ABSCHLUSS: Conz mit den fliegenden Fingern

Mit dem Chris Conz Trio gab’s ein fast volles Haus noch vor der Sommerpause bei Monday Night Music im Keller des Flawiler Restaurants Park. Nun folgt eine lange Pause ohne Jazz, Blues und Folk im Jazzkeller.

Michael Hug
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Michael Hug

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«The Boogie rocks» – was so viel heisst wie Boogie Woogie fährt in die Knochen, mit Boogie Woogie gibt’s ganz sicher einen tollen Abend, mit Boogie Woogie geht’s voll ab. Und auch wenn Boogie Woogie eigentlich zum Tanzen gemacht ist, wäre das bei Monday Night Music ein wenig zu viel verlangt. Doch dass sie dennoch «abgehen» und «abfahren» können, wenn auch im Sitzen, beweisen die Ü60-er im Publikum immer wieder. Es braucht dazu nur etwas lüpfige Musik – wie der Boogie Woogie eben – und etwas Sonne im Herzen.

Zum zweiten Mal im «Park»

Am vorgestrigen Montag war es wieder so weit: Der Jazz rockte im Park. Zu Besuch war einer, der auch schon mal hier war, der Zürcher Oberländer Boogie-Pianist Chris Conz mit seinem Trio. Der Mann am Klavier brachte ausgesprochen gute Laune mit, was nicht wundert bei einem sonnigen Tag wie diesem und einem Publikum wie diesem. «The Boogie rocks» (Albert Ammons, 1907–1949) wählte Conz zum Auftakt, und damit war schon mal ein Signal gesetzt. Der Abend würde kein ruhiger werden, vielmehr ein bewegter, temporeicher, vielleicht sogar ein durchgeknallter. Es hätte den «Wake up Call» (Frank Muschalle, 1969) des jungen deutschen Komponisten und Pianisten danach gar nicht gebraucht – das Publikum war längst wach.

Dann, beim «Just for You» (Pete Johnson, 1904–1967; Boogie-Woogie-Musiker werden offensichtlich nicht sehr alt), zeigte Conz, was in ihm steckt. Er deckte das Publikum richtiggehend ein mit seinen wirbelnden Fingern, und dieses kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch dass er auch anders kann, bewies er mit eigenen und gecoverten Blues-Stücken sowie neu arrangierten Jazzklassikern. Und er ­outete sich auch als humoriger Unterhalter: «Ihr wundert euch vielleicht, warum ich zu meinen Musikern rübergrinse, das ist, weil ich dieses Stück jedes Mal anders spiele, so müssen sie aufpassen und schlafen nicht ein!» Natürlich schlafen Mario von Holten am Schlagzeug und Arno Schulz am Bass nicht ein. Wie auch – sie kennen ihren Chef und wissen: Er möchte, dass der Boogie Woogie schnell und vibrierend gespielt wird.

Sitzender Applaus

Chris Conz, in Uster geboren, hat den Boogie Woogie schon mit elf Jahren für sich entdeckt. In seinem Spiel, dass er während Jahren weiterentwickelte und perfektionierte, liess er sich von Boogie-Woogie-Grössen wie Albert Ammons, Pete Johnson, Mead Lux Lewis, Axel Zwingenberger oder Vince Weber beeinflussen. Schon mit 16 Jahren wurde er von Silvan Zingg an das Internationale Boogie-Woogie-Festival in Lugano eingeladen, damals noch als «Surprise Guest».

Doch mittlerweile ist der 32-Jährige bei weitem kein Unbekannter mehr. Er spielte schon in ganz Europa, in Australien, Madagaskar und auch den USA. Hierzulande gewann er den Kleinen Prix Walo und den Swiss Jazz Award. Auch ist er als Pianist der Band Terry and the hot Sox bekannt. In Flawil kennt man ihn als Chris Conz, den Mann mit den fliegenden Fingern. Seine Fans im «Park» dankten ihm seinen Auftritt vor der musikalischen Sommerpause in Flawils Kulturkeller mit anerkennendem, sitzendem Applaus.

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