Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«500 Jahre Reformation – wie weiter?» Eine Antwort: Junge und Migranten gewinnen

Bischof Markus Büchel und der evangelische Kirchenratspräsident Martin Schmitt diskutierten am Sonntagabend in Wil über die Lage und Zukunft der St. Galler Landeskirchen.
Christof Lampart
Bischof Markus Büchel (links) mit Pfarrer Christoph Casty und Präsident Martin Schmitt von der Evangelischen Kirchgemeinde. (Bild: Christof Lampart)

Bischof Markus Büchel (links) mit Pfarrer Christoph Casty und Präsident Martin Schmitt von der Evangelischen Kirchgemeinde. (Bild: Christof Lampart)

Zum Abschluss des Reformationsjahrs lud die Evangelische Kirchgemeinde Wil am Sonntagabend zum Podiumsgespräch in die Kreuzkirche ein. Im Mittelpunkt stand zu Beginn jedoch nicht das vom evangelischen Wiler Pfarrer Christoph Casty moderierte Gespräch, sondern die «Deutsche Messe» von Franz Schubert, die unter der Leitung von Martin Baur vom Jugendorchester Wil und einem ökumenischen Projektchor brillant-berückend als «musikalische Klammer» vor und nach dem Interview dargeboten wurde.

Martin Baur verstand es wunderbar, die Musik transparent, die Stimmen klar und gut vernehmlich zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen. Dem Projektchor zuzuhören, wie er scheinbar mühelos und profund zugleich ein Werk in den Mittelpunkt stellte, das bewusst die Sorgen und irdischen Nöte der Menschen in den Mittelpunkt stellt, war eine grosse Freude.

Den Menschen pastorale Perspektive bieten

Auch das Gespräch «500 Jahre Reformation – wie weiter?» bot Interessantes – und zwei «Kirchenfürsten», die positiv in die Zukunft blickten. Sowohl Büchel als auch Schmitt sagten, dass sie gerne für und mit den Menschen die St. Galler Kirche mitgestalteten. Bischof Markus Büchel erklärte, dass es wichtig sei, dass er den Menschen eine pastorale Perspektive aufzeigen könne: «Wir müssen nahe an den Menschen sein und sie auf dem Weg in die Sinngemeinschaft begleiten, die sich an der Nachfolge Jesus Christus orientiert.»
Martin Schmitt sieht es als wichtig an, dass die Reformierten erst einmal ihre «eigene Identität» klärten. «Wenn wir gefragt werden, was wir sind, dann antworten wir oft ‹Wir sind nicht katholisch›, doch wir tun uns schwer damit, die eigene Identität zu klären.» Grundlegend habe er jedoch einen positiven Geist ausgemacht. «Ich habe das Gefühl, dass wir eine gute Kirche haben. Sie ist gross genug, um Ressourcen zu haben, und klein genug, um die eigenen Gläubigen noch zu kennen. Ich treffe viele Leute, die etwas mit der Kirche erreichen wollen, die also noch nicht kapituliert haben.»

«Wir wissen nicht, dass es sie gibt»

Büchel und Schmitt machten klar, dass sie sich «miteinander auf dem Weg» sehen und «ganz sicher nicht gegeneinander». Dies rühre wohl auch daher, dass nicht nur die theologische Auslegung der Heiligen Schrift seit den 1970er-Jahren nahezu deckungsgleich sei, sondern auch die Herausforderung im Alltag. Beide Kirchen sehen einen grossen Nachholbedarf bei der Förderung junger Erwachsener. «Wir müssen den Jungen Freiräume geben und sie mit neuen Gottesdienstformen begeistert. Wir haben zwar eine Liturgie, der wir verpflichtet sind, aber wir müssen mit ihr zeitgemäss umgehen», sagte Bischof Markus Büchel.
Martin Schmitt sieht im Einbezug von ausländischen Reformierten ein «noch sehr grosses Potenzial», denn «es gibt viele reformierte, ausländische Gruppen, die wir gar nicht so auf dem Radar haben, weil wir gar nicht wissen, dass es sie gibt. Dies einfach deshalb, weil sie nicht der Landeskirche angehören.» Ein Problem sei, dass die Religion weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden sei. «Vor 50 Jahren war die Sexualität ein öffentliches Tabuthema, und über Religiöses wurde selbstverständlich gesprochen; heute ist es umgekehrt», sagte Büchel.

Beide wollen nicht mit dem anderen tauschen

Obwohl beide ein tiefes Verständnis für die Probleme des anderen hegten, wollten weder Schmitt noch Büchel mit dem anderen tauschen. «Ich bin nun halt mal katholisch sozialisiert worden», sagte Büchel lakonisch. Da hatte Schmitt doch ein viel «handfesteres» Argument. «Ich bin zu gerne verheiratet, um Bischof zu sein», sagte er lachend.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.