Abhilfe gegen Irrationalität

In Schwarzenbach fand eine Veranstaltung zum Thema «Frau und Finanz» statt. Eine Professorin und die Leiterin für Anlagestrategie der St. Galler Kantonalbank waren die Referentinnen.

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Die Referentinnen Helga Fehr-Duda und Caroline Hilb Paraskevopoulos. (Bild: pd)

Die Referentinnen Helga Fehr-Duda und Caroline Hilb Paraskevopoulos. (Bild: pd)

SCHWARZENBACH. Warum jagt man Rabatten nach, obwohl man das Produkt eigentlich gar nicht braucht? Wieso schaut man am Kiosk auf jeden Rappen und leistet sich beim Autokauf unnötig teure Extras? Antworten darauf gaben am Mittwoch im «Cubo» in Schwarzenbach zwei Finanzexpertinnen an der Veranstaltung «Frau und Finanz» der St. Galler Kantonalbank.

Ziele zum eigenen Vorteil

Lange Zeit galt: Wenn es ums Geld geht, handeln wir rational. Schliesslich sei der Mensch ja ein Homo oeconomicus und verfolge ausschliesslich seine Ziele zum eigenen Vorteil. «Wir funktionieren aber anders», sagte die erste Referentin Helga Fehr-Duda von der Universität Zürich. Dies habe die Psychologie klar aufgezeigt: «Neben rein materiellen Zielen spielen auch weitere eine Rolle: anderen Menschen helfen oder eine Freude bereiten, besser zu sein als andere oder eine gerechte Aufteilung der Güter zu erreichen. Wirklich selbstsüchtig sind nur Schimpansen. Der Homo sapiens dagegen handelt viel weniger rational, als man in der Wirtschaft bislang dachte.»

Schutz vor den Sirenen

Abhilfe gegen Irrationalität versprach Helga Fehr in Form einiger Tips: «Fragen Sie sich vor jedem Kauf, wie viel Ihnen das Gut höchstens wert ist. Nehmen Sie sich Zeit für Preisvergleiche, denn oft findet man ein vergleichbares Produkt, das nicht im Sonderangebot, aber trotzdem billiger ist.» Ein weiterer wirksamer Schutz vor Fehlentscheiden, so Fehr, sei die Selbstbindung. Wie Odysseus, der sich gegen die betörende Sirenengesänge an den Schiffsmast binden liess, müsse Frau ihre eigenen finanziellen Bedürfnisse und Ziele vor Augen haben – und ihnen auch treu bleiben. Dazu reiche oft auch ein einfaches Einkaufsbudget.

Informationen einordnen

Auch im Anlagegeschäft spiele einem die Verhaltenspsychologie manchmal Streiche. Im zweiten Referat führte Caroline Hilb, Leiterin Anlagestrategie der St. Galler Kantonalbank, aus, wo die Denkfehler liegen. Tückisch sei der Gewöhnungseffekt: «Der Eurokurs von 1.20 Franken war wie in Stein gemeisselt. Dabei wusste man eigentlich, dass die Nationalbank den Kurs nicht ewig verteidigen konnte.» Wichtig sei, das Marktgeschrei in Schranken zu halten, denn auch im Anlagegeschäft lauern Schnäppchen. Informationen einordnen und auswerten sei das A und O jedes Entscheides.

Beim Apéro nutzten viele der rund 100 Teilnehmerinnen die Gelegenheit, sich mit den Referentinnen auszutauschen. (pd)