300 Jahre jung und offen für Neues

WIL. Mit drei Konzertabenden feierten der Chor zu St. Nikolaus und der Orchesterverein Wil dieses Wochenende ihr 300-Jahr-Jubiläum. Der Orchesterverein nennt sich neu «Sinfonisches Orchester Wil».

Carola Nadler
Merken
Drucken
Teilen
Mit Carl Orffs «Carmina burana» stand ein bildgewaltiges Werk auf dem Jubiläumsprogramm des Chors zu St. Nikolaus und des Sinfonischen Orchesters Wil. (Bilder: Carola Nadler)

Mit Carl Orffs «Carmina burana» stand ein bildgewaltiges Werk auf dem Jubiläumsprogramm des Chors zu St. Nikolaus und des Sinfonischen Orchesters Wil. (Bilder: Carola Nadler)

Das erste Konzert von Donnerstagabend wurde vom Sinfonischen Orchester Wil und dem Jugendorchester Wil gemeinsam bestritten. Es sei allen ein grosses Bedürfnis gewesen, dieses Nachwuchsorchester mit dabei zu haben, wie Präsident Eugen Weibel in seiner Begrüssung erläuterte: «Mit der Integration der Jugend legen wir den Grundstein für die Zukunft». Mit einer kürzlich erhaltenen Stiftung hat der Orchesterverein einen Fonds zur Unterstützung junger Musizierender eingerichtet.

90 Musiker bei Finlandia

Jugendorchesterdirigent Martin Baur hatte sich für das gemeinsame Musizieren Jean Sibelius' sinfonische Dichtung «Finlandia» gewünscht, welche nahezu 90 Ausführende auf die Bühne brachte. Davor spielte das Jugendorchester einen Ausschnitt aus seinem Filmmusik-Programm. Eröffnet wurde der Abend von Beethovens Sinfonie Nr. 5, seinerseits ein Wunsch des musikalischen Leiters Kurt Pius Koller. Die Wirkung dieser Musik spiegelte sich in einem begeisterten Ausruf eines Jugendorchester-Cellisten: «Was für eine geile Sinfonie!»

Pralle Sprache

Am Freitag und Samstag stand mit der «Rhapsody in Blue» von George Gershwin und ihrer Pianistin Fanny Monnet wiederum eine junge Musikerin auf der Bühne, die mit ihrem eleganten Spiel grosse Begeisterung auslöste. Das Sinfonische Orchester gab mit diesem Werk voller Synkopen und Bluenotes wieder ein Beispiel seiner Vielfalt und der von Kurt Pius Koller erarbeiteten Stilsicherheit. Anschliessend kam der grosse Moment des Chors zu St. Nikolaus: Carl Orffs «Carmina burana» ist eine Sammlung von Liebes-, Trink- und Spottliedern aus dem Mittelalter. Orff hat diese pralle Sprache in eine ekstatische Musik verpackt, die in der Wiler Interpretation faszinierte. Von Renato Müller zusammengestellte und an die Wände projizierte Barockgemälde vervielfachten die überaus üppige Wirkung dieser Komposition. Als Solisten traten Roberto Carlos Gomez Ortiz, Tenor, Niklaus Kost, Bariton, und Nicole Bosshard, Sopran, auf. Letztere darf sich über den Zuspruch des Kulturpreises des Kantons St. Gallen freuen.

Strahlkraft über Grenzen hinaus

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann betonte an dieser Feier die aktive Präsenz von Chor und Orchester, die überhaupt nicht auf ihr stolzes Alter schliessen lasse. Im Gegenteil: «Beide Ensembles sind selbstbewusst, offen für Neues und zukunftsorientiert.»

So sei auch das Engagement für die Jugend ein prägendes Element der Vereinstätigkeit. «Es freut mich, in einer Kulturstadt leben zu dürfen, die von so vielen engagierten Menschen geprägt wird und weit über ihre Grenzen hinaus strahlt», sagte Susanne Hartmann.

Mit der jungen Pianistin Fanny Monnet spielte das Sinfonische Orchester Wil George Gershwins «Rhapsody in Blue». (Bild: CARO NADLER)

Mit der jungen Pianistin Fanny Monnet spielte das Sinfonische Orchester Wil George Gershwins «Rhapsody in Blue». (Bild: CARO NADLER)