7359 – Glück oder Verderben

Das Theater Lenggenwil feierte am Freitagabend Premiere mit der heiteren Komödie «Lumpazivagabundus». Das Haus war zwar nicht voll besetzt, das Publikum jedoch in bester Stimmung.

Zita Meienhofer
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Lenggenwil. 7359 – das ist die Nummer, die den drei Handwerksburschen Holzme, Läderach und Flick vorerst Glück bringt, sie letztlich aber fast ins Verderben führt. 7359 – diese Zahl hat ihnen während eines Traums der böse Geist Lumpazivagabundus eingeflüstert. Es ist die Nummer des Loses, die bei der Ziehung gewinnen wird. Damit will Lumpazivagabundus die drei ins Verderben führen und somit für sich gewinnen.

Aber da ist auch noch die gute Fee Amorosa. Sie hat mit Lumpazivagabundus gewettet, dass die drei auf den richtigen Weg kommen werden. Während rund dreieinhalb Stunden – so lange dauert das Spiel – kommt es zu einem Seilziehen zwischen Lumpazivagabundus und Amorosa, bei dem vor allem die drei Handwerksburschen das Publikum mit ihrer spitzbübischen Art aufs Beste unterhalten.

Selten aufgeführt

Johann Nestroy schrieb 1833 die Zauberposse «Der böse Geist Lumpazivagabundus». 1950 machte Arthur Müller eine Mundartbearbeitung, änderte die Handlung geringfügig und schuf neue Szenen. Franz Odermatt inszenierte rund zehn Jahre später die Müllersche Fassung – allerdings als Musical wofür Peter Tschudi neue Lieder komponiert hatte. Schweizweit gelangt diese Komödie selten zur Aufführung und gehört deshalb zu den unbekannteren Werken.

Die vielen gesungenen Rollen hindern die Verantwortlichen meist daran, dieses Stück auf die Bühne zu bringen. Nicht so Regisseur Peter Bernhardsgrütter.

Er weiss, dass er auf sehr gute Sängerinnen und Sänger zurückgreifen kann und diese auch schauspielerisch überzeugen. Nach eineinhalb Monaten intensiven Probens zeigte sich Bernhardsgrütter zufrieden: «Mir hat es gefallen, wie sie es gemacht haben. Es war sehr gut».

Auch der Präsident von Theater Lenggenwil, Guido Wild, freute sich über die gelungene Premiere.

Neue Gesichter

Bei der diesjährigen Inszenierung waren einige neue Gesichter auf der Bühne zu sehen. Beeindruckt hat vor allem Stephanie Wild als Amorosa – gesanglich wie auch schauspielerisch. Das glorreiche Handwerksburschen-Trio hätte nicht besser verkörpert werden können als von den erfahrenen Darstellern Hans Kappeler, dem bedächtigen Tischler,

Guido Wild, dem lebenslustigen Schneidergesell, sowie Pirmin Bernhardsgrütter, dem zechenden Schuster. Die drei begeisterten das Publikum mit ihren träfen Sprüchen und ihrer Art, das Leben zu leben. Besonderen Applaus erhielt Pirmin Bernhardsgrütter für sein Kometenlied, das textlich bei einigen Passagen der Neuzeit angepasst wurde.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Leistungen von Denise Bernhardsgrütter als Moritatensängerin sowie als zweifelhafte Lebensdame und von Hugo Forrer als Lumpazivagabundus.

«Spassige» Arbeit

Erwähnenswert ist auch die Leistung des Orchesters unter der Leitung von Remo Bernhardsgrütter. Christian Käufeler, Albert Hollenstein, Hanspeter Masina und Chris Scherrer arbeiteten zwar mit den vorhandenen Kompositionen, improvisierten aber öfters und gaben den fröhlich-heiteren Stücken einen jazzig-modernen Anstrich.

Remo Bernhardsgrütter zeigte nach getaner Arbeit seine Begeisterung und jene seiner Musiker: «Theater ist je länger je mehr die einzige Möglichkeit, in dieser Art und Weise live aufzutreten. Uns macht es unheimlich Spass.» Spass gemacht hat der Abend auch dem Publikum, das sich amüsierte und mit Applaus nicht geizte.

Weitere Aufführungen am 5., 8., 9., 10., 13., 14., 15., 16. Oktober. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr und am Sonntag um 15.30 Uhr. Tickets unter www.theater-lenggenwil.ch oder 071 947 10 94 (Mo/Mi/Fr 13 bis 17 Uhr).

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