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23-Jährige lebt von der Musik

Die Niederwilerin Joanna Thalmann ist Harfenistin. Kürzlich erhielt sie eine für sie wichtige Auszeichnung und hofft, einen Orchesterplatz zu erhalten.
Zita Meienhofer
Joanna Thalmann spielt hauptsächlich klassische Musik, aber auch zeitgenössische Musik oder Jazz. Sie hat keinen bevorzugten Komponisten, mag jedoch den Neoklassizismus mit Germaine Tailleferre sowie Paul Hindemith und den Impressionismus mit Gabriel Fauré sowie Claude Debussy. (Bild:Elina Akselrud Photography)

Joanna Thalmann spielt hauptsächlich klassische Musik, aber auch zeitgenössische Musik oder Jazz. Sie hat keinen bevorzugten Komponisten, mag jedoch den Neoklassizismus mit Germaine Tailleferre sowie Paul Hindemith und den Impressionismus mit Gabriel Fauré sowie Claude Debussy. (Bild:Elina Akselrud Photography)

Sie träumt davon, einmal im Kultur- und Kongresszentrum Luzern ein Solorezital zu spielen. Es könnte nun sein, dass sich dieser Traum schneller erfüllen wird, als sie gedacht hat. Joanna Thalmann, 23-jährig, in Niederwil aufgewachsen, nahm vor einigen Tagen zum zweiten Mal am Schweizer Instrumentalmusik-Wettbewerb des Migros-Kulturprozent teil – und wurde zum zweiten Mal mit einem Studienpreis ausgezeichnet. Die nun zweite Auszeichnung ermöglicht ihr neben dem Preisgeld die Aufnahme in die Konzertvermittlung des Migros-Kulturprozents. Darüber freut sie sich: «Die Konzertagentur von Migros-Kulturprozent organisiert für mich nicht nur viele gute Konzerte, sie hat auch einflussreiche Kontakte».

Überzeugt die Jury immer wieder

Mit weiteren 42 Teilnehmenden war Joanna Thalmann zum Wettbewerb in Zürich zugelassen. Bewerben können sich Personen, die aus der Schweiz oder dem Ausland stammen, jedoch seit mindestens vier Jahren in der Schweiz leben, jünger als 30 Jahre sind und einen Bachelor oder ein gleichwertiges Diplom besitzen. Neben dem Wettbewerb für Instrumentalmusik werden jährlich auch Preise in den Bereichen Bewegungstheater, Gesang, Schauspiel und Tanz vergeben. 14 Künstlerinnen und -künstler überzeugten die mehrköpfige Jury erstklassiger Musikerinnen und Musiker. Dieser Wettbewerb von Migros-Kulturprozent ist nicht der einzige, den Joanna Thalmann gewonnen hat. Bereits in den ersten Jahren, nachdem sie sich für die Harfe entschieden hatte, nahm sie an verschiedenen Wettbewerben teil – und rangierte oft auf dem ersten Platz. Im vergangenen Jahr hat sie den «Concours international de la harpe» im französischen Limoges in der höchsten Klasse gewonnen. Ebenfalls im 2017 erhielt sie den Förderpreis der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung Luzern.

Seit August in Oslo

Die Harfe und Joanna Thalmann, das könnte einer Liebesgeschichte gleichgesetzt werden. Als Achtjährige, als die Musikschule die Instrumente vorstellte, gab es für sie nur die Harfe. Ihr Talent war schon bald hörbar. Sie übte jedoch nicht, weil sie musste, sie wollte diesem Instrument die schönsten Klänge entlocken. Schon früh stand für sie fest: «Ich möchte das Hobby zum Beruf machen». Diese Idee verfolgte sie nicht verbissen ehrgeizig, sondern mit einer spielerischen Lockerheit – und vor allem mit der Freude am Harfenspiel, an der Musik. Die Kantonsschule in Wil schloss sie im Schwerpunktfach Musik-Harfe mit der Bestnote ab. Sie erlangte den Bachelor of Arts in Music an der Musikhochschule in Luzern bei Anne Bassand und den Master in Musikpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste bei Sarah O’Brien. Zugleich absolvierte sie während eines Jahres ein Praktikum im Sinfonieorchester Bern. Seit August weilt sie in Norwegen. An der Norwegian Academy of Music in Oslo studiert sie Musikperformance und absolviert ein Praktikum im Sinfonieorchester Oslo. Die Musikakademie in Oslo hat sie gewählt, weil Isabelle Perrin dort Dozentin ist. Die Französin gehört zu den berühmtesten Harfenistinnen. Bei ihr hat die Schweizerin vor rund zehn Jahren den ersten Meisterkurs absolviert.

Hoffnung auf Orchesterplatz

Diese Praktikumsplätze schätzt sie sehr. «Dadurch kann ich regelmässig in einem Orchester spielen», erklärt sie, «das ist durchaus hilfreich, um eine Orchesterposition zu erhalten.» Einen festen Platz in einem Orchester, das strebt Joanna Thalmann seit eineinhalb Jahren an. «Seit dieser Zeit bin ich regelmässig zu Probespielen bei Orchestern in Europa eingeladen», erklärt sie. Bislang hat es jedoch nicht geklappt. Sie weiss, wie schwierig das ist – nur schon bis eine Musikerin, ein Musiker eine Einladung zum Vorspiel erhält. Hinzu kommt, dass in einem Orchester nur eine Harfe benötigt wird. «Die Konkurrenz schläft nicht», sagt sie, «kaum ist eine Stelle ausgeschrieben, bewerben sich Harfenisten und Harfenistinnen aus der ganzen Welt.» Doch ihre positive Lebenseinstellung lässt sie nicht melancholisch werden.

«Ich bin überzeugt, dass es irgendwo einen Platz für mich gibt.»

Auch ohne Orchesterplatz bestreitet Joanna Thalmann oft Konzerte – solistisch, als Duett oder in grösseren Kammermusikensembles. Unterricht erteilt sie nicht mehr. In der Schweiz hatte sie während mehrerer Jahre eine Anstellung an der Musikschule Schwyz. Das Unterrichten gefällt ihr, das möchte sie in Zukunft auch wieder tun. In Norwegen ist es die sprachliche Barriere, die es ihr verunmöglicht, zu unterrichten. «Ich beherrsche die Sprache noch nicht so gut, als dass ich als Musiklehrerin tätig sein könnte», sagt sie. Neben dem Studium schafft sie es noch, etwa fünf Stunden zu üben. Das sei weniger als auch schon, erklärt sie, denn mit dem Studium und den Konzerten sei ihr Tag ausgefüllt. Sie hat mit Fleiss, Freude an der Musik und Talent, das geschafft, wovon viele träumen. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und verdient ihren Lebensunterhalt als Harfenistin.

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