Abstimmung
FDP tendiert als einzige Flawiler Ortspartei zu einem vierfachen Ja an der Urne

Am 7. März entscheidet Flawil an der Urne über drei Bauprojekte, die Investitionen von rund 30 Millionen Franken auslösen. Grüne, SP und CVP haben ihre Parolen bereits gefasst. Die FDP diskutierte die Vorlagen am Montagsstamm.

Andrea Häusler
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Braucht Flawil einen weiteren Begegnungsplatz und zusätzlichen Kulturraum? Die Grundsatzfrage wurde am Stamm der FDP-Ortspartei eingehend diskutiert.

Braucht Flawil einen weiteren Begegnungsplatz und zusätzlichen Kulturraum? Die Grundsatzfrage wurde am Stamm der FDP-Ortspartei eingehend diskutiert.

Visualisierung: PD

«Neugestaltung Marktplatz», «Hochwasserschutz Dorf-/ Tüfibach» und «Neubau Dreifachturnhalle/Musikschulzentrum Feld»: drei Generationenprojekte. Wobei beim Sporthallen-/Musikschulprojekt zusätzlich über Materialvarianten abgestimmt wird. Finanziell seien die Investitionen verkraftbar, sagte der ehemalige Gemeinderat Erich Baumann an der virtuellen Stammtischrunde der FDP vom Montag: «Inklusive einer Steuerfusssenkung.»

Wasserbauprojekt schränkt Gestaltungsraum ein

Kritische Stimmen blieben gleichwohl nicht aus. Insbesondere das Wasserbauprojekt Dorfbach/Tüfibach dürfte es an der Urne nicht ganz so leicht haben. Die FDP ist, im Gegensatz zu den Grünen und die CVP, die das Projekt ablehnen und der SP, welche Stimmfreigabe beschlossen hat, zwar «tendenziell eher dafür». Dennoch: Überzeugung hört sich anders an.

Insbesondere das Wasserbauprojekt Dorfbach/Tüfibach dürfte es an der Urne nicht ganz so leicht haben.

Insbesondere das Wasserbauprojekt Dorfbach/Tüfibach dürfte es an der Urne nicht ganz so leicht haben.

Bild: ahi

Bemängelt wurde einerseits die Bachführung über den Marktplatz, welche erheblich Platz beanspruche, das Areal optisch einenge und den Gestaltungsspielraum einschränke. Insbesondere dann, wenn die Platzgestaltung in der vorgeschlagenen Form abgelehnt würde. Und was, wenn das 9,8-Millionen-Projekt, welches die Gemeinde mit rund 3,68 Millionen Franken belastet, vom Stimmvolk verworfen und der Gewässerausbau für ein 100-jährliches Hochwasser aufgeschoben würde? Dann müsste wohl der Baulinienplan auf die Naturgefahrenkarte des Kantons angepasst werden, was die Bautätigkeit bis zum Umsetzung eines alternativen Projekts in einem grösseren Gebiet einschränkte, wurde befürchtet.

Markthalle nicht behindertengerecht

Markthalle, Kulturraum, Tiefgarage: Das Anliegen, den Marktplatz im Zentrum aufzuwerten ist Jahrzehnte alt. Das vorliegende 8,3-Millionen-Projekt wirkt baulich prägnant und deckt verschiedene Bedürfnisse ab: Den Wunsch des Gewerbes nach Ersatz der 60 oberirdischen Parkplätze, aber auch das Anliegen der Vereine, Kulturraum für Veranstaltungen mit 100 bis 150 Besucherinnen und Besuchern zu erhalten. Nur, braucht Flawil das?

Einig waren sich die FDP-Mitglieder in dieser Frage nicht. Von einem «Kompromiss ohne Leuchtturmcharakter», war die Rede und von einem allmählichen Überangebot an Begegnungsplätzen. Letzteres zeichne sich auch beim Kulturraum ab. Mit dem Mattenhof, dem Linden- und Rösslisaal, dem Pfarreizentrum, dem Zwinglisaal etc. existierten bereits mehrere Lokale, die Kulturveranstaltungen ermöglichten. Da brauche es nicht zusätzlich einen Raum, der sechsmal jährlich bis 22 Uhr genutzt werden könne, wurde argumentiert. Kritisiert wurde ausserdem, dass das Projekt mit den schrägen Stützen nicht behindertengerecht sei und für Blinde ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Es gab aber auch andere Stimmen, die Mut zu Neuem forderten und dazu ermahnten, die Platzgestaltung nicht wegen Details neuerlich (um Jahrzehnte) aufzuschieben, um dann möglicherweise wieder nicht zu entscheiden.

Hinsichtlich des Fahrplans sagte Gemeinderat Markus Lichtensteiger: Nach einem Ja an der Urne erfolgten noch dieses Jahr die Detailplanung und das Bewilligungsverfahren. Wann mit dem Bau begonnen würde, sei allerdings offen. «Das hängt auch von den Einsprachen ab», sagte Lichtensteiger.

Trotz vieler Vorbehalte verständigten sich die Mitglieder auf ein «eher Ja». Die Grünen und die SP empfehlen die Annahme des Kreditantrags, die CVP lehnt das Vorhaben ab.

