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Agent XIX Casino Migros

Seitenblick
Jonas Manser

Der neue Mitarbeiter in der Migros in Wil ist ziemlich unfreundlich: «XIX – Das war leider nichts.» Der ein- armige Quittung-Einscan- Bandit sucht seit neustem die Migros-Filialen heim. Schon wieder ist das penetrante Geklingel zu hören. Schon wieder hat er jemandem eine Absage erteilt: «Tja, das war wohl nix.» Der nächste Kunde wartet bereits ungeduldig in der Warteschlange. Die Quittung griffbereit, in der Hoffnung, den Einkauf zurückerstattet zu bekommen. Ein glücklicher Gewinner ist nicht auszumachen, aber es soll schon vorgekommen sein – munkelt man.

Es ist klar, dass auch ein allmächtiger Detailhändler wie die Migros im täglichen Kampf um Kunden gewisse Abhängigkeiten schaffen möchte. Doch muss das un­bedingt über die Spielsucht geschehen? Noch ein kleiner Adrenalinstoss nach dem Einkaufen, um von den teuren Preisen abzulenken? Als Nächstes werden dann kleine Päckchen mit weissem Pulver für den Heimweg verteilt, ein Päckchen pro 20 Franken Einkauf («Nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren»). Dann kommt die Kundschaft am nächsten Tag garantiert wieder. Der Gedanke, dass der Zufall entscheidet, ob man für seinen «Znacht» zahlt oder nicht, sollte zu denken geben. Unter Leistungsgesellschaft stellt man sich etwas anderes vor.

In jeder Filiale steht offenbar ein solcher Bandit. Die Migros scheint von der Wirkung überzeugt zu sein. Vielleicht werden in nicht allzu ferner Zukunft an der Kasse «Extra-Quittungen» verkauft: Mit zwei Belegscheinen verdoppeln sich die Gewinnchancen! (Oder so.)Die Kundschaft sollte ja in der Zwischenzeit komplett der Quittung-Einscan-Sucht verfallen sein. Trotzdem werden auch Kritiker weiterhin in der Migros einkaufen, dem Banditen jedoch vorsichtig aus dem Weg gehen. Wutentbrannt zerknüllen sie aus Protest ihren Belegschein in ein kleines Papierbällchen und entsorgen ihn feinsäuberlich in den dafür vorgesehenen Abfalleimer. Das wird der Migros eine Lehre sein – oder auch nicht.

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

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