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«Algetshausen ist kein Schlafdorf»

Zwar verfügt Algetshausen weder über einen Laden noch eine Beiz oder Post. Trotzdem ist das Dorfleben intakt.
Philipp Stutz

Das Dorf liegt nicht am Puls des Geschehens, sondern befindet sich abseits der grossen Verkehrsströme und ist von sattem Grün umgeben. «Es gefällt mir hier, Algetshausen ist ein behütetes Fleckchen Erde in einer noch heilen Welt», charakterisiert Karin Bösch beinahe schwärmerisch ihren Wohnort. Die 38-Jährige ist Präsidentin des Einwohnervereins Algetshausen und schätzt die ländliche Umgebung des 600-Seelen-Dorfs. «Hier schaut man aufeinander und unterstützt sich gegenseitig», sagt die Mutter von zwei Kindern und ausgebildete Primarlehrerin. Gerade Familien mit Kindern kämen hier schnell miteinander in Kontakt. Die Brandserie, die im Dorf vor einigen Jahren für Angst und Schrecken unter den Einwohnern gesorgt hat, scheint heute kein Thema mehr zu sein.

Das Dorf ist längst zusammengewachsen

Dass die Dorfstrasse den älteren und neueren Teil von Algetshausen zu trennen scheint, ist für Karin Bösch eher ein Mythos. Wohl gebe es das Oberdorf mit alter Bausubstanz und gleich gegenüber jenes Gebiet, in dem sich moderne Neubauten angesiedelt haben. «Doch die angebliche Grenze weicht sich auf, das Dorf ist längst zusammengewachsen.» Der Spielplatz trage zum Gemeinschaftsgefühl bei. «Bei Kindern schauen die Älteren automatisch auf die Jüngeren.» Der Spielplatz, der einer Erneuerung bedarf, ist auf Initiative des Einwohnervereins entstanden. Dafür sei nun die Politische Gemeinde Uzwil zuständig, zu der Algetshausen als sogenanntes Aussendorf gehört.

Daneben verfügt der Ort neben der Landwirtschaft über verschiedenes Kleingewerbe. Algetshausen hat auch ein Schulhaus, in dem Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden. Karin Bösch erachtet dies als Privileg. Die Anzahl der Schüler sei nicht zuletzt wegen der Neuzuzüger konstant geblieben.

Einiges ist verloren gegangen

All diesen positiven Aussagen zum Trotz darf nicht verschwiegen werden, dass im idyllischen Dorf inmitten von Obstgärten einiges verloren gegangen ist. So hat das «Landhaus», einst eine beliebte Beiz, seine Tore längst schliessen müssen. Und die «Traube» funktioniert nur noch mit einer Art Selbstbedienung. Die ehemalige Post wurde geschlossen und später als «Pöstli-Beiz» betrieben. Nunmehr ist auch dieser beliebte Treffpunkt verloren gegangen und wird nur noch bei bestimmten Festivitäten sporadisch geöffnet.

«Ein Treffpunkt fehlt eindeutig», gesteht Karin Bösch. Der Einwohnerverein bemühe sich trotzdem, Anlässe zu organisieren, bei denen sich Bewohner treffen können. Ein Höhepunkt im Jahresablauf ist die Dorfchilbi. «Über hundert Personen sorgen dafür, dass dieser beliebte Anlass durchgeführt werden kann», sagt Bösch. Aufbauen, zusammen sein, abbrechen – diese Gemeinschaftsarbeit ergibt einen guten Zusammenhalt und sorgt für einmalige Atmosphäre. Als Dank für die geleistete Arbeit treffen sich alle Helfer jeweils zu einem gemütlichen Essen.

Züge donnern an Algetshausen vorbei

Dass am kleinen Bahnhof Algetshausen-Henau die Züge seit sechs Jahren nicht mehr halt machen, wird von den Algetshausern sehr bedauert. «Wir setzen uns dafür ein, dass die Haltestelle wieder geöffnet wird. Und freuen uns, dass die Gemeinde mit diesem Anliegen hinter uns steht», sagt die Präsidentin des Einwohnervereins. Zwar wird Algetshausen mit einem Busbetrieb bedient, doch die Verbindungen nach St.Gallen und Zürich sind wegen des Wegfalls der Zugshalte schlechter geworden. Die Zukunft des Bahnhofs steht in den Sternen, doch die Hoffnung stirbt bei den Algetshausern zuletzt.

Die Einwohner für ein Mittun im Einwohnerverein zu bewegen, sei nicht immer einfach, gesteht Karin Bösch. «Manche integrieren sich schnell, andere sind zurückhaltender.» Anlässe werden an der Bushaltestelle publiziert, und jeder Haushalt erhält Einladungen zur Hauptversammlung und zum Neujahrsapéro. Auch der «Funke», der alljährlich entzündet wird, hat Tradition. Und beim Sommerfest sitzt man jeweils gemütlich beisammen. Der Samichlaus, der Kinder im Wald besucht, das Silvesterläuten und der Seniorenzmittag zählen zu den weiteren Aktivitäten.

«Wir verstehen uns keineswegs als Schlafdorf», macht Karin Bösch deutlich. «Der Kontakt zueinander ist wichtig. Unser Dorf soll lebendig bleiben.»

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