60voices erobern Herzen im Sturm

Mit neuem Namen und neuem Outfit konzertierte der frühere Chlorophyll-Chor am Samstag in der Kreuzkirche in Wil und am Sonntag in Zuzwil. Geblieben ist das innovative Musizieren mit genreübergreifenden Instrumentalisten.

Carola Nadler
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60voices mit Solistin Samira Yildiz in der Kreuzkirche Wil. Das letzte Konzert findet am Sonntag, 22. November, um 17 Uhr in der Kirche Zuzwil statt. (Bild: Caro Nadler)

60voices mit Solistin Samira Yildiz in der Kreuzkirche Wil. Das letzte Konzert findet am Sonntag, 22. November, um 17 Uhr in der Kirche Zuzwil statt. (Bild: Caro Nadler)

WIL. Am Wochenende feierten 60voices mit einem Konzert in der vollbesetzten Kreuzkirche Wil ihren ersten Auftritt. Nicht neu dabei: Chlorophyll hat seit jeher musikalisch über den Tellerrand hinausgespäht, 60voices führen diese Tradition fort. Nach dem gemeinsamen Musizieren unter anderem mit dem Posaunenquartett Moods, mit der Bluegrass-Formation Schlorzi Musig oder der Band Frantic hatte man sich nun an die Zusammenarbeit mit einem klassischen Streichquartett gewagt.

Spannende Akzente gesetzt

Für Nadine Steiner und Ursula Waldburger (Violine), Milena Tius (Cello) und Richard Bösiger (Kontrabass) hatte Chorleiter Walter Gysel Begleitsätze für einen Teil der Lieder geschrieben, die vorwiegend aus dem Gospelbereich kamen. Diese Arrangements bestanden vorwiegend aus reinen harmonischen Untermalungen, überraschten zwischendurch aber auch mit Ensemble-solistischen Einschüben, die durch die Kombination mit E-Piano und Cajón spannende Akzente setzten.

Kreative Vorstellungskraft

Die Verbindung zwischen Gospelchor und Streicherensemble mag zwar auf den ersten Blick als gewöhnungsbedürftig erscheinen. Die Arrangements bewiesen aber ein hohes Mass an Einfühlungsvermögen und kreativer Vorstellungskraft. Akustisch mag die Kombination nicht ganz geglückt sein: Überdimensioniert in der Verstärkung – nicht zu laut, aber in keiner Relation zu der kammermusikalischen Besetzung – wummerte der Klang des Ensembles vor sich hin.

Auf dem Konzertprogramm standen vorwiegend bekannte Gospels wie «Sending me angels», «Lord reign in me» oder dem Blues «Motherless Child»: Lieder, die durchaus für Besinnlichkeit sorgen und von Dirigentin Jeannine Egli feinsinnig einstudiert wurden. Derweil glitten einige Lieder mit ihrem recht forschen Tempo eher in die Belanglosigkeit ab, wie das gemeinsam mit dem Publikum gesungene «Yesterday» der Beatles. Deren Song «With a little help from my friends» hätte in der Coverversion von Joe Cocker weitaus tiefer die Herzen berührt.

Irgendwann habe man in der Jahresplanung für den November 2015 eine besinnliche Konzertreihe festgesetzt, erläuterte Walter Gysel in seiner Begrüssung. «Und dann holt einen die Geschichte ein.» Paris wurde nicht implizit erwähnt, aber: «Wir wollen ein Zeichen des Friedens setzen und laden alle ein, die in einer Weise von Krieg und Unfrieden betroffen sind.» Mit der Kollekte setzten 60voices ein Zeichen für die Grenzenlosigkeit von Unfrieden: Sie geht an ein Zirkusprojekt in einem Flüchtlingslager, an eine Schule für Flüchtlingswaisen und an Ärzte ohne Grenzen. Mit dieser Geste setzten 60voices am Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte ein unvergessliches Zeichen.