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Von Afghanistan in eine Autowerkstatt in Oberuzwil

Allein und ohne Deutsch- oder Englischkenntnisse kam Mosaver Safi 2015 über die Balkanroute in die Schweiz. Nächste Woche beginnt er die Lehre zum Automobil-Assistenten im Autozentrum A. Baldegger.
Annina Quast
Mosaver Safi ist im Team der Oberuzwiler Autowerkstatt gut integriert. (Bilder: Annina Quast)

Mosaver Safi ist im Team der Oberuzwiler Autowerkstatt gut integriert. (Bilder: Annina Quast)

Europa war für ihn nur ein grosses, weit entferntes Konstrukt. Mit 15 Jahren ist Mosaver Safi alleine von Afghanistan über die Balkanroute bis nach Deutschland geflohen. Dort setzte ein Freund ihn in einen Bus – so landete Safi in Zürich. «Als erstes habe ich nach anderen Afghanen gesucht. Ich konnte kaum Englisch und Deutsch schon gar nicht», sagt Safi über seinen ersten Tag in der Schweiz. Dann habe er sich bei der Polizei gemeldet, von wo aus er dann nach Kreuzlingen ins Asylzentrum kam. Seit Ende Dezember hat er nun die Aufenthaltsbewilligung F und wohnt in Wil. «Ich möchte gerne weg von der Gemeinschaftsunterkunft, aber das Geld reicht nicht», sagt der mittlerweile 19-Jährige.

Der eigenen Mühe zu verdanken

Mosaver Safis Deutsch ist erstaunlich gut. Seine Arbeitskollegen reissen sogar Witze mit ihm auf Schweizerdeutsch. Ein Jahr lernte er Deutsch im Integrationsförderkurs, weitere zwei Jahre im Thurhof in Oberbüren. Dort hat Safi mit grossem Interesse drei Monate im Veloprojekt mitgearbeitet. «Ich habe bereits in Afghanistan in einer Autogarage gearbeitet, nachdem ich fünf Jahre die Schule besucht hatte. Die Situation in der Familie war schwierig, deshalb musste ich arbeiten», sagt Safi.

Es ist ihm anzusehen, dass es ihm schwer fällt, über seine Vergangenheit zu sprechen. Sobald es aber um seine Zukunft geht, gestikuliert er mit seinen Händen und redet mit einem dauernden Lächeln auf dem Gesicht. Mit der Unterstützung im Thurhof und der arbeitsbefähigenden Bewilligung F, sah sich Safi nach einer Arbeit um. «Ich würde sagen, das Praktikum im Autozentrum A. Baldegger AG in Oberuzwil war zu 20 Prozent dem Glück, 30 Prozent meinen Vorkenntnissen und 50 Prozent meiner eigenen Mühe zu verdanken.» So wollte Safi zum Beispiel nicht, dass die Betreuerin für ihn bei A. Baldegger anruft, sondern ging gleich persönlich vorbei.

Mosaver Safi in der Werkstatt seines künftigen Lehrmeisters in Oberuzwil.

Mosaver Safi in der Werkstatt seines künftigen Lehrmeisters in Oberuzwil.

Personalabteilungsleiter Rolf Zwahlen lud ihn darauf zum Schnuppern ein. «Die Entscheidung, ihm das einjährige Praktikum zu ermöglichen fiel relativ schnell. Man sah, dass er sich einsetzte für seine Wünsche. Deshalb wollten wir ihm eine Chance geben», sagt Zwahlen. Auch die nächste Entscheidung, Safi die zweijährige Lehre zum Automobil-Assistenten zu ermöglichen, sei mit keiner grossen Überlegung verbunden gewesen. «Administrativ war es zwar schon relativ aufwendig. Wir mussten mit verschiedenen Ämtern kommunizieren, wobei die Zuständigkeiten oft unklar waren», sagt Zwahlen. Aber die Freude, mit der Mosaver Safi arbeitete, überzeugte den Personalabteilungsleiter, diese Mühen auf sich zu nehmen. Die Lehre beginnt Mosaver Safi nun zum neuen Lehrjahr am 2. August.

Kein Geld in den Iran

Auf die Frage nach seinen Zielen bleibt Safi zurückhaltend: «Ich steige Stufe für Stufe die Treppe hinauf. Mein erstes Ziel ist natürlich, die Lehre erfolgreich abzuschliessen.» Nach langem Zögern erzählt er, dass es sein Wunsch wäre, nach der Lehre einige Monate in den Iran, wo seine Familie nun lebt, zu reisen. Dafür bräuchte er aber die Aufenthaltsbewilligung B, die jedoch eine Anstellung voraussetze. Eine Ausbildung zähle da nicht.

Davon abgesehen, dass das monatliche Geld der Gemeinde und der Sozialhilfe ohnehin kaum ausreichte, sei es nicht erlaubt, Geld in den Iran zu schicken, erklärt der angehende Lehrling mit Bedauern. «Es ist schwierig für mich, so weit voraus zu schauen. Jetzt freue ich mich erst einmal darauf, die Lehre zu beginnen.» Auch Zwahlen freut sich auf die neue Herausforderung. Lediglich an der Pünktlichkeit müsse man noch arbeiten, sagt er und schmunzelt. Ausser allfälligen halbtägigen Stützkursen zur schulischen Förderung wird Safi wie die drei anderen Lehrlinge behandelt.

Nicht mehr nur ein grosses Europa

Wie das Schweizer Essen zur Sprache kommt, gibt Safi mit einem verlegenen Lächeln zu, dass er die Schweizer Lebensmittel grundsätzlich sehr gerne habe, jedoch die Art der Zubereitung weniger seinem Geschmack entspreche. «In der afghanischen Küche mischen wir viel mehr. Auch die Essgewohnheiten sind hier anders. Es war eine Herausforderung, sich an all das Neue zu gewöhnen, doch mittlerweile klappt es ganz gut», sagt Mosaver Safi. Immer noch lächelnd sagt Safi, dass er, obwohl ihm nicht alle freundlich begegneten, sich in der Schweiz und vor allem im Autozentrum A. Baldegger wohl fühle. Mittlerweile kennt er nicht mehr nur das Europa als ein grosses, weit entferntes Konstrukt, sondern das Land Schweiz ist ihm als Heimat näher gekommen.

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