Acht hüpfende Flöhe – very British

Mit dem Konzert der Ukulele Orchestra of Great Britain wurde in der vollbesetzten Wiler Tonhalle die neue Saison eröffnet. Das Publikum zeigte sich von Beginn weg an begeistert.

Carola Nadler
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Nicht nur mit dem «Highway To Hell» brachte das Ukulele Orchestra of Great Britain das Tonhallenpublikum zum Toben. (Bild: Carola Nadler)

Nicht nur mit dem «Highway To Hell» brachte das Ukulele Orchestra of Great Britain das Tonhallenpublikum zum Toben. (Bild: Carola Nadler)


Bei Ukulele mag man zuerst an den hohen, dünnen Klang denken, an das winzige Instrument, das man sich unter den Ellbogen klemmt. Dann mag man an Marilyn Monroe denken und schon bald kommt einem der Hawaiianer Israel Kamakawiwo’ole mit seinem legendären «Over The Rainbow» in den Sinn. Aber ein ganzes Orchester? Acht Briten hatten sich in den 80er-Jahren getroffen, um ein einmaliges Ukulele-Konzert auf die Beine zu stellen. Dass sie heute noch durch die Welt touren lässt vermuten, dass ihre Idee Anklang fand.

Anklang finden bis heute die plastischen Arrangements, das Niveau der Vokalparts und nicht zuletzt der herrlich trockene Britische Humor. Pokerface ist nur der Vorname.

Der «hüpfende Floh»

Obwohl die Ukulele primär mit Hawaii verbunden wird, stammt sie ursprünglich aus Madeira. Die oberste Saite, die eine Oktav höher gestimmt ist, verleiht dem Instrument den unverkennbaren Klang: Auf Hawaii nannte man es darum auch «hüpfender Floh» – eben Ukulele. Die Ukuleles der acht Briten wiesen verschiedene Grössen bzw. Stimmungen auf: Von Sopran bis Bariton. Die E-Bass-Ukulele sorgte dann für den perkussiven Background und das nötige Klangfundament.

Das Repertoire des Orchesters reichte im U-Musik-Bereich von Folk über Jazz und Pop bis zu Filmmusik. Pharell Williams «Happy» reihte sich an einen Henry Mancini-Schlager, von Selbigem erklang eine phantastisch plastische Adaption des Soundtracks von «Once Upon A Time» und der Abräumer gegen Schluss war «Highway To Hell».

Absolut bemerkenswert aber auch eine Art Quodlibet: Aus «Langeweile» über einem Solostückchen ihres Orchesterkollegen über immer die gleiche Akkordabfolge begann ein Musiker nach dem anderen, eine Melodie dazu zu singen: Zuletzt tönten «I Will Survive», «Hotel California», «Killing Me Softly» u.a. in einem kakophonen Wohlklang. Klassik gab’s jedoch auch: Farbig arrangiert spielten die Briten Ausschnitte aus der «Romeo und Julia»-Suite von Prokofjew.

Höchstes Niveau

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die herausragende Leistung der Tontechniker am Mischpult. Es braucht sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um ein so höhenlastiges Instrument zusammen mit Gesangsstimmen abzumischen. Dies war den Britischen Technikern hervorragend gelungen: Es gab keine Klangspitzen, kein Ton überschlug sich, vielmehr war das Ganze von einer wohltuenden Balance geprägt, die aber auch dem berechtigten dynamischen Ausraster eines «Highway To Hell» Raum gab. Musikalische Qualität in allen Bereichen auf allerhöchstem Niveau – wie aus Great Britain aber auch nicht anders zu erwarten war.