25 Bäche fliessen unter uns

Ein Hochwasser, wie es in Australien wütet, würde auch in der Gemeinde Kirchberg Schäden verursachen. Die unterirdischen Bäche haben zu wenig Platz, um grosse Wassermassen abzuführen. Zudem fliessen sie in alten Röhren.

Sebastian Keller
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Beispiel einer Offenlegung: Teil des Husenbachs in Kirchberg. (Bild: seb.)

Beispiel einer Offenlegung: Teil des Husenbachs in Kirchberg. (Bild: seb.)

Kirchberg. 25 Bäche fliessen durch das Siedlungsgebiet der Gemeinde Kirchberg. Meistens in Röhren verbannt, fliesst das Wasser dieser Bäche unter Häusern, Parkplätzen und Strassen durch. Der Gemeinderat orientiert zusammen mit Ingenieuren von Kuster + Hager über das Generelle Bachsanierungskonzept (GBK). Das Konzept zeigt auf, wie es um die Bäche innerhalb der Bauzone der Gemeinde Kirchberg bestellt ist. Zudem schlagen die Ingenieure realisierbare Massnahmen vor. Gemeindepräsident Christoph Häne betont: «Wir beginnen nicht morgen mit dem Pickel. Der Gemeinderat hat nicht die Absicht, die Massnahmen sofort umzusetzen. Es handelt sich um eine Generationenaufgabe.» Der Gemeindepräsident hält weiter fest, dass die Bäche eine Führungsaufgabe seien, da sie Teil der Infrastruktur einer Gemeinde sind wie die Strassen und die Kanalisation.

Zu eng für Hochwasser

Die Ingenieure unter der Leitung von Frank Lükewille hatten den Auftrag, drei Fragen zu beantworten. Die erste lautet: Kann ein Hochwasser abgeleitet werden? Als Massstab für diese Frage gingen die Ingenieure von einem Jahrhunderthochwasser aus; einem Hochwasser, das statistisch einmal in hundert Jahren vorkommt. «Nein», antwortet Lükewille auf die Frage, «teilweise würden die heutigen Kapazitäten der Bäche massiv überschritten.» Das bedeutet: Kommt es von oben wie aus Badewannen, laufen die Bäche über. Dabei würden sie Strassen, Freiflächen und auch Gebäude überschwemmen. Der Grundbach etwa – er fliesst durch den Dorfkern Kirchbergs – ist für ein solches Hochwasser mehr als 17 mal zu klein. Ein anderes Beispiel: der Sonnenbach, der schon mehrmals den Sonnengrund unter Wasser setzte. Die Ingenieure von Kuster + Hager erachten die Sanierung dieses Baches als vorrangig. Als Massnahmen schlagen sie vor, den Grundbach und den Sonnenbach beim Einlenker Schalkhausenstrasse/Florastrasse zusammenzulegen. Zudem empfehlen sie, den Sonnenbach beim Sportplatz über Landwirtschaftsland zum Altbach abzuleiten. Auch in den anderen Dörfern der Gemeinde sind die Kapazitäten unzureichend: etwa beim Seckibach in Müselbach und beim Giessenbach in Dietschwil.

Jahrzehntelang vernachlässigt

In welchem baulichen Zustand sind die Gewässer?, so die zweite Frage. «Es sind sehr häufig Schäden vorhanden», sagt Frank Lükewille. Die eingedolten – also überdeckten – Abschnitte seien jahrzehntelang vernachlässigt worden. Die Folge: Risse und das Absinken der Decken. Das Problem auch hier: Solange nichts passiert, ist das Problem nicht sichtbar. Als erste Priorität werten die Ingenieure den Grundbach unter der Schwertgasse 1: «Die Röhre droht dort zusammenzubrechen», sagt Ingenieur Lükewille.

«Flickwerk» verhindern

Die dritte Frage: Was passiert mit den Gewässern bei einem Baugesuch? Die Frage ist deshalb von Bedeutung, weil bei Bauarbeiten häufig eine Bachöffnung verlangt wird (siehe auch «Stichwort»). Die Ingenieure zeigen auf, dass so zwar Teilabschnitte offengelegt werden, es aber zu einem «Flickwerk» kommt. Mit diesem Konzept soll das verhindert werden und über Bachöffnungen grösserer Abschnitte nachgedacht werden. «Das macht Sinn für die Gemeinde», so Lükewille. Das Generelle Bachsanierungskonzept ist nicht rechtsverbindlich. Es soll der Gemeinde als Planungsgrundlage dienen.

Der Gemeinderat setzt nun eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Gemeinderat Linus Calzaferri ein. Diese studiert die Ergebnisse vertieft, lotet Prioritäten aus, legt das weitere Vorgehen fest und stellt bei Bedarf Antrag an den Gemeinderat.