Klares Bekenntnis zum Holz

Das Bedürfnis nach einem Ersatz für die in die Jahre gekommene Turnhalle Feld und dem Neubau eines Musikschulzentrums scheint weitgehend unbestritten zu sein. Die SP und die CVP befürworten das 14 Millionen teure Doppelprojekt und empfehlen die Ausführung der Dreifachturnhalle in der Variante Holz.

Die FDP-Mitglieder befürworten den Bau der geplanten Dreifachturnhalle mit Musikschulzentrum im Feld. Bei den Varianten sprachen sie sich klar für einen Holz- und gegen einen Betonbau aus.

Die FDP-Mitglieder befürworten den Bau der geplanten Dreifachturnhalle mit Musikschulzentrum im Feld. Bei den Varianten sprachen sie sich klar für einen Holz- und gegen einen Betonbau aus.

Visualisierung: PD

Ähnlich dürfte die FDP letztlich entscheiden. Die Parolenfassung obliegt allerdings auch bei dieser Vorlage der Parteileitung.

Als bisher einzige Ortspartei empfehlen die Grünen die Ablehnung der Neubauprojekte im Feld. Grund dafür ist die geplante Eisspeicherheizung. Diese wird zwar zu 90 Prozent mit erneuerbarer Energie, in Spitzenzeiten aber auch mit Gas betrieben. Wobei am FDP-Stammtisch betont wurde, dass auch der Transport von Holzschnitzeln und der Holzschlag nicht CO2-neutral seien. Ausserdem seien nicht nur die ökologischen Aspekte, sondern auch die finanziellen zu berücksichtigen. Was den Baustoff betrifft, sprachen sich auch die FDP-Mitglieder klar für einen Holzbau aus.

Provisoriumsfrage überdauert Abstimmung

Der Hallenneubau ist ein Gebot der Zeit. Rundum glücklich wäre man jedoch auch nach einem Ja des Stimmvolks noch nicht. Dies sagte der Vorsitzende der IG Sport, Urs Diethelm, am Montag, hoffend, in der Phase zwischen Vor- und Bauprojekt noch «kostenneutrale Veränderungen» erwirken zu können. Ein Dorn im Auge bleibt ihm die Anordnung des Geräteraums. Gut leben kann er hingegen mit dem Verzicht auf eine Tribüne: «Für Sportveranstaltungen mit Publikum steht im Botsberg eine Halle zur Verfügung. Mehr braucht Flawil nicht.»

Völlig unbefriedigend ist für Diethelm die «Organisation» des Turn- und Sportbetriebs während der Bauphase. 160'000 Franken sollen der Schule und den Vereinen über das Budget für alternative Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Ziel müsse jedoch ein fixes Provisorium sein – idealerweise auf dem Aussenplatz der Schulanlage Botsberg. Die Kosten? Diethelm geht von knapp 300'000 Franken aus und versichert: «Dafür werden wir in der Budgetdebatte auf die Hinterbeine stehen.»

CVP sagt zweimal Nein und einmal Ja

Die CVP empfiehlt das Wasserbauprojekt sowie die Marktplatz-Neugestaltung zur Ablehnung, den Turnhallenneubau mit Musikschulzentrum im Feld zur Annahme – in Holz. Dies teilt die Parteileitung mit.

Der Ausbau des Tüfibachs sei zwar unumgänglich, die beantragte neue, offene Bachführung über den Marktplatz aber nicht zielführend, schreibt der CVP-Vorstand. Der daraus resultierende bis zu drei Meter tiefe Graben rund um den Marktplatz wäre falsch und würde zur einer Abfallgrube verkommen. «Bei Ablehnung der Vorlage wird laut Gemeinderat der bestehende unterirdische Bachlauf rund um die Migros ausgebaut und dem Hochwasserschutz genüge getan. Ebenfalls gäbe es bei einer eventuellen Neugestaltung des Platzes ohne Bachlauf variantenreicheren Spielraum.»

Die Neugestaltung des Marktplatzes wird von der CVP grundsätzlich begrüsst. Hinterfragt wird hingegen die Notwendigkeit des geplanten Gebäudekomplexes. «Parkplätze im Zentrum sind nötig und die geplante Tiefgarage wünschenswert.» Der Bedarf eines neuen Kulturraumes mit der Markthalle sei aber nicht ausgewiesen, verfüge Flawil doch mit Sälen der öffentlichen Hand und dem Angebot von Restaurants über genügend Raum – auch für kleine Anlässe. «Ausserdem wurde das Spielplatzangebot in den letzten Jahren ausgebaut. So bestehe auch kein Bedarf nach einem zusätzlichen Treffpunkt für Familien.

Klar spricht sich die CVP für die Ablösung der alten Turnhalle ab, die nicht mehr den Anforderungen des Schul- und Vereinsports genüge. Mit dem geplanten Neubau können auch für die Musikschule Räume erstellt werden, die dringend nötig sind. Aus Sicht der Partei muss die Gemeinde auch ökologische Verantwortung übernehmen, weshalb die Holzbauvariante empfohlen wird. (pd)