ADVENTSRITUAL: Vorfreude lockt auf die Strassen

Während der Adventszeit wird mit verschiedenen Bräuchen auf das Weihnachtsfest eingestimmt. Zur Tradition geworden sind die gemeinsamen abendlichen Treffen am Adventsfenster.

Zita Meienhofer
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Nummer 13 in Degersheim erstrahlt vom Schulhaus Sennrüti und wurde von den Zweitklässlern gestaltet. (Bilder: Zita Meienhofer)

Nummer 13 in Degersheim erstrahlt vom Schulhaus Sennrüti und wurde von den Zweitklässlern gestaltet. (Bilder: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Die Zeit vor Weihnachten soll auf das bevorstehende Fest ein­stimmen – möglichst ruhig und besinnlich. Dass das auch heute noch, in dieser hektischen Zeit, möglich ist, beweist die engagierte Bevölkerung in den Gemeinden Degersheim und Flawil. Im Weiler Burgau, in den Dörfern Wolfertswil und Degersheim sowie beim Schulhaus Enzenbühl in Flawil werden allabendlich die Adventsfenster geöffnet. Das sind meist aus Seidenpapier ­gefertigte Bilder, die an einem Fenster plaziert sind und von innen beleuchtet werden.

Degersheim: Frauen­gemeinschaft organisiert

Schon seit bald zehn Jahren ist die örtliche Frauengemeinschaft in Degersheim für die Organi­sation der Adventsfenster zu­ständig. Nach einem Aufruf der Verantwortlichen müssen die ­Gestalter der Fenster bis Mitte November ihr Interesse bekundet haben – und das ist vorhanden. Sie müsse zwar schon auch aktiv suchen und Werbung machen, sagt Andrea Gantenbein, die für die Adventsfenster zuständig ist, letztlich haben sich dieses Jahr jedoch mehr als 24 Personen, Gruppen oder Schulklassen gemeldet. Zwischen dem 1. Dezember und 23. Dezember wird abends um 17.30 Uhr ­jeweils das Fenster des ent- sprechenden Tages erstmals beleuchtet. Die Bevölkerung ist zu diesem «Fensteröffnen» eingeladen. Meistens werden die Anwesenden mit einer Geschichte oder mit Musik in die Adventszeit eingestimmt. Ob Punsch, Glühwein, Tee oder Suppe aus­geschenkt werden, das ist den Gestaltern überlassen. Das Rahmenprogramm sei freiwillig, erklärt Andrea Gantenbein. Hinter der Idee der Adventsfenster stecke das gemeinsame Miteinander während der Adventszeit. Das Interesse der Degersheimer für die Adventsfenster ist unterschiedlich. «Manchmal sind sehr viele Leute dort, dann sind es auch nur einzelne.» Sie vermutet, dass die Werbung der Gestalter ausschlaggebend ist.

Wolfertswil: Einwohner ergriffen Initiative

In Wolfertswil wird diese Tradition von der Bevölkerung geschätzt, entsprechend ist auch das Interesse. Das beweist die Anzahl der Wolfertswiler, die täglich um 17 Uhr zur Fensteröffnung kommen. Auch hier meist mit einem kleinen Rahmenprogramm: Jemand liest eine Geschichte, es wird musiziert, und es wird etwas Kleines ausgeschenkt. Melanie Steingruber, die für die Organisation zuständig ist, betont, dass das alles freiwillig passiert. Sie hat diese Arbeit übernommen, da sie es bedauern würde, wenn dieser Brauch nicht mehr weitergeführt würde. «Es ist ein abendliches Treffen, das sehr wertvoll ist», sagt sie. Der Brauch wurde einst von Privatpersonen ins Leben gerufen, dann von der Frauengemeinschaft übernommen und nun ist wieder eine Privatperson zuständig. In Wolfertswil wurde bereits am 27. November, am Weihnachtsmarkt, das erste Fenster geöffnet. Mit Ausnahme zweier Tage konnte Melanie Steingruber für jeden Tag bis zum 24. Dezember Gestalter finden.

Burgau: nicht nur Adventsfenster

Im Weiler Burgau werden täglich Adventsfenster geöffnet – und das schon seit etwa 30 Jahren. Allerdings geschieht dies nicht im Beisein der Burgauer, und es kursiert auch keine Liste, wer wann ein Fenster öffnet. Ab 17 Uhr sind die Kunstwerke beleuchtet und sollen die Bewohner zu einem abendlichen Spaziergang locken. Sechsmal öffnen sich im Weiler auch die Türen, dann werden die Burgauer zwischen 19 und 21 Uhr zu einem Umtrunk eingeladen. Die Fenster leuchten täglich bis am 3. Januar.

In diesem Weiler wird die Adventszeit auf besondere Weise begangen. Bereits vor Adventsbeginn erhalten alle Einwohner eine Faltkarte mit den Anlässen. So ist am 1. Januar ein Neujahrsapéro, und am 6. Januar wird zum Königskuchenessen geladen. Diese Treffen finden nicht in einem öffentlichen Raum statt, sondern immer bei einer Familie. Zudem hängt während der Adventszeit ein Kranz mit vier Kerzen beim Dorfplatz. Für diesen wird in Gemeinschaft das Material beschafft, die Herstellung organisiert und jeweils die Kerzen eingeschaltet. Dafür gibt es keinen speziellen Einsatzplan, da funktioniert ganz einfach die «Dörfligemeinschaft».