300 000 Franken pro Jahr

Die Wiler Stadtregierung strukturiert den städtischen Hausdienst neu. Die Umorganisation führt zu Unsicherheit bei den Hauswarten und Diskussionen bei den Lehrkräften. Nun beziffert der Stadtrat das jährliche Einsparpotenzial.

Philipp Haag
Drucken
Teilen

WIL. «Ein Marschhalt ist nicht angezeigt.» Der Wiler Stadtrat zeigt sich unbeeindruckt von Silvia Ammanns Bitte. Die SP-Fraktionschefin forderte die Stadtregierung auf, den Prozess für die Neuorganisation der städtischen Hausdienste zu unterbrechen, um die Umstrukturierung zu überdenken. Das auf das nächste Schuljahr in Kraft tretende System sieht die Aufteilung der Stadt in Rayons mit einem Vorsteher und einem Stellvertreter vor (siehe Kasten). Die Zuständigkeit eines Hauswarts für ein bestimmtes Schulhaus entfällt. Die Massnahme löste bei den Hauswarten Unsicherheiten bis zu Existenzängsten aus und führte bei den Lehrkräften zu Diskussionen, da ein Hauswart eine Schlüsselposition im Gefüge eines Schulhauses innehat. Silvia Ammann bezeichnet den Hauswart als gute Seele des Schulhauses.

Das Nein des Stadtrats zu einem Stop des Prozesses ist deutlich, auch wenn er Verständnis für die Ängste aufbringt. Das Aufbrechen von bekannten Strukturen sei nicht einfach, schreibt die Stadtregierung in der Antwort auf Silvia Ammanns dringliche Interpellation. «Der Prozess fordert ein Umdenken bei allen Betroffenen, auch seitens der Lehrpersonen und Benutzergruppen.»

Ab dem Jahr 2023

Dass Silvia Ammanns Vermutung, die Neuorganisation sei eine Sparmassnahme, zutrifft, bestätigen nun vorliegende Zahlen. Der Stadtrat beziffert das Sparpotenzial auf Basis einer ersten Berechnung auf 300 000 Franken pro Jahr, die ab dem Jahr 2023 erreicht werden können. Wie die Einsparungen vorgenommen werden, lässt er offen. Es war gestern auf Nachfrage auch nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Teil der Einsparungen erfolgt womöglich über den Lohn der Mitarbeitenden. «Es wird Mitarbeitende geben, bei denen sich entweder eine relevante Abweichung im Verdienst ergeben wird, oder sie können nicht als Rayonverantwortliche oder Stellvertretung berücksichtigt werden.» Diesem Umstand soll durch eine Besitzstandsgarantie oder die Berücksichtigung als Härtefall Rechnung getragen werden. Die Besitzstandsgarantie wird für eine bestimmte Zeit gewährt, abhängig vom Alter der Hauswarte zwischen zwei Jahren bis zur Pensionierung.

Wie der Stadtrat mit Härtefällen umzugehen gedenkt, diese von Silvia Ammann gestellte Frage beantwortet er nur vage. Sie werde im Einzelfall entscheiden, lässt die Stadtregierung verlauten. Silvia Ammann ist es ein Anliegen, dass soziale Konsequenzen und Härtefälle möglichst vermieden werden. Der städtische Personalverband hat eine Härtefallregelung gefordert.

Ressourcen gezielt nutzen

Mit der Umstrukturierung möchte der Stadtrat «die gut qualifizierten Hauswartsmitarbeitenden ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzen und die personellen Ressourcen gezielt zu den Aufgaben nutzen». Eine Analyse habe beispielsweise ergeben, dass Hauswarte mit fundierter fachspezifischer Ausbildung Reinigungsarbeiten leisten, die von weniger qualifizierten Personen ausgeführt werden könnten. Es sei bei den Hauswarten eine Spezialisierung vorgesehen, die dem gesamtstädtischen Facility Management zugute komme. Mit der Neuorganisation werde des weiteren ein gemeinsamer Dienstleistungsstandard definiert.

Schulleitungen einbezogen

Dass beim Facility Management den schulischen Bedürfnissen eine besondere Stellung zukommt, dessen ist sich der Stadtrat bewusst. Die Schulleitungen seien in den Prozess einbezogen worden. «Es wurde eine erste Auslegeordnung der Bedürfnisse im Schulbereich vorgenommen», hält der Stadtrat fest.

Aktuelle Nachrichten