Interview

Alessandro Maier, neuer Trainer des SC Bronschhofen: «Wir müssen uns im Kollektiv steigern»

Seit einer Woche ist Alessandro Maier Spielertrainer der ersten Mannschaft des SC Bronschhofen, die in der 2. Liga spielt. Der 31-Jährige erklärt, was es für den Ligaerhalt braucht, welche Art Fussball ihm vorschwebt – und welcher Coach ihn am meisten prägte.

Tim Frei
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Alessandro Maier leitet seit vergangenem Herbst das Fördertraining beim SC Bronschhofen.

Alessandro Maier leitet seit vergangenem Herbst das Fördertraining beim SC Bronschhofen.

Bild: PD

Nach dem Rücktritt des Trainers Spyridon Moutafis strebte der SC Bronschhofen eine vereinsinterne Lösung an. Mit Alessandro Maier wurde sie gefunden. Er ist seit einer Woche Spielertrainer der ersten Mannschaft, die gegen den Abstieg aus der 2. Liga kämpft.

Waren Sie von der Anfrage des Vereins überrascht?

Alessandro Maier: Einerseits wussten die Verantwortlichen schon länger, dass das Traineramt in Zukunft zum Thema für mich werden könnte. Anderseits hatte ich Kenntnis davon, dass der Verein eine interne Lösung favorisierte. Insofern war ich nicht sonderlich überrascht.

Mussten Sie lange überlegen?

Nein, für mich war von Anfang an klar, dass ich die reizvolle Herausforderung annehmen möchte. Es ist zudem unüblich, gleich in der 2. Liga als Cheftrainer zu debütieren. Dass der Verein mir das zutraut, ist ein Zeichen der Wertschätzung.

War es ein Thema, nur als Trainer einzusteigen?

In der Tat. Unser Kader ist aber knapp bestückt. Zudem haben uns zwei Spieler in der Winterpause verlassen: Marc Ott hat nach Bazenheid gewechselt, Jan Breitenmoser kann wegen des Berufs nicht mehr mittun. Aus diesen Gründen beginne ich als Spielertrainer.

Sind noch Transfers geplant?

Es laufen noch Gespräche, spruchreif ist aber noch nichts.

Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Bis zum Ende der Saison. Im Frühling werden wir wohl die Zukunft besprechen. Mein Ziel wäre es aber, in der neuen Saison nur noch Trainer zu sein.

Demnach werden Sie in der Rückrunde vor allem auf dem Rasen sein? Oder wie sieht die Rollenverteilung mit dem Assistenztrainer Roger Baggenstos aus?

Wir müssen die Zuständigkeiten im Trainerstab zwar im Detail noch klären. Doch an der Seitenlinie wird vor allem Roger Baggenstos stehen, ich werde mehrheitlich auf dem Spielfeld sein.

Sie werden nun Chef von Ihren Teamkollegen. Haben Sie Respekt davor?

Dieser neuen Situation blicke ich positiv, frisch und voller Energie entgegen.

Ich weiss, dass mich alle Spieler respektieren – sei es als Trainer oder Akteur auf dem Rasen.

Wir kennen uns gegenseitig sehr gut. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor im Vergleich zu einem Trainer, der von ausserhalb des Vereins käme. Deswegen und aufgrund meines Werdegangs wissen die Spieler auch, was sie von mir erwarten können.

Welche Art Fussball schwebt Ihnen vor?

Das ist immer vom vorhandenen Spielermaterial abhängig. Ich möchte mir aber noch nicht zu sehr in die Karten blicken lassen. Mein Stil wird sich schnell zeigen. Was ich aber sagen kann: Ich bin ein Freund des gepflegten Kurzpassspiels und des schnellen Umschaltens.

Die Vorrunde misslang dem SC Bronschhofen. In welchen Bereichen muss sich das Team steigern?

Primär im Kollektiv, das uns in der Vergangenheit auszeichnete. In dieser Saison haben wir das teilweise stark vermissen lassen. Finden wir zu dieser Stärke zurück, wird unsere Defensivleistung automatisch besser. Die Spieler müssen merken, dass für den Erfolg alle nach hinten und nach vorne arbeiten müssen. Im taktischen Bereich erwarte ich ebenfalls eine Steigerung, denn wir waren zu berechenbar in der Hinrunde.

Was ist das Ziel für die Rückrunde?

Eindeutig der Ligaerhalt.

Was braucht es dafür?

Wir müssen mental auf der Höhe sein. Für viele Spieler ist es eine neue Erfahrung, gegen den Abstieg zu spielen. In der Vergangenheit war es jeweils ruhiger. Wir müssen die Einstellung entwickeln, dass wir mehr machen und das Glück erzwingen müssen.

Seit September 2019 leiten Sie das von Ihnen initiierte Fördertraining im Club. Es richtet sich an Junioren, denen einst der Sprung in die erste Mannschaft zugetraut wird. Führen Sie das weiter?

Es wäre fahrlässig, das Fördertraining nach knapp einem halben Jahr zu beenden – nur weil ich jetzt Trainer bin. Das Projekt liegt mir am Herzen. Für einen Dorfclub wie den SC Bronschhofen sind Eigengewächse in der ersten Mannschaft besonders wichtig. Während der Vorbereitung für die Meisterschaft, also in den Monaten Februar und März, wird ein Ersatz für mich gesucht. Ab dem Rückrundenstart Ende März möchte ich das Fördertraining gerne wieder leiten. Es ist gut mit dem Traineramt unter einen Hut zu bringen.

Welcher Trainer hat Sie am stärksten geprägt?

Giorgio Contini, als ich in der U21 des FC St.Gallen spielte. Ich habe von ihm viel profitiert in den Bereichen Verantwortung übernehmen, ein Vorbild zu sein und im Auftreten gegenüber den Spielern.