450 frische Bananen für 500 Zehnräppler

Guido Lichtensteiger und sein Hilfswerk «together» – Hilfe für Indien konnten bereits am Mittwoch Bescherung feiern. Wenige Tage vor seiner Abreise nach Indien durfte er den Erlös der 10-Rappen-Spendeaktion des «Landhauses» entgegennehmen: 750 Franken.

Andrea Häusler
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Geldsegen für Guido Lichtensteiger. Myrtha Fritz hat die Münzen gewechselt: des Fluggewichts wegen... (Bild: Andrea Häusler)

Geldsegen für Guido Lichtensteiger. Myrtha Fritz hat die Münzen gewechselt: des Fluggewichts wegen... (Bild: Andrea Häusler)

FLAWIL. Er läpperte sich über die Monate zusammen, der Betrag von 754 Franken und einigen Rappen. 10-Räppler um 10-Räppler wanderte in der Dose zwischen Eingang und Office des Restaurants Landhaus in Flawil. Das Konzept von Wirtin Myrtha Fritz: Für jedes verkaufte Menu wird ein Zehner gespendet. Neun Monate habe die Dose da gestanden, sagt sie, und auch den einen oder anderen Gast ermuntert, den Topf mit einem Zustupf zu äufnen.

40 Franken für eine Ziege

Angefangen hatte alles mit einer 50er-Note aus dem Geldbeutel der pensionierten Bäckersgattin Margrith Lichtensteiger. 450 Bananen werde er den Kindern in Indien davon kaufen, hatte Guido Lichtensteiger – mit der Spenderin übrigens nicht verwandt – damals gesagt. Eine Aussage, die den Wert des Rappens in einem von Armut und Perspektivenlosigkeit geprägten Land deutlich machte. Tatsächlich lasse sich mit wenig Geld viel bewirken, bestätigt Lichtensteiger. Und er erzählt von den Nähmaschinen, die er für 70 Franken gekauft hatte, um Prostituierten ein Auskommen als Näherinnen zu ermöglichen. Oder von den Ziegen. Teuer seien sie geworden: «35 bis 40 Franken kostet inzwischen ein Tier.»

Keinen Rappen für sich selbst

Anfang Dezember wird Guido Lichtensteiger nach Delhi und von dort aus nach Andhra Pradesh reisen, wo er die laufenden Bauprojekte überwacht, sich mit Angelo, seinem Partner am Ort, austauscht, neue Ideen kreiert und aufgleist. Den Flug zahlt er aus der eigenen Tasche, wie alle anderen Reisekosten auch. «Die Spendengelder werden zu 100 Prozent in Indien eingesetzt», sagt Lichtensteiger. «Gegenwärtig sind wir dabei, ein Kinderheim zu bauen.» Die ersten 50 Kinder seien eingezogen – 25 Buben, aber auch 25 Mädchen. Im Endausbau soll das Haus 300 Kindern ein Zuhause bieten. Die Kosten: rund 60 000 Franken.

Das Kinderheim ist eines von gegenwärtig zwei grösseren Projekten des Hilfswerks «together». Das andere ist ein Brunnen, der aus 150 Metern Tiefe Wasser für rund 300 Familien fördert. «Letzte Woche erhielt ich den Bescheid, dass der Brunnen sprudelt», sagt Guido Lichtensteiger. Daneben gibt es viele kleinere Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten oder auch nur die aktuelle Not einer Familie lindern. Lichtensteigers Credo lautet: Dort helfen, wo die Not am grössten ist. Und so, dass die Unterstützung nachhaltig wirkt. Wie die 22 000 Schulbücher, die er drucken liess, um damit Kindern den Zugang zu Unterricht und Bildung zu ermöglichen.

10-Rappen-Aktion geht weiter

Myrtha Fritz wird die 10-Rappen-Aktion weiterführen, weiterhin für jedes Menu, das die «Landhaus»-Küche verlässt, ein 10-Rappen-Stück in den transparenten Plastikzylinder legen. Wie sie die 754 Franken am liebsten eingesetzt sähe, wurde sie von Guido Lichtensteiger gefragt. «Für ein Projekt, das noch mehr Prostituierte von der Strasse weg in ein sicheres, geordnetes Leben bringt.»

Information und Spendenkonto unter: www.together-indien.ch