Abschied von den Wikingern

Haustausch – Teil 7: Seit einem halben Jahr lebt die vierköpfige Familie Milsom auf den Orkneyinseln. Ihre letzten Tage in Schottland verbrachten die Wiler mit dem heiligen Magnus und beim Abfallsammeln.

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Matthias und Natalie Milsom mit ihren Kindern Nanouk und Maleah am Strand der Orkney-Inseln. (Bild: pd)

Matthias und Natalie Milsom mit ihren Kindern Nanouk und Maleah am Strand der Orkney-Inseln. (Bild: pd)

WIL. Es ist Juni, und die Zeit der Milsoms auf den Orkneyinseln nördlich von Schottland neigt sich schon langsam dem Ende entgegen. Auch wenn sie jetzt schon etwas traurig sind, möchten sie auch den letzten Monat nochmals so richtig geniessen. Dazu gehören auch immer wieder das Meer und die Wikinger. Diese zwei spielen eine grosse Rolle auf den Inseln, und viele Orkadier stammen von den Wikingern ab. Auch die Milsoms könnten von den Wikingern abstammen, deutet der Name doch auf einen Ahnen namens Emil-Sohn.

Mit Stolz und Ehrfurcht

Auch wenn auf der Insel alle Englisch sprechen, gibt es viele Wörter, die nur auf Orkney gebraucht werden und die auf die Wikingerzeiten zurückgehen. Auch die Namen der Einwohner zeugen von ihrem Wikingerstolz, und die Klassenkameraden der Milsom-Kinder heissen beispielsweise Magnus, Thorfinn, Freya oder Thora.

Tochter Maleah ist in der dritten Klasse, und glücklicherweise ist dies das Wikingerjahr in der St. Andrews-Schule. Die Kinder beschäftigten sich intensiv mit dem Thema, und der krönende Abschluss ist ein Besuch der St. Magnus-Kathedrale, die zu Ehren des friedlichen Wikingers Magnus gebaut wurde. Sohn Nanouk kommt gerade zurück von einem Wikingertag des Jugendclubs. Die Geschichte vom heiligen Magnus war auch ein zentraler Teil an diesem Tag, und neben den alten nordischen Göttern und dem Festmahl nach Wikingerart stellten sie zum Schluss die Legende von Magnus und seinem Widersacher Hakon nach. Auch wenn alle in Orkney die Geschichte der Schädelspaltung des ehrlichen Helden, der hintergangen worden war, schon längst kennen, so erfüllt sie doch alle mit Stolz und Ehrfurcht.

An Land geschwemmt

Zusammen mit den Wikingern spielt auch das Meer eine grosse Rolle in Orkney. Nicht nur bestimmt es grösstenteils das Wetter und beschert den Milsoms manchmal «Sea Haar» (so wird der Nebel genannt, der vom Meer übers Land zieht) sondern schwemmt auch allerlei Nützliches und Unnützes an Land. Um dem Abfall Meister zu werden, wird einmal im Jahr ein «Bag The Bruck» durchgeführt. Dies bedeutet «Stopfe den Abfall in Säcke». Viele Orkadier gehen in dieser Woche an zugeteilte Strandabschnitte, um den Abfall einzusammeln. Natürlich war auch die Milsom-Familie fleissig und füllte fünf riesige Säcke mit alten Schnüren, Plastiksäcken, Zahnbürsten, PET-Flaschen und anderem Müll.

Flaschenpost und Seestern

Aber das Meer bringt auch Spannendes, und so fand Nanouk letzte Woche eine Flaschenpost von einer älteren Dame aus North Ronaldsay, der nördlichsten Orkneyinsel, die auf diesem Weg eine Brieffreundin suchte. Den spannendsten Fund machte aber Natalies Bruder, als er zu Besuch war: Er fand ein altes Flugzeugrad. Nach einigen Nachforschungen fand der Flugzeugfan aus Schwarzenbach heraus, dass das Rad von einem Venom-Düsenjet aus den 50er- Jahren stammt. Die Milsoms kontaktierten die Experten von Crashsites Orkney, welche jetzt versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Aber auch nicht menschengemachte Objekte lassen sich am Strand finden. Ganz stolz zeigt Maleah die Schädel und ein Stück einer Wirbelsäule, die sie schon gesammelt hat. «Ich glaube, die Schädel sind alle von Vögeln, ausser diesem, der ist bestimmt von einem Schaf. Und der Wirbelknochen hier, der ist vielleicht von einem Wal oder einem Delphin.» Währenddessen verpackt Nanouk weitere Schätze, um sie in die Schule mitzunehmen. Die 7. Klasse organisiert ein «Discover Orkney»-Projekt, in dem sie alle Schülerinnen und Schüler animiert, neue Orte auf der Insel zu entdecken. Zum Projekt gehört auch ein Ausstellungstisch mit Fundstücken. Nanouk zeigt uns seine Schätze, bevor er sie einpackt: eine riesige Eierschale, vielleicht von einer Möwe, einen Seestern und einen wunderschönen Seeigel. Vater Matthias ist vor allem von den Vögeln und den Wellen fasziniert, und die Familie verbrachte schon viele Wochenenden an den unglaublichsten Klippen. Ein Höhepunkt ist immer eine Papageientaucher-Sichtung, aber auch die Tausenden von Möwen, Eissturmvögeln, Kormoranen, Alkenvögeln und Tölpeln lassen die Herzen der Milsoms höher schlagen. (nm)

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