Absagen, abwarten oder verschieben? Veranstalter der Region Wil und Toggenburg tappen weiter im Dunkeln

Die Frage, ab wann wieder Grossveranstaltungen stattfinden, beschäftigt Organisatoren der Region. Viele wünschen sich Klarheit.

Beat Lanzendorfer und Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
Noch ist kein Entscheid gefallen, ob am 8. August das Festival am Gleis in Degersheim stattfinden wird und kann.

Noch ist kein Entscheid gefallen, ob am 8. August das Festival am Gleis in Degersheim stattfinden wird und kann.

Bild: PD

Die Exit-Strategie des Bundesrats aus dem Lockdown ist nun bekannt. Völlig unklar bleibt allerdings vorerst, wann wieder Veranstaltungen stattfinden können. Dazu wollte sich der Bundesrat an der Pressekonferenz vom Donnerstag noch nicht genau äussern.

Für die Veranstalter bedeutet dies Planungsunsicherheit. Der Umgang damit unterscheidet sich, wie eine Nachfrage bei Veranstaltern aus der Region Wil-Toggenburg zeigt. Manche planen nach wie vor mit der Durchführung, andere erwägen nun eine Absage und ein weiterer Grossanlass wurde bereits aufs nächste Jahr verschoben.

Kein Köhlerfest mehr in diesem Jahr

Nach den jüngsten Bekanntmachungen des Bundesrats steht fest: Das Köhlerfest, das die ganze Region am Meiler in Sirnach hätte zusammenbringen sollen, wird um ein Jahr verschoben. Diesen Entscheid haben die Organisatoren am Donnerstagabend an einer Sitzung beschlossen.

Das Köhlerfest hätte vom 12. bis zum 28. Juni stattfinden sollen. Da der Bundesrat noch keinen Zeitplan für eine Lockerung für Grossveranstaltungen präsentierte, war diese Entscheidung unausweichlich.

Am Freitagmorgen wurden die rund 500 Helferinnen und Helfer sowie die 3000 Personen, welche bereits einen Platz im Festzelt reserviert hatten, über die Absage informiert.

OK-Chef Claude Engler betrachtet den Entscheid mit Gelassenheit: «Der Organisationsaufwand war ja nicht vergebens. Das Gerüst für die Durchführung im nächsten Jahr steht.» Das Datum ist ebenfalls schon bekannt. Das Köhlerfest findet vom 11. bis 27. Juni 2021 statt.

Fest am Gleis in Degersheim: Entscheid im Mai

Anders sieht die Situation beim Festival am Gleis in Degersheim aus. Dies alleine schon deshalb, weil es erst am 8. August stattfindet. Es bleibt also noch etwas Zeit für die Entscheidung über eine Durchführung.

Trotzdem machen sich die Veranstalter ihre Gedanken. Vereinspräsident Urs Graber sagt, dass zurzeit Abklärungen liefen, über finanzielle Verluste im Fall einer Absage beziehungsweise Verschiebung aufs nächste Jahr.

Dass keine Klarheit darüber herrscht, wie es mit Grossveranstaltungen weitergehe, mache die Situation für Veranstalter schwierig. Hinzu komme die Ungewissheit, ob die Angst vor einer Ansteckung bei einem Grossanlass Personen vom Festivalbesuch abhalten könnte, selbst wenn eine Durchführung Anfang August wieder möglich sein sollte.

Graber hat Verständnis für den Weg des Bundesrats.

«Es ist nachvollziehbar, dass die Regierung nicht so weit voraus entscheiden kann.»

Klarheit wäre trotzdem wichtig. Denn in den Verträgen mit den Musikern existiert eine Klausel, dass im Falle einer Absage aufgrund behördlicher Massnahmen kein finanzieller Verlust für den Verein entsteht. Anfang Mai treffe sich das OK zur nächsten Sitzung, dann werde das weitere Vorgehen besprochen.

«Uns geht es wie allen anderen»

«Wir hätten auch gerne eine Entscheidung seitens des Bundesrates, weil die Zeit auch für uns knapp wird», sagt Olivia Hug, Verantwortliche Marketing/Medien des Openair Bütschwil. Ihr Vorteil sei, dass ihre Veranstaltung erst Ende Juli stattfindet.

Trotzdem: «Uns geht es wie allen anderen auch, allerdings verspüren wir etwas weniger Druck, weil wir lokal verankert und die Wege zu den Sponsoren und den Lieferanten kürzer sind.» Sie gehe davon aus, dass Anfang Mai eine Entscheidung fallen wird, ob das Openair, das für 1000 Besuchende konzipiert sei, stattfinden könne oder allenfalls abgesagt werden müsse.

Auch bei den Jazztagen Lichtensteig will man zuerst abwarten. «Wir arbeiten zurzeit mit angezogener Handbremse, was aber nicht heisst, dass wir uns nicht mit der Ausgabe 2020 befassen», sagt Raphael Gygax, OK-Präsident der Jazztage Lichtensteig, die im Städtli vom 7. bis 9. August über die Bühne gehen sollen.

Ein definitiver Entscheid werde wohl erst nach dem 1. Juni fallen. Vorerst sei es wichtig, die Finanzen im Auge zu behalten. «Wir möchten keine unnötigen Ausgaben tätigen, sollten wir die Jazztage definitiv absagen müssen.»

Unsicherheit herrscht auch bei den Veranstaltern des Openair Wildhaus, das am 3. und 4. Juli geplant wäre. Organisator Bruno Forster möchte zurzeit gar nichts zum Thema sagen. Im Gespräch ist allerdings zu spüren, dass er eine klare Botschaft seitens des Bundesrates vermisst, wie das Thema Grossveranstaltungen gehandhabt werden soll.

Fallen die Grümpeliturniere aus?

Auch zahlreiche Fussballvereine aus der Region beschäftigt die Frage, wann wieder Veranstaltungen durchgeführt werden können. Denn bald stehen die Grümpelturniere an.

Dieter Gähwiler, Präsident des FC Kirchberg, kann sich aufgrund der aktuellen Lage nicht vorstellen, dass vom 11. bis 13. Juni auf der Sonnmatt ein Grümpelturnier stattfinden kann. «Zurzeit treiben wir unsere Vorbereitungen aber trotzdem wie gewohnt voran.»

Die Kirchberger würden sogar ein Verschiebungsdatum in Betracht ziehen. «Sollte es im Juni nicht möglich sein, möchten wir im August eine Ersatzvariante ins Auge fassen.» In welcher Form sei noch offen. Gähwiler verhehlt nicht, dass ein Totalausfall ein schmerzliches Loch in die Vereinskasse reissen würde.

Auch beim FC Bazenheid bewegen sich die Aktivitäten vorerst auf Sparflamme, erklärt Vereinspräsident Danny Lüthi. «Selbstverständlich würden wir unser Grümpeli mit dem zweiten Bar-Pub-Festival gerne durchführen, im bisherigen Rahmen dürfte dies aber kaum möglich sein.»

Ganz absagen möchten die Verantwortlichen das Fest vom 19. und 20. Juni noch nicht. «Wir müssen die kommenden Wochen und die Entscheide des Bundesrates abwarten.»

Den FC Ebnat-Kappel würde eine Absage seines Grümpelturniers besonders schmerzen, weil es zu den grössten in der Ostschweiz gehört. Gemäss Präsident Christoph Schwabe sei diesbezüglich noch keine Entscheidung gefallen.

«Wir tauschen uns praktisch wöchentlich aus, selbstverständlich nur am Telefon, zurzeit heisst es aber abwarten und darauf hoffen, dass sich hoffentlich doch noch alles irgendwie zum Guten wendet.»

Die Anfrage bei weiteren Fussballklubs in der Region gab praktisch durchs Band ein identisches Bild: Alle hoffen darauf, ihr Sommerfest noch retten zu können. Deshalb werde ein definitiver Entscheid möglichst lange hinausgezögert.

Abklärungen laufen auch bei der Stadt Wil. Am 5. Mai würde der Maimarkt stattfinden. Anfang Woche wird der Entscheid kommuniziert.