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44 Wohnungen auf 15 Stockwerken: So baut man in Rickenbach 52 Meter hoch

Wo 2018 noch die Industriebauten der Eberle-Mühlen standen, erhebt sich bald ein Haus mit knapp vier Dutzend Mietwohnungen und Privatstrand am Mühleweiher.
Marco Enzler
Das fertige Gebäude soll 2021 für die Mieter bezugsbereit sein. (Visualisierung: PD)

Das fertige Gebäude soll 2021 für die Mieter bezugsbereit sein. (Visualisierung: PD)

Es entsteht sprichwörtlich Grosses bei der Mühle Rickenbach. Die Hochbauarbeiten am Hochhaus, das sich 15 Stöcke in die Höhe erstrecken wird, sind angelaufen. Doch wie baut man ein so hohes Haus?

So präsentierte sich die Baustelle am Freitag. In wenigen Wochen bereits wird sie völlig anders aussehen. (Bilder: Hans Suter)

So präsentierte sich die Baustelle am Freitag. In wenigen Wochen bereits wird sie völlig anders aussehen. (Bilder: Hans Suter)

«Wir bauen Stock um Stock»

«Grundsätzlich gehen wir vor wie bei jedem Einfamilienhaus auch», erklärt Bauleiter Patrick Sturzenegger. «Wir bauen Stock für Stock.» Dabei werde man sich an Liftschacht und Treppenhaus, dem Gebäudekern, orientieren, ergänzt Projektleiter Thomas Engel. Auch wenn das Bauprinzip theoretisch einfach ist, gibt es auf der praktischen Seite Schwierigkeiten zu bewältigen.

Die Belastung ist geringer als früher

Zunächst muss das tragende «Skelett» des Gebäudes erstellt werden: die Statik schlechthin. Nach Abschluss dieser Arbeiten wird eine sogenannte Betonelementfassade errichtet, erklärt Thomas Engel. Dabei würden vorgefertigte Betonelemente (kleines Bild), welche sich optisch am Vorgängerbau – eine Mühle – orientieren, direkt an den bestehenden Rohbau montiert. Für die Stabilität des Gebäudes ist Ingenieur Martin Kana zuständig. «Das Tragwerk wird im Wesentlichen aus Stahlbetonwänden und -decken bestehen», sagt er. Die Belastung sei vergleichsweise weniger gross, als man annehmen würde. Gegenüber dem rückgebauten Getreidesilo würden insgesamt 30 bis 40 Prozent weniger Gewicht auf dem Fundament lasten.

So wird gebaut

Für die Grundlage des Hochhauses kann man auf die intakte ursprüngliche 1,40 Meter dicke Bodenplatte der alten Mühle zurückgreifen. Dies, weil sie für viel grössere Belastungen als die zukünftige Wohnnutzung dimensioniert worden ist, sagt Thomas Engel. Die Verbindung zwischen Bodenplatte und Gebäude wird mittels Eisenarmierungen, welche in die Bodenplatte gebohrt werden, realisiert. Für den Bau des Hochhauses selbst werden zunächst einseitig die nötigen Stahlrahmenschalungen für die Wände aufgestellt. Auf diesen werden sämtliche später benötigte Installationen – wie beispielsweise Stromleitungen – bereits angebracht. Danach werden die nötigen Bewehrungseisen verlegt; das sind die Eisen, die den späteren Betonbau verstärken. Anschliessend wird die zweite Schalungshälfte errichtet und der Beton eingebracht. Ist dieser getrocknet und sind alle Wände erstellt, kann das Mauerwerk errichtet werden. Schliesslich können die Deckenschalungen für den Zwischenboden montiert werden. Auch hier werden wieder sämtliche Installationen und Bewehrungseisen verlegt, bevor wiederum Beton eingebracht wird. Auf diese Weise wird sich der Wohnturm Stockwerk um Stockwerk bis ins 15. Obergeschoss erheben.

Der Prototyp für die Fassadenelemente.

Der Prototyp für die Fassadenelemente.

Eine bauliche und logistische Herausforderung

Schwierig ist insbesondere die Erreichbarkeit. «Logistisch ist das Projekt eine Herausforderung. So müssen wir beispielsweise spezielle Personen- und Warenlifte an den Gerüsten anbringen», erklärt Bauleiter Patrick Sturzenegger. Auch das Stellen der Gerüste selbst ist nicht ganz einfach. Diese müssen nämlich zweimal aufgestellt werden, wie René Reutimann, der für den Gerüstbau zuständig ist, erklärt. Zunächst stelle man die Gerüste so, dass der Rohbau – also das «Skelett» – errichtet werden könne. Anschliessend müsse man die Gerüste abbauen und für die Montage der Betonelemente neu aufstellen. Dies ist nötig, damit nie ein zu grosser Abstand zwischen Gebäude und Gerüst entsteht; dadurch soll ein möglicher Absturz eines Arbeiters ausgeschlossen werden. Deswegen müsse das Gerüst zudem immer höher sein als das Objekt, erklärt Reutimann. Das heisst also, dass das Gerüst jeweils mit dem Rohbau «mitwachsen» muss. Ausserdem schützt die allgemeine Helmpflicht die Arbeiter vor herabfallenden Gegenständen.

Stabilität für den Fall eines Erdbebens

Ein weiteres Problem ist die Gewährleistung der Stabilität im Falle eines Erdbebens. Thomas Engel gibt Entwarnung: «Allgemein sind wir bezüglich Erdbeben in einer glücklichen Situation, da fast der gesamte Untergrund aus Fels besteht.» Dies ist wichtig, weil ein harter Baugrund erdbebentechnisch günstiger ist als ein weicher Boden wie beispielsweise Sand. Ingenieur Martin Kana erklärt: «Das Gebäude ist hoch und schlank, das ist nicht optimal.» Um die Stabilität zu gewährleisten, habe man das Gebäude deshalb mit massiven stählernen Zugstäben rund acht Meter tief im felsigen Baugrund verankert.

Zusätzlicher Brandschutz und Kranfundamente nötig

Auch die generelle Sicherheit der künftigen Mieter ist ein Thema. Insbesondere der Brandschutz. Um die feuerpolizeilichen Auflagen überhaupt erfüllen zu können, müssen in einem solch grossen Gebäude spezielle Mittel eingesetzt werden, sagt Engel. So müssten beispielsweise ein spezieller Lift und eine Rauchdruckanlage eingebaut werden. Letztere sorgt mittels Überdruck dafür, dass im Brandfall kein Rauch ins Treppenhaus gelangt. Für die Bauarbeiten stehen zwei Kräne im Einsatz. Laut Bauleiter Patrick Sturzenegger steht nebst einem unterstützenden Selbstaufstellerkran auch ein 60 Meter hoher Kran im Einsatz. Damit kann das 52 Meter hohe Haus gebaut werden. Besagten Kranriesen habe man aufgrund ihrer Ausmasse mit grossen Betonfundamenten unterstützen müssen, um die enormen Ecklasten aufzufangen. Eine Ecklast ist – vereinfacht gesagt – die im ungünstigsten Fall grösstmögliche Kraft, die durch den Kran punktuell auf den Boden übertragen wird.

Wenn alles nach Plan verläuft, können die Mieter ab Sommer 2021 die Aussicht von der für Mieter exklusiv begehbaren Dachterrasse auf die Wiler Altstadt und den Säntis bewundern: Dann nämlich sollen die Wohnungen bezugsbereit sein. Der angrenzende Mühleweiher mit Badehaus wird ihnen ebenfalls zur Verfügung stehen.

Hinweis
Weitere Informationen und Impressionen unter: www.muehlerickenbach.ch

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