Akkordeonkonzert im Kulturpunkt in Flawil: Vater und Sohn als musikalische Zwillinge

Drei hochkarätige Musiker aus dem Balkan waren am Freitagabend im Flawiler Kulturpunkt zu Gast.

Michael Hug
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Nahmen Geiger Miladin Banaćanin in ihre Mitte: Lelo Nika und Lelo Nika. Bild: Michael Hug

Nahmen Geiger Miladin Banaćanin in ihre Mitte: Lelo Nika und Lelo Nika. Bild: Michael Hug

Er war als Gast und gleichzeitig als Spezialgast angekündigt am Freitagabend: Lelo Nika. Wie kann ein Mann zweimal da sein? Wenn er seinen gleichnamigen Sohn mitbringt. Lelo Nika, der Vater, ist weltberühmter Star-Akkordeonist aus Serbien. Lelo Nika, der Sohn, möchte es noch werden.

Der Ruhm des Vaters gründet auf seinem virtuosen, mitreissenden Fingerspiel auf dem Akkordeon und zwei Siegertiteln am Coupe Mondial, der jährlich durchgeführten, internationalen, inoffiziellen Weltmeisterschaft der Handorgelmusikerinnen und -musiker.

Der Ruf des Sohns wird noch kommen. Setzt man die beiden nebeneinander und macht den Blindtest, fällt die Unterscheidung schwer und gar mancher würde wohl auf den falschen Lelo Nika tippen – und doch recht haben. Weil Lelo Nika ist Lelo Nika, Vater und Sohn.

Am Freitagabend kamen Nika Senior und Nika Junior zusammen aus Schweden, wo sie wohnhaft sind, nach Flawil. Der Vater war nicht zum ersten Mal hier, er spielte im Kulturpunkt schon das eine oder andere Mal, unlängst auch mit dem hier ebenso gut bekannten Akkordeonisten Goran Kovacevic. Diesmal brachten die Nikas den Geiger Miladin Banaćanin mit, der über Ecken auch zur Familie der Nikas gehört und sich wohl deshalb so ausgezeichnet ins musikalische Gefüge einpasst.

Aus allen drei - geboren in Serbien – sprüht die Lebensfreude des Balkans, ebenso aber auch die Melancholie der Region zwischen den Kontinenten. Lelo Nika sagt von sich selbst, dass er mit dem Akkordeon in den Händen geboren worden sei. Das Gleiche kann wohl auch sein Sohn von sich behaupten. Musikalisch sind sie Zwillinge, nicht Vater und Sohn.

Musik, die das Publikum berührt

«Musik muss nicht technisch perfekt sein», sagt Lelo Nika (der Ältere), «sie muss Funken versprühen und kommunizieren.» Nikas Spiel – und mit ihm auch das der beiden anderen Musiker – erschien dennoch technisch perfekt. Jedenfalls wird der «normale» Zuhörer nicht so schnell Fehler bei diesen rasanten Läufen über die Tasten der Instrumente herausgehört haben.

Wäre es technisch nicht perfekt, hätten wohl auch nicht gleich zwei Weltmeistertitel herausgeschaut. Doch der Zuschauer, die Zuschauerin spürte mit Sicherheit den Funkenflug zwischen den Musikern und sich. Kommunikation ohne Worte, nur die Seele hört mit und hört alles.

«Geht voll übers Gefühl», sagte eine Zuhörerin. Es macht demzufolge auch keinen Sinn, die Musik zu beschreiben. Denn jede und jeder wird wohl etwas anderes gefühlt haben, gemeinsam war dem Konzert das Eine: Man fühlte sich berührt. Eine grossartige Berührung, ein grossartiges Konzert, das Faszinosum der Roma-Musik, perfekt inszeniert. Eher weniger zum Tanzen als eben – sich berühren zu lassen.