Lenggenwil
Eine blaue Kugel am Baum der Hoffnung symbolisiert einen guten Gedanken

Etwas Hoffnung brauche der Mensch, sagt Sandra Hugentobler aus Lenggenwil. Deshalb hat sie im Wald am Fusse des Geissbergs einen Baum der Hoffnung errichtet – zur Freude der Vorübergehenden.

Zita Meienhofer
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Sandra Hugentobler besucht jeden Tag den «Baum der Hoffnung», den sie mit ihrer Familie aufgestellt hat.

Sandra Hugentobler besucht jeden Tag den «Baum der Hoffnung», den sie mit ihrer Familie aufgestellt hat.

Bild: Zita Meienhofer

März 2020. Lockdown. Die drei Mädchen im Primarschulalter von Sandra Hugentobler gehen nicht mehr zur Schule. Homeschooling. Eine Situation, die die Mutter vor eine neue Herausforderung stellt. «Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir das ganz gut gemeistert haben», sagt sie heute. Der Unterricht zu Hause funktionierte und da die Mädchen sehr gerne malen, basteln und zeichnen, waren sie stets beschäftigt.

Dieses Hobby ihrer Mädchen brachte Sandra Hugentobler letztlich auch auf die Idee, während der Osterzeit einen kleinen Wettbewerb zu lancieren. Hugentoblers bemalten Steine und legten diese auf dem Weg rund um den Lenggenwiler Weiher aus. Unter einigen wenigen befand sich ein Osterhase. Sandra Hugentobler stellte eine Aufgabe in den Chat der Klassen ihrer Kinder und rief die Klassengspänlis auf, nach den Steinen zu suchen, unter denen sich ein Hase befindet, und den Fund im Chat zu melden. Als Belohnung winkte ein Schoggihase. Die Steine fanden Beachtung. Sandra Hugentobler erhielt etliche positive Rückmeldungen.

Ort gewählt und Material organisiert

Im November dachte die dreifache Mutter an die Osterzeit zurück. Sinnierte, wie nun die Adventszeit sein könnte. Die Einschränkungen wurden wieder rigoroser. Die Ängste der Menschen vor Krankheit und Tod, vor der unsicheren Existenz nahmen zu. So sagte sich Sandra Hugentobler:

«Ich möchte den Menschen Hoffnung schenken.»

In der Familie wurde getagt. Es entstand die Idee, einen Baum der Hoffnung zu errichten. Als Platz wählten sie einen Ort, der gut erreichbar ist und Schutz vor Wind und Wetter bietet. Da die Lenggenwilerin täglich mit ihrem Hund Xirus unterwegs ist, kennt sie sich in der Natur aus, weiss, wo sich geeignete Plätze befinden. Sie erhielt vom Waldbesitzer, Bruno Schmid, grünes Licht, den Unterstand am Wald unterhalb des Geissbergs nutzen zu dürfen.

Weisser Baum mit blauem Schmuck

Wie dieser Baum der Hoffnung aussehen muss, das hatte Sandra Hugentober exakt vor Augen. Sie erklärt:

«Es soll ein weisser Baum mit blauen Kugeln sein.»

Sie organisierte den Baum und sah sich in einer Brockenstube nach blauem Baumschmuck um. Nun wurde der Unterstand mit Reisig ausgekleidet, der weisse Baum gestellt und die Kugeln in eine mit Stoff umwickelte Box gelegt. Der Ort wurde weihnächtlich dekoriert und auf einer Tafel ist zu lesen, was der Baum der Hoffnung bewirken soll.

«Still und leise gehen Gedanken auf eine Reise», hat Sandra Hugentobler notiert und weiter heisst es, «wenn Du magst, kannst Du mit Deinem Gedanken eine Kugel an den <Baum der Hoffnung> hängen». Wer also möchte, darf eine Kugel aus der Box nehmen und an den Baum hängen. In der Zwischenzeit ist der Baum reichlich geschmückt, auch mit Schmuck, der von den Besuchenden mitgebracht wurde. Zudem legt Sandras Mann Bert jeden Tag frühmorgens eine von ihr ausgewählte Geschichte in den entsprechenden Ordner.

Ein Hoffnungsort im Wald

Die Reaktionen haben Sandra Hugentobler und ihre Familie überwältigt. Von überall her bekommen sie dankbare Schreiben. Ihre Idee scheint ein Hoffnungsort für viele Vorbeigehende geworden zu sein – oder auch für Menschen, die ihn bewusst aufsuchten. Der Baum der Hoffnung hat nicht nur die Spazierenden Hoffnung tanken lassen, Freude bereitet – sondern auch Sandra Hugentobler und ihrer Familie. «Dafür bin ich sehr dankbar», sagt sie.