Ajet Sejdija ist beim FC Wil auf dem Sprung zum Profi

Seit einiger Zeit setzt der FC Wil vermehrt auf junge Spieler. Einer davon ist der 20-jährige Uzwiler Ajet Sejdija. Vor sechs Jahren erhielt der nordmazedonisch-schweizerische Doppelbürger bereits Angebote von Lazio Rom und Hoffenheim.

Gianluca Lombardi
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Ajet Sejdija fühlt sich im Sportpark Bergholz pudelwohl. Ihn würde es freuen, wenn er hier bald mit dem FC Wil in der Challenge League spielen dürfte. (Bild: Gianluca Lombardi)

Ajet Sejdija fühlt sich im Sportpark Bergholz pudelwohl. Ihn würde es freuen, wenn er hier bald mit dem FC Wil in der Challenge League spielen dürfte. (Bild: Gianluca Lombardi)

Für viele Einsätze in der ersten Wiler Mannschaft hat es für Ajet Sejdija noch nicht gereicht, doch in der U20 in der 2. Liga interregional ist der talentierte Mittelfeldspieler nicht mehr wegzudenken. Der 20-Jährige ist ein typischer Zehner mit einem guten Auge, einem starken Passspiel und gefährlichen Abschlüssen. Er bringt vieles mit, um bald den Sprung in den Profifussball zu schaffen.

An diesem geschnuppert hatte er bereits während seiner Zeit beim FC St. Gallen. Nach seinen starken Leistungen in der U21 trainierte der nordmazedonisch-schweizerische Doppelbürger regelmässig mit den Profis und reiste gar mit ins Trainingslager.

Ein Wechsel mit Perspektiven

Beim FC St. Gallen war offen, ob er seine Chance erhalten würde. Die Ungewissheit bewog den Uzwiler, ein Probetraining in Wil zu absolvieren. Mit seinen Leistungen konnte er den damaligen Trainer Konrad Fünfstück, aber auch Präsident Maurice Weber überzeugen.

Realistisch gesehen sind die Chancen auf Einsätze im Wiler Profiteam grösser als beim Rivalen weiter östlich. Dies, weil die Challenge League als Ausbildungsliga bekannt ist, aber auch, weil der FC Wil als grosses Sprungbrett gilt. Mehr als 50 Spieler haben es in die Super League oder ins Ausland geschafft.

Angebote ausländischer Clubs verunsicherten ihn

Das sind Fakten, die auch in den Überlegungen von Sejdija eine Rolle gespielt haben. Angebote für Transfers zu grossen Clubs bekam er aber bereits in jungen Jahren. Als er 14-jährig war, versuchten Funktionäre von Hoffenheim und von Lazio Rom ihn zu einem Wechsel zu bewegen.

Angebote, die den jungen Spieler überforderten und verunsicherten. Ein Wechsel ins Ausland kam für ihn zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage. Dafür ist er zu sehr Familienmensch.

Messi ist sein Idol

Wie für viele junge Fussballer ist auch für Sejdija ein Argentinier das grosse Vorbild: Lionel Messi, der Star des FC Barcelona. Auch Sejdija träumt davon, einmal für den ruhmreichen Verein aus Spanien zu spielen. Er ist aber realistisch genug, um sich nicht illusorische Ziele zu setzen. Auf die Frage, ob Adressen wie Basel oder YB nicht auch attraktiv seien, antwortet er mit einem abgeklärten «Nein».

Vielmehr würde er es begrüssen, wenn er für den FC Wil als Profi auflaufen dürfte oder mit dem Verein gar in der Super League spielen könnte. Sejdija ist dankbar für die Chance, die ihm der FC Wil bietet. Auch die Zusammenarbeit mit Trainer Ciriaco Sforza wird vom jungen Talent gelobt. Der 49-Jährige beobachte und analysiere viel und bespreche das Gesehene auch mit den Akteuren.

Der Cousin ist sein Berater

Auch Sejdija weiss, dass der Weg zum Profifussballer für viele Spieler ein Traum bleibt. Auch wenn für ihn der Fussball alles bedeutet und oberste Priorität geniesst, hat er erfolgreich eine KV-Lehre absolviert. Die Bedeutung eines zweiten Standbeins ist ihm bewusst. Ein wichtiger Rückhalt seiner ambitionierten Pläne ist seine Familie.

Noch heute wird Sejdija von einem Familienangehörigen beraten. Seit den Angeboten aus Deutschland und Italien wird er von seinem Cousin Bashkim Sejdija beraten und vertreten. Dieser unterstützt ihn regelmässig an Heim- und Auswärtsspielen. Vielleicht bejubeln sie schon bald gemeinsam Treffer in der Challenge League.

Obwohl der Uzwiler diesen Sommer seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat, reicht das finanziell noch nicht zum Leben. Deshalb sind die Unterstützung seiner Familie, aber auch ein Beruf neben dem Fussball derzeit noch unverzichtbar. Sejdija ist ein bodenständiger Spieler. Diese Charaktereigenschaft, seine Familie, aber auch sein Talent bilden eine gute Grundlage dafür, dass er es bald zu den Profis schafft.

Derby gegen Bazenheid

Nach der 2:4-Auswärtsniederlage gegen Amriswil empfängt die U20 des FC Wil am Sonntag den FC Bazenheid. Anpfiff zum Derby der 2. Liga interregional im Bergholz ist um 16 Uhr. Nach der ersten Saisonniederlage möchten die Wiler und Ajet Sejdija zum Siegen zurückfinden. Die zweite Wiler Mannschaft liegt auf Platz zwei und ist deshalb eindeutiger Favorit gegen das auf Rang 13 klassierte Bazenheid, das zuletzt 0:5 gegen Rüti verlor. (tm)