57 Millionen Rekord-Kredit für das Bergholz

Morgen Donnerstag kommt der Antrag des Stadtrats, dem Kredit von 56,7 Millionen Franken für den Bau des Sportparks Bergholz zuzustimmen, vor das Stadtparlament. Die Grösse dieses Kredits ist in Wil einmalig.

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Morgen Donnerstag kommt der Antrag des Stadtrats, dem Kredit von 56,7 Millionen Franken für den Bau des Sportparks Bergholz zuzustimmen, vor das Stadtparlament. Die Grösse dieses Kredits ist in Wil einmalig. Das Projekt umfasst verschiedene Hauptkomponente wie die Erstellung eines Hallenbades mit Wellnessbereich, ein neues, Challenge League taugliches, Fussballstadion, eine neue Eishalle, die Sanierung weiter verwendbarer Anlageteile, insbesondere des Freibades, sowie die Erstellung von allgemeinen Räumen wie Zugangsbereich und Restaurant.

Es wird dabei das Ziel einer Minergie-Zertifizierung des Sportparks Bergholz verfolgt.

Eishalle heizt Hallenbad

Mit dem Gesamtkonzept, mit welchem das Fussballstadion, die Eishalle, das Freibad und das Hallenbad gleichzeitig realisiert wird, bietet sich die einmalige Chance, das Projekt betriebs- und kostenoptimiert umzusetzen. Dies macht abgesehen der Kostenoptimierung auch deshalb Sinn, da alle bestehenden Anlageteile stark sanierungsbedürftig sind.

Ausserdem ist eine Etappierung kaum möglich, da die verschiedenen Gebäude aufeinander abgestimmt sind.

Nach Beurteilung des Stadtrats gehört ein Hallenbad zu den Bedürfnissen weiter Bevölkerungskreise und zu einer attraktiven Infrastruktur einer Stadt in der Grösse von Wil. Die Kombination von Eissport- und Hallenbad ermöglicht eine quasi vollständige Nutzung der anfallenden Kälteabwärme, was ebenfalls für eine gleichzeitige Realisierung dieser Anlageteile spricht.

Die Abwärme der Kälteanlage und der Ertrag von Solaranlagen auf dem Dach der Eishalle dienen der Versorgung respektive der Heizung der Bäder mit einer Wassertemperatur unter 29 Grad Celsius sowie der meisten Lüftungsanlagen und aller statischen Wärme-Ablageflächen. Für die Beheizung eines zum Hallenbad gehörenden geheizten Aussenbeckens wird eine Biogasanlage eingesetzt.

Finanzielle Beteiligungen

Aufgrund der überregionalen Bedeutung der Sportanlagen Bergholz ist auch betreffend der Finanzierung und dem Betrieb der Anlage eine regionale Lösung vorgesehen. Das heisst, dass diejenigen, die direkt und indirekt von den Anlagen profitieren, finanziell in die Verantwortung eingebunden werden. Konkret sind das nebst der Stadt Wil auch die nutzenden Vereine, Regionsgemeinden sowie die Kantone St. Gallen und Thurgau. Von Gemeinden sind bereits Zusicherungen für eine Beteiligung an den Betriebskosten eingegangen.

Die bei den Kantonen eingereichten Gesuche sind noch hängig. Von ihnen ist eine Beteiligung an den Investitionskosten vorgesehen. Dies soll auch bei Vereinen der Fall sein. Vom FC Wil werden beispielsweise zehn Prozent der rund 11 Millionen Franken Investitionskosten für das Fussballstadion verlangt. Denkbar sind Geldleistungen, Sponsoring sowie Eigenleistungen in Form von Arbeit und/oder Material.

Projektierungskredit

Nebst dem Kredit von brutto rund 57 Millionen Franken hat das Stadtparlament morgen Abend auch über einen Projektierungskredit von 850 000 Franken zu entscheiden. Mit diesem könnten Projektierungsarbeiten für das Baueingabe- und Ausführungsprojekt bis zum Erstellen der Werkpläne sowie der Ausschreibungen und Offerten vorgezogen werden. Damit wäre ein Zeitgewinn von rund einem Jahr herauszuholen.

Mit der dadurch eingeleiteten Vorverlegung der Projektierung könnten die Anlagen bereits im Jahr 2013 eröffnet werden. Ansonsten würde dies im Sommer 2014 geschehen. Kehrseite der Medaille des Projektierungskredits ist aber, dass das Geld auch bei einem Nein des Wiler Stimmvolks im November ausgegeben worden wäre, ohne davon etwas zu haben. Ausserdem stehen die Ersatzwahl von Roman Rutz (EVP) sowie die Beantwortungen dreier Interpellationen auf der Traktandenliste.

Teilweise maroder Zustand

Die Sportanlagen Bergholz sind weit über 40-jährig und betrieblich, aber auch technisch veraltet. Am 30. August 1963 wurden die Spiel- und Sportanlagen Bergholz offiziell eröffnet. Da über eine längere Zeit nicht genügend Mittel für einen umfassenden Unterhalt zur Verfügung gestellt wurden, ist die Gebäudetechnik teilweise in einem schlechten Zustand.

Dies ist verbunden mit der Ungewissheit, zu welchem Zeitpunkt einzelne Komponente ihren Dienst aufgeben und somit gar einzelne Anlageteile geschlossen werden müssen. Beispielsweise ist gemäss einem statischen Gutachten die Konstruktion des Eishallen-Dachs nur beschränkt tragfähig und muss bereits bei mittleren Schneelasten rechtzeitig geräumt werden. Das Fussballstadion genügt den Anforderungen des Schweizerischen Fussballverbandes seit längerem nicht mehr.

Von Seiten des FC Wil wurde wiederholt vorgebracht, dass dieser in absehbarer Zeit keine Lizenz mehr für die Challenge League erhalten werde, wenn nicht ein Stadion erstellt würde, das die Auflagen des Verbandes erfülle. Und auch das Freibad präsentiert sich mit veralteter Badewasser-Technik, die es vollständig zu erneuern gilt. (sme.)