Albasini bestimmt, wer wie viel schwitzen muss

Marcello Albasini ist ab Anfang 2013 sportlicher Leiter des neuen Schweizer IAM Cycling Teams. Als Chef Training nimmt er seine Fahrer genau unter die Lupe. Einer seiner Schützlinge ist Reto Hollenstein aus Sirnach.

Remo Fuchs
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RAD. Welcher Fahrer wie viel schwitzt, bestimmt Albasini. Der neue sportliche Leiter des IAM Cycling Teams hat das Spezialgebiet Training unter sich. Der Thurgauer ist der optimale Mann für diesen Posten. Als Ex-Nati-Coach verfügt der 55-Jährige in sämtlichen Gebieten über einen immensen Erfahrungsschatz. Offiziell ist Albasini ab dem 1. Januar 2013 im Amt, doch er ist jetzt schon drauf und dran, die Trainingsplanung für die Fahrer zu koordinieren. Dazu gehören viele Besprechungen mit den Athleten und deren individuellen Trainern. Einzelne Trainings besucht Albasini selber. «Momentan sind die Athleten überall zerstreut. Die einen bereiten sich im Bündnerland auf Langlaufski vor, die anderen spulen ihre Kilometer im Tessin ab», sagt der Vater von Michael Albasini.

Hochmodernes Messgerät

Die Fahrer, welche nicht richtig trainieren, werden vom sympathischen Thurgauer sofort entlarvt. Dabei hilft ihm das sogenannte SRM-Gerät. Der hochmoderne Computer (Schoberer Radmesstechnik) dient schon seit langem für mobile Leistungsmessung. Das Gerät misst die Leistung über Dehnmessstreifen in der Kurbel. Die Daten werden dann im etwa 3000 Euro teuren Gerät aufgezeichnet.

«Meine Arbeit besteht darin, die Aufzeichnungen in die Trainingssoftware zu importieren und danach auszuwerten», erklärt Albasini. «So habe ich den Überblick über die einzelnen Fahrer und kann Ergänzungen und Änderungen anbringen», sagt der Radtrainer.

Zusammenzug in Genf

Seit Montag befindet sich das IAM Cycling Team in Genf und hält den ersten offiziellen einwöchigen Zusammenzug ab. Die Fahrer müssen sich einem Leistungstest unterziehen. Das Team mit dem Sirnacher Reto Hollenstein, welcher von NetApp zum IAM Cycling Team gestossen ist, legt also in der Westschweiz, wo sich der Hauptsitz befindet, den Grundstein für die erste Saison. Fix sind schon die grössten Schweizer Rundfahrten mit der Tour de Suisse und der Tour de Romandie. Wichtig sei es, in der ersten Saisonhälfte einen guten Eindruck zu hinterlassen, um bei den Klassikern eine Wild Card zu erhalten, blickt Albasini voraus. Die neue Equipe schielt mit einem Auge auf den Giro d'Italia. «Ein guter Start in die Saison gibt Selbstvertrauen», sagt er.

Operativ abgeschlossen

Die letzten zwei Jahre war Albasini bei dem Verband USA Cycling angestellt. Er war verantwortlich für das Nachwuchsprogramm und hatte die Aufgabe, 19- bis 22jährige Amerikaner an den Charakter europäischer Radrennen zu gewöhnen. Eigentlich wäre der Thurgauer, der sich meist in Belgien und Italien aufhielt, noch bis Ende Jahr bei den US-Boys angestellt. «Die Arbeit ist operativ abgeschlossen», so der 55-Jährige. «Der Kontakt mit den Jungs besteht noch. Oft tauschen wir uns per E-Mail oder Skype aus», erzählt der Coach.

Keine Zeit mehr für die Talente

In der Vergangenheit betreute der gefragte Radtrainer auch immer wieder Talente aus der Region, unter anderem seinen Sohn Michael. Vorderhand fehlt ihm die Zeit, dies nebenbei noch zu tun, denn er konzentriert sich voll und ganz auf die Arbeit für das neue Schweizer Radteam.