegen eine Pauschalverurteilung. «Der grösste Teil der Schuldner lebt in Verhältnissen, wie wir sie uns vermutlich nicht vorstellen können und wollen», sagte er. Die Zuständigen in der Verwaltung seien bemüht, die Betroffenen zu beraten und zu begleiten. «Es wird kein schlechter Job gemacht», stellte sich Sulzer vor die Mitarbeiter. «Mit mehr Ressourcen wäre aber noch mehr möglich.» Dass die Fallzahlen steigen, sei eine Folge des allgemeinen Bevölkerungsanstiegs. Eine Auslagerung des Inkassos an eine Privatfirma erachtet der Stadtrat nicht als sinnvoll. Wil schneide im Vergleich mit anderen Gemeinden gut ab. (hs)

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