30 Minuten Gratisparkzeit: Gut gemeint, aber wirkungslos und ein absurdes Zeichen angesichts des Klimanotstands

Die SVP fordert, dass die Parkgebühren in Wil für die ersten 30 Minuten entfallen. Dies, um dem lokalen Gewerbe zu helfen. In Zeiten, in denen die grösste Konkurrenz online lauert, muss die Wirksamkeit dieser Massnahme bezweifelt werden.

Gianni Amstutz
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Parkgebühren mögen ärgerlich und gefühlt zu hoch sein. Der Versuch der SVP, das Gewerbe mit einer Gratisparkzeit von 30 Minuten zu unterstützen, scheint vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Der Nutzen der Massnahme ist dennoch fraglich. Die wahre Konkurrenz für das Wiler Gewerbe sind nicht Fachgeschäfte in Zuzwil oder Rickenbach, wo parkieren günstiger ist, sondern Onlineshops. Folglich wird eine Minderung der Parkgebühren kaum Wirkung entfalten. Denn den Online-Einkauf gibt’s ganz ohne Parkgebühren.

Die SVP mag bestreiten, dass es um eine Verkehrsfrage geht, Parkgebühren sind aber eine effektive Lenkungsmassnahme. Dem Ziel, den motorisierten Individualverkehr im Zentrum zu begrenzen, läuft die Motion der SVP konträr entgegen. Parkgebühren mögen für den Einzelnen zwar ärgerlich sein, von einem verkehrsberuhigtem Zentrum profitieren aber letztlich alle. Nicht zuletzt die Detailhändler selbst. Denn die Erreichbarkeit der Geschäfte, ohne minutenlang im Stau zu stehen, dürfte für die Kunden wichtiger sein als ein paar Rappen zu sparen.

Ungeachtet dessen, ob man den Klimanotstand befürwortet: Es wäre ein geradezu bizarrer Schritt, würde das Parlament nur drei Wochen danach Anreize fürs Autofahren setzen.