Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Abwrackobjekt wird
zu glänzendem Kulturgut

Nach Jahrzehnten des Stillstands geht es für die HG 4/4 704 mit Volldampf in Richtung Zukunft. Vor dem Roll-Out am 21. Juni präsentierte sich die restaurierte Lokomotive in der Revisionswerkstätte der Dampfbahn Furka-Bergstrecke in Uzwil dem Publikum.
Martin Knoepfel
Riesiger Andrang in der Uzwiler Revisionswerkstatt der Dampfbahn Furka-Bergstrecke. Im Focus steht die HG 4/4 704. (Bilder: Andrea Häusler)

Riesiger Andrang in der Uzwiler Revisionswerkstatt der Dampfbahn Furka-Bergstrecke. Im Focus steht die HG 4/4 704. (Bilder: Andrea Häusler)

Auf einem grünen Werkzeugschrank steht ein silbern glänzender Pokal. Er gehört Jakob Knöpfel und ehrt ihn für seine Ausdauer als Projektleiter der Revision der HG 4/4 704. Einen langen Atem hatten er und sein Team tatsächlich benötigt, um aus der Rostlaube aus Vietmam ein lackschwarz spiegelndes, betriebsfähiges Schmuckstück zu schaffen. Dies nebst guten Kontakten und viel ideeller und materieller Unterstützung, wie Knöpfel am Tag der offenen Tore in der Dampflokwerkstatt auf dem Uzwiler Benningerareal betont.

Der Pokal, der Projektleiter Jakob Knöpfel für seine Ausdauer ehrt.

Der Pokal, der Projektleiter Jakob Knöpfel für seine Ausdauer ehrt.

Der 72-jährige Wittenbacher war von Anbeginn mit an Bord. Er war dabei, als 1990 – im Rahmen der Aktion «Back to Switzerland» – sieben einst nach Vietnam verkaufte Lokomotiven in die Schweiz zurückgebracht wurden: vier komplett Erhaltene, drei die sich als Ersatzteillager eigneten.

Inzwischen verkehren zwei der reimportierten Loks auf der meterspurigen Zahnradstrecke der Dampfbahn Furka-Bergstrecke zwischen Realp im Kanton Uri und Oberwald im Wallis. Zwei warten in Uzwil: die kurz vor dem Roll-Out stehende HG 4/4 704 und das im Aufbau befindliche Schwestermodell 708.

Überall hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Überall hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Zu 50 Prozent komplett erneuert Im Fokus stand am Wochenende jedoch die HG 4/4 704, die Uzwil am 21. Juni auf einem Tieflader in Richtung Verkehrshaus Luzern verlässt. Dort wird sie vom 22. bis 24. Juni die Attraktion der Rail-Days sein, bevor sie am 25. Juni an ihren Bestimmmungsort gebracht wird.

Unzählige Blicke waren auf die alte neue Dampflok gerichtet, Foto- und Handykameras fokussierten technische und mechanische Details. Derweil kursierten Männer in grünen Westen mit der Aufschrift «HG 4/4 System Winterthur» zwischen den Hallen, präsentierten, informierten und beantworteten Fragen. Vergessen waren die Mühen und der Schweiss, die hinter der blankpolierten Schönheit stecken. Denn rund die Hälfte der Substanz war nicht mehr zu erhalten gewesen, sondern hatte komplett neu aufgebaut werden müssen. So wurden das Führerhaus und der Wasserkessel unter Anwendung alter Technologien von Grund auf neu gefertigt.

Er war gestern ein gefragter Mann: Projektleiter Jakob Knöpfel (links).

Er war gestern ein gefragter Mann: Projektleiter Jakob Knöpfel (links).

Mit einem derart überwältigenden Echo der zweitägigen Präsentation hatte Jakob Knöpfel nicht gerechnet. Er freut sich, sieht darin auch eine Anerkennung der langjährigen Arbeit, die das rund 50-köpfige, zu 90 Prozent aus pensionierten Fachleuten aus der Metallbranche bestehende Team geleistet hat. Eine eingeschworene Gemeinschaft, in der es jedoch immer wieder Platz für neue Gesichter habe. «Gottseidank», sagt Jakob Knöpfel. Von zwei älteren Mitarbeitenden weiss er, dass sie mit der Fertigstellung der HG 4/4 auch ihre Tätigkeit in der Dampflok-Werkstatt beenden. «Wenn in 20 oder 30 Jahren noch Dampflokomotiven rollen sollen, müssen wir jüngere Leute begeistern», sagt der gelernte Bauschlosser. Allerdings wollten die meisten von ihnen die Loks lieber fahren als restaurieren. Knöpfli hat dafür ein gewisses Verständnis. Denn genau das hatte auch er bis zum Erreichen der Altersgrenze getan.

Die erfolgreichen Bemühungen um den Erhalt der zwischen 1923 und 1930 in Winterthur gefertigten Lok veranschaulichte Knöpfel schliesslich Schritt für Schritt in seinem vielbeachteten bildlich untermalten Rückblick auf die Geschichte der restaurierten Lok. Zwischen Süssem vom Gebäckstand und Nahrhaftem vom Grill liessen sich die Besucherinnen und Besucher in eine Welt entführen, die viele von ihnen in der Jugend fasziniert hatte und einige vielleicht in ihrem Erwachsenenleben begeistern wird.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.