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Verdeckt ermitteln oder durch die Blume richten: «Mimica» erweitert Horizonte

Mimica ist ein Kartenspiel. Entwickelt und designet von der Niederuzwiler Familie Durot, animiert es die Spielenden zum Schauspielern, Diskutieren, Raten und Rollentauschen. Die Karten sind druckfertig, jedoch fehlt für die Produktion das Geld. Dieses soll nun mittels Crowdfunding aufgebracht werden.

Andrea Häusler
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Lea, Kornel und Sina Durot besprechen am heimischen Tisch die Finanzierung des Kartenspiel-Projekts.

Lea, Kornel und Sina Durot besprechen am heimischen Tisch die Finanzierung des Kartenspiel-Projekts.

Bild: PD

Gestartet hat das Projekt vor rund vier Jahren, als Kornel Durot, gelernter Zimmermann und Pädagoge, seiner Familie einen Prototypen des Spiels zum Weihnachtsfest präsentierte. Nach ersten Spielversuchen und
-kritiken begann der Vater mit seinen vier Töchtern Mirjam, Rahel, Lea und Sina, berufsbegleitend an der Weiterentwicklung des Spiels zu tüfteln. «Man feilte am Konzept, an den Inhalten wie auch an der Gestaltung, holte Zweitmeinungen ein, traf Abklärungen zur Produktion und verständigte sich auf das weitere Vorgehen», sagt Sina Durot.

Die Idee zum Spiel ergab sich als eine Art Reaktion auf die heutige Zeit, in der dem Individualismus immer mehr Beachtung geschenkt wird und das Verbindende zunehmend verloren zu gehen scheint. Überzeugt, dass die Menschen nach wie vor mehr verbindet als auf den ersten Blick ersichtlich, liess Kornel Durot die Idee von einem Spiel, welches genau diese Gemeinsamkeiten aufzeigt, nicht mehr los.

So funktioniert das Spiel

Die drei bis neun Spielerinnen und Spieler von Mimica nehmen eine der 32 Rollen sein, die auf den Spielkarten beschrieben sind. Wobei die Idee darin besteht, das Denken und die Argumente der jeweiligen Charakteren in sich zu finden und mit einem überzeugenden Auftritt zu vertreten.

Die Mitspielenden haben herauszufinden, welche Personen/welche Berufe verkörpert werden. Vielleicht ist ja ein Polizist mit verdeckten Ermittlungen beschäftigt, sucht ein Richter nach Argumenten, um einen Straftäter zu verurteilen, oder kämpft eine Lehrerin um die Aufmerksamkeit ihrer Klasse? Eine der Herausforderungen besteht darin, die Rolle so zu spielen, dass sie erkannt, aber nicht auf Anhieb von allen richtig zugeordnet werden kann.

Die Spielkarten von Mimica sind fertig. Läuft alles nach Plan, erfolgt die Markteinführung im Sommer.

Die Spielkarten von Mimica sind fertig. Läuft alles nach Plan, erfolgt die Markteinführung im Sommer.

Am Ende wird ausgewertet: Wer hat wen entlarvt und wer wurde von den Mitspielern überhaupt erkannt? Die meisten Punkte erzielt, wer möglichst viele der Mitspielenden erkennt und selbst zwar erkannt, aber nicht von zu vielen enttarnt wird. Für einmal siegt also nicht, wer seine Meinung durchsetzen, sondern wer sich in andere hineinfühlen, zuhören und gleichzeitig gezielt seine Argumente einbringen kann.

So hilft Mimica nicht nur, sich der eigenen Sichtweisen bewusster zu werden, sondern auch, sich besser in andere hineinfühlen zu können, andere Sichtweisen wahrzunehmen und zu verstehen.

Mimica ist übrigens der rätoromanische Ausdruck für Mimikry, was grob übersetzt Nachahmung bedeutet.

Auslieferung im Sommer geplant

«Wir haben verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten diskutiert und uns letztlich fürs Crowdfunding entschieden», sagt Sina Durot. Dieses hat vergangene Woche auf der Plattform Kickstarter gestartet. Ziel ist es, bis Ende Januar 18'000 Franken zu generieren. Damit könnte dieses, wie geplant, im März in Druck gehen und ab Juli ausgeliefert werden. Da Kickstarter nach dem Prinzip «Alles oder nichts» funktioniert, ist der Erfolg alles andere als garantiert. Gestern lag der zugesicherte Unterstützungsbeitrag bei 3532 Franken.

Start mit 2000 Exemplaren

Und was, wenn der nötige Betrag nicht zu Stande kommt? «Wir haben bereits extrem viel Zeit in das Projekt investiert und wollen deshalb die Publikation unbedingt ermöglichen», sagt Sina Durot. Überzeugt, sich mit einem Nischenprodukt aus der Sparte «Diskussionsspiele» im hart umkämpften Markt der jährlichen Neuerscheinungen positionieren zu können. Mimica punkte ja nicht in erster Linie mit dem Unterhaltungscharakter, sondern vor allem mit dem Bildungsaspekt und der Möglichkeit, Diskussionen zu lancieren und zu führen.

Sollte es mit dem Crowdfunding nicht klappen, gebe einen Plan B, sagt Durot. Vorderhand allerdings keinen ausgereiften.

Ziel ist der Druck von 2000 Exemplaren, die später über den Onlineshop der Familie verkauft werden: zum Preis von 29 Franken.