Adventsserie (1)

Weihnachtspost statt feiern in Gemeinschaft

Die Advents- und Weihnachtszeit ist im Jahr 2020 wegen Corona anders. Wie anders, erzählt Rolf Haag aus Uzwil. Er organisiert «Weihnachten in Gemeinschaft feiern».

Zita Meienhofer
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Rolf Haag aus Uzwil stimmt es nachdenklich, dass dieses Jahr «Weihnachten in Gemeinschaft feiern» nicht stattfinden kann.

Rolf Haag aus Uzwil stimmt es nachdenklich, dass dieses Jahr «Weihnachten in Gemeinschaft feiern» nicht stattfinden kann.

Bild: Zita Meienhofer

Gespräche unter Freunden führen oft unverhofft zu guten Ideen. Aus einem solchen Dialog zwischen dem Oberuzwiler Pastoralassistenten Rolf Haag und Peter Leuzinger, damals Diakon in Oberuzwil, entstand der Anlass «Weihnachten in Gemeinschaft feiern» der katholischen und evangelischen Kirchgemeinden in Uzwil und Oberuzwil. Dass sich unbekannte Menschen treffen und miteinander Weihnachten feiern, das war die Kernidee von Haag und Leuzinger.

Eingeladen waren alle, die kommen wollten, die es schätzten miteinander zu essen, zu feiern, zu singen und zusammen zu sein. 2011 fand der Anlass erstmals statt, dieses Jahr wäre es die zehnte Ausgabe gewesen. Er musste abgesagt werden. «Schweren Herzens», wie Rolf Haag sagt. Der Pastoralassistent im Ruhestand sowie seine Frau Anita gehören nach wie vor zum Organisationsteam, Brigitte und Peter Leuzinger haben Oberuzwil aus beruflichen Gründen schon vor längerer Zeit verlassen.

Weihnachten mit 30 Menschen feiern

Der Anlass fand stets Anklang. Es kamen Alleinstehende, Ehepaare, manchmal kam eine Familie und während einiger Jahre Asylsuchende. Jährlich waren es zwischen 30 und 40 Personen, die auf diese Art abwechslungsweise in Niederuzwil und Oberuzwil Weihnachten feiern.

Neben festlich gedeckten Tischen, einem reichhaltigen Buffet mit Köstlichkeiten sowie Musik und Gesang steht im Raum ein grosser, geschmückter Weihnachtsbaum und eine besondere Krippe. Diese Figuren wurden von Köbi Osterwalder aus Urnäsch, einem Lehrerkollegen von Anita Haag, aus alten, angefaulten Holzpfählen hergestellt.

Der besinnliche Teil – passende Worte zur aktuellen Situation sowie zu Weihnachten – hatte ebenso seinen Platz. Abends um halb zehn Uhr, nach rund vier Stunden, leerte sich der Saal jeweils, da der Grossteil der Teilnehmenden den Gottesdienst, der um diese Zeit beginnt, besuchte. Finanziert wurde die Feier von den Kirchgemeinden.

Die Situation eingehend analysiert

Im 2020 ist nun vieles nicht so wie in den Vorjahren. «Weihnachten in Gemeinschaft feiern» findet nicht statt. Das Organisationsteam hat die Situation genau analysiert. Rolf Haag sagt:

«Wir haben die Lage mit den Kirchgemeinden besprochen, überlegten uns, einen Apéro im Freien zu organisieren.»

Und Haag sagt weiter: «Dann bemerkten wir, dass wir nicht einmal singen dürften.» Hinzu kam, dass sich bereits im Vorfeld einige Teilnehmenden aus den Vorjahren abgemeldet hatten. Rolf Haag hat nun die treuen Besuchenden mit einem Brief und einem Weihnachtsbüchlein von Max Feigenwinter beschenkt.

Eine neue Erfahrung für den 72-Jährigen

Rolf Haag und seine Frau Anita bedauern es, dass der Anlass nicht organisiert werden kann. «Aber es gehört halt zu diesem Jahr», sagt er demütig. Anders ist in diesem Jahr für das Ehepaar auch die Familienfeier am 26. Dezember. Diese wird nicht – wie alle Jahre – mit den fünf Söhnen und den neun Enkeln gemeinsam gefeiert. Die Familien kommen getrennt.

«Wir müssen das akzeptieren und lernen mit Grenzen umzugehen.»

Am 24. Dezember zu Hause zu sein, das ist für den 72-Jährigen eine neue Erfahrung, denn von 1974 bis 2011 war er an verschiedenen Orten als Pastoralassistent tätig. Da war er an Heiligabend in der Kirche, am frühen Abend für die Familienfeier, später für den Mitternachts-Gottesdienst.

Schönes und Nachdenkliches erlebt

Von vielen schönen Erfahrungen spricht er, wenn er an «Weihnachten in Gemeinschaft feiern» denkt, den Anlass, den er seit 2011 mitgestaltet. Von den Asylsuchenden, die selbstgemachte Holzinstrumente mitbrachten und darauf spielten, vom gemeinsamen Vorbereiten in der Gruppe, an das Ehepaar, das nun im Seniorenzentrum Sonnmatt wohnt und an der Feier den Kontakt zu seinen Bekannten von früher genossen hat. Doch habe er auch die Kehrseite gesehen: Es kamen Menschen, die froh waren, ein Essen geniessen zu dürfen und sogar die Reste dankbar mitnahmen.

Serie zum Advent

Den Heiligabend in einer Gruppe zu feiern, war für viele Menschen eine willkommene Gelegenheit, um nicht alleine sein zu müssen. Andere freuen sich, einige Stunden in einer besonderen – nicht immer nur besinnlichen – Umgebung sein zu können. Was passiert nun im Jahr 2020. Der «Wiler Zeitung» und dem «Toggenburger Tagblatt» erzählen die Organisatoren von ihren Ideen. (zi)