Achterbahn, Glühwein und Rindviecher

WIL. Der Wiler Othmarsmarkt von heute stösst auf reges Interesse. Laut Marktchef Stefan Sieber gibt es für Standbetreiber sogar eine Warteliste wegen der grossen Nachfrage. So gibt es neben Magenbrot und Glühwein auch einen Viehmarkt und eine Chilbi – diese wartet mit einer neuen Attraktion auf.

Stefan Etter
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Der Rindermarkt auf dem Viehmarktplatz war früher grösser. (Archivbild: Ursula Ammann)

Der Rindermarkt auf dem Viehmarktplatz war früher grösser. (Archivbild: Ursula Ammann)

Wenn die Temperaturen sinken, die Marktschreier lautstark ihre Gemüseraffel vorführen, die Verkäufer ihr Magenbrot anpreisen und es in der Geisterbahn quietscht und kreischt, findet in Wil der Othmarsmarkt statt. Wie jedes Jahr am Dienstag nach St. Othmar (16. November) wird die Altstadt, der Adlerplatz, der Bleicheplatz, die Grabenstrasse und der Viehmarktplatz zum Treffpunkt der Region Wil. «Das Schöne am Othmarsmarkt ist, dass die ganze Gesellschaft – ob Jung oder Alt – zusammenkommt», sagt Stefan Sieber, zuständiger Marktchef.

Vom Tessin bis nach Basel

Erfreulich ist auch die Nachfrage seitens der Marktstandbetreiber, die laut Sieber auch heuer wieder mehr als nur vorhanden ist. «Sogar aus dem Tessin oder aus Basel gab es Anfragen.» So werden auch dieses Jahr rund 180 Stände für ein vielfältiges Angebot sorgen – von Zuckerwatte, Glühwein, Spielzeugpistolen, Musik-CDs über Schals und Gürtel bis hin zu Schmuck oder Uhren. «Wir haben in der Regel rund 30 Betreiber, denen wir eine Absage erteilen müssen, da die Kapazität erschöpft ist.» Doch da üblicherweise mit kurzfristigen Absagen zu rechnen sei, hätte es immer wieder Raum für Standbetreiber, die spontan ihr Kabäuschen aufstellen können.

Speziell ist am diesjährigen Othmarsmarkt, der bereits 1472 auf Initiative des Abts Ulrich Rösch durchgeführt wurde, das Angebot auf dem Budenplatz – dort, wo traditionell die Chilbi stattfindet. Neben Klassikern wie der Geisterbahn und dem Autoscooter ragt nun auch eine «Doppelranger» in die Höhe – eine Kabine, die sich über Kopf im Kreis dreht. «Eine Attraktion, die hoffentlich viele Leute anlockt.» Wie viele es insgesamt sein werden, kann Sieber aber nicht sagen. «Bei schönem Wetter ist die Altstadt jeweils rammelvoll.»

30 bis 40 Rinder

Auch der Rindermarkt, der auf dem Viehmarktplatz als Teil des Othmarsmarkts stattfindet, zieht laut Sieber die Menschen nach wie vor an – aber weniger Tiere als auch schon. «Wurden vor 60 Jahren rund zweihundert Rinder feilgeboten, sind es heute 30 bis 40.» Dennoch sei der Viehmarkt ein wichtiger Bestandteil des Othmarsmarkts und habe auch weiterhin eine gute Zukunft vor sich. Früher hätten vor allem Landwirte den Viehmarkt besucht, um neben Rindern auch Ziegen, Schafe oder Pferde zu verkaufen. «Auch heute wird noch rege gehandelt», betont Sieber. «Kommt ein Bauer mit zehn bis zwölf Kühen, geht er mit vier oder fünf nach Hause.»

Doch das Publikum habe sich verändert in den vergangenen Jahren. Heutzutage würden auch viele Kinder und Schüler den Viehmarkt besuchen. «Darunter einige, die zum ersten Mal eine Kuh in natura sehen.» Dies hat die Organisatoren auf den Plan gerufen. «Es ist denkbar, den Viehmarkt dereinst mit Kleintieren zu ergänzen und gezielt auf Schulklassen zuzugehen. Doch das ist derzeit Zukunftsmusik.»