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21 Minuten Wartezeit mit neuem Fahrplan: «Pendler werden aufs Auto umsteigen»

Am 9. Dezember wechselt der Fahrplan. Zugpendler aus dem unteren Toggenburg, die in Richtung St.Gallen wollen, müssen in Wil 21 Minuten auf den Zug warten. Dies stösst auf Kritik. Doch die Sache ist verzwickt.
Sandro Büchler
Da die S1 nach St.Gallen ab Dezember sechs Minuten früher losfährt, verlieren Toggenburger Pendler eine optimale Anschlussverbindung. (Bild: Stefan Beusch)

Da die S1 nach St.Gallen ab Dezember sechs Minuten früher losfährt, verlieren Toggenburger Pendler eine optimale Anschlussverbindung. (Bild: Stefan Beusch)

Wer ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember mit dem Zug von Lichtensteig, Dietfurt, Bütschwil, Lütisburg oder Bazenheid nach St.Gallen und ins Fürstenland fahren möchte, der wartet satte 21 Minuten auf dem Perron am Bahnhof in Wil. Steigt man heute beispielsweise in Bütschwil um 7.14 Uhr in die S9, hat man in Wil fünf Minuten Umsteigezeit und ist um 7.59 Uhr mit der S1 in St. Gallen. Ab Dezember fährt der Anschlusszug in Wil früher ab, genau zwei Minuten bevor die S-Bahn aus dem Toggenburg eintrifft. Bis zur nächsten Verbindung nach Uzwil, Gossau oder St.Gallen wartet man: Lange 21 Minuten. Statt kurz vor 8 Uhr, trifft man erst um 8.15 Uhr am Hauptbahnhof in St.Gallen ein. In umgekehrter Richtung am Abend entsteht das gleiche Problem. Wartezeit in Wil: ebenfalls 21 Minuten.

Reisende von Wattwil, Lichtensteig, Dietfurt, Bütschwil, Lütisburg und Bazenheid treffen mit der S9 beispielsweise um 7.28 Uhr in Wil ein. (Bild: fahrplanentwurf.ch)

Reisende von Wattwil, Lichtensteig, Dietfurt, Bütschwil, Lütisburg und Bazenheid treffen mit der S9 beispielsweise um 7.28 Uhr in Wil ein. (Bild: fahrplanentwurf.ch)

Der Anschlusszug, der IC nach St.Gallen, fährt aber just zwei