50 Jahre für Gott und die Menschen

In der Benediktinerinnen-Abtei St. Gallenberg in Glattburg feiert die frühere Äbtissin Bernarda Meile ihre goldene Jubelprofess. Sie habe den Eintritt ins Kloster nie bereut, sagt die 73-Jährige.

Vroni Krucker
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Sr. Bernarda Meile gefällt das Leben im Kloster St. Gallenberg. (Bild: Vroni Krucker)

Sr. Bernarda Meile gefällt das Leben im Kloster St. Gallenberg. (Bild: Vroni Krucker)

OBERBÜREN. Die Begegnungen mit Sr. Bernarda sind eindrücklich und berührend. Die fröhliche Ordensfrau strahlt ihr Glück im Kloster aus und hat diesen Weg nie bereut. Sie ist offen für die Sorgen und Nöte der Menschen. 25 Jahre wirkte sie als «Mädchen für alles», 25 Jahre leitete sie den Konvent als engagierte Oberin.

Als siebtes von neun Kindern wurde sie am 26. Mai 1941 geboren. In ihrem Elternhaus auf dem Stoffel in der Gemeinde Mosnang habe sie eine glückliche Kindheit erlebt, erzählt sie. Nach der Schulzeit half sie überall mit, bei vielen Familien in der Wochenbettpflege oder im Landdienst. Zusammen mit ihrer Schwester übernahm sie die Verantwortung für die Handstickmaschine, die der Vater zum Nebenverdienst aufrichten liess.

Gläubige Familie

Die Gottverbundenheit ihrer Eltern hat die Familie geprägt. Eigentlich träumte Bernarda Meile davon, als Mutter und Bäuerin auf einem Hof zu wirken, sie liebt Kinder über alles. Doch als sich ihr Traum zu verwirklichen schien, habe sie Widerstand in ihrer Seele und den Ruf Gottes gespürt, sagt Bernarda Meile. Im Mai 1963 trat sie ins Kloster Glattburg ein. Im November erhielt sie das benediktinische Ordenskleid, welches sie bis heute mit Freude und Stolz trägt. Nach anfänglichen Zweifeln sei der Ewig Professtag der schönste und glücklichste ihres Lebens geworden, erzählt sie.

Wirken im Hintergrund

Am 4. Juni 1994 spendete ihr der St. Galler Bischof Otmar Mäder die Äbtissinnenweihe als letzte öffentliche Amtshandlung vor seiner Erkrankung. Die verantwortungsvolle, arbeitsintensive Zeit als Leiterin des Konvents war verbunden mit Freud und Leid. Einer der Höhepunkte war für die Äbtissin das Jubiläumsjahr 2004 mit der Festschrift, an der sie mitwirken durfte. Dort schreibt sie zur Frage, ob das benediktinische Leben heute noch eine Daseinsberechtigung habe: «Ja, je länger, je mehr. Die Welt braucht unser Wirken im stillen Hintergrund. Alle, die aktiv arbeiten und sich einsetzen, sind bewusst oder unbewusst angewiesen auf unsere Rückendeckung, sie benötigen unser Gebet.» Sr. Bernarda ist überzeugt, dass sie von Gott in dieses Kloster gerufen worden ist, obwohl ihr Leben bereits im Mutterschoss gefährdet war.

Beten, arbeiten, ausspannen

Bei ihrem Eintritt lebten 36 Nonnen in Glattburg. Heute sind es noch acht Schwestern. Das Kloster St. Gallenberg ist der letzte fortlebende Zweig der Fürstabtei St. Gallen. Weil sich immer weniger Schwestern diese Aufgabe teilen konnten, hatte Mutter Bernarda 1999 Laienbeterinnen und -beter gesucht und gefunden. Für die naturliebende Frau ist das Kloster Glattburg «der einzig richtige Ort». Seit ihrer Amtszeit dürfen alle Ordensmitglieder eine zehntägige Auszeit nehmen. Sr. Bernarda ist seit der Kindheit eine begeisterte Velofahrerin. Im Kloster war das aber nicht gestattet. Sie hat diese Freizeitbeschäftigung erlaubt und ist auf ein positives Echo gestossen. Ihre Geschwister haben ihr auf die Jubelprofess ein neues Velo geschenkt, mit dem sie jetzt möglichst oft durch die Gegend radelt. «Mit offenen Augen und Ohren erlebt man viel Freude. Das erhält mich fit an Leib und Seele», betont sie.

Der Festgottesdienst im Kloster Glattburg findet am 21. November um 9.30 Uhr statt. Er ist öffentlich.