«Adler» endgültig geschlossen

Nach einem Besitzerwechsel wird das Restaurant an der Schmiedstrasse 3 umgebaut. Es entstehen Wohnungen. Damit geht in Niederuzwil eine weitere beliebte Quartierbeiz verloren.

Philipp Stutz
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NIEDERUZWIL. Rosmarie Bürgisser, Eigentümerin des Wohnhauses mit Restaurant, hat die Liegenschaft an der Schmiedstrasse verkauft. Das Wirtshausschild wurde bereits entfernt, und im Inneren bauen die neuen Besitzer kräftig um. Allerdings wird kein Restaurant mehr entstehen, sondern Wohnungen. Der «Adler» ist damit endgültig Geschichte.

38 Jahre gewirtet

Nach 38 Jahren hatten Toni und Rosmarie Bürgisser vor über zehn Jahren die Gaststätte verpachtet. Die beiden hatten sich gut auf den dritten Lebensabschnitt vorbereitet. Doch das Schicksal wollte es anders. Kurz nachdem sie das Restaurant in jüngere Hände gegeben hatten, starb der besonders auch in Kleintierzüchter-Kreisen bekannte Gastwirt Toni Bürgisser. Zuvor hatte das Wirtepaar dem «Adler» während langer Jahre zu einem guten Namen verholfen. Sie hatten die etwas versteckte Liegenschaft an der Schmiedstrasse stets in Schwung gehalten und durften auf eine treue Stammkundschaft zählen, Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Sauberkeit war die Devise des Wirtepaars gewesen. Und so trafen sich denn Gewerbler, Lehrer, Banker und Handwerker gerne am Stammtisch, um Neuigkeiten auszutauschen oder einen Jass zu klopfen. Ganz früher fand sich in einem angrenzenden Raum der Salon von Coiffeur Rüegg. Hatte er viele Kunden, verkürzten sich die auf den Haarschnitt Harrenden gerne die Wartezeit bei einem Trunk in der Gaststube.

Italien und Brasilien

Nachdem der erste Pächter das Lokal eher abrupt verliess, erhielt das Restaurant mediterranes Flair. Lucia Fonseca, die neue Pächterin, verwöhnte ihre Gäste mit italienischen Spezialitäten, ehe sie nach Oberuzwil wechselte, den «Adler» aber beibehielt. Später erfuhr das Lokal nochmals einen Wechsel. Es nannte sich nun «Restaurant Bar Brasil». Pizza und Pasta wichen brasilianischen Spezialitäten. Doch war dieses Gastspiel nur von kurzer Dauer, und das Restaurant schloss wieder seine Tore.

Nun hat Rosmarie Bürgisser das Lokal veräussert. Zwar erinnert sie sich gerne zurück an ihre Wirtetätigkeit. Doch macht sie keinen Hehl daraus, dass sie erleichtert darüber ist, die Liegenschaft verkauft zu haben.

Facebook statt Stammtisch

Zu bedauern ist das Ende der Quartierbeiz trotzdem. Sind solche Orte doch Oasen, um sich zurückzulehnen und den Tag bei einem Feierabendbier in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen. Dass Quartierrestaurants schliessen, ist beileibe kein Uzwiler Phänomen, wie Josef Müller-Tschirky, Präsident von Gastro St. Gallen, auf Anfrage erklärt. Neben dem Rauchverbot und der Senkung der Promillegrenze für Autofahrer erkennt er vor allem gesellschaftliche Gründe. «Der Stammtisch ist durchs Internet ersetzt worden», sagt Müller. «Der Gedankenaustausch findet nicht mehr im Restaurant, sondern vermehrt über Facebook statt.» Dank gestiegener Kaufkraft gebe der Gast weit weniger seines Einkommens für Essen und Trinken aus als früher. Auch habe die Mobilität zugenommen. Davon seien vor allem Gastronomiebetriebe in ländlichen Gebieten betroffen. Um erfolgreich bestehen können, sind laut Müller ein durchdachtes Konzept und ein guter Betrieb nötig. «Und natürlich Durchstehvermögen», fügt der Präsident von Gastro St. Gallen hinzu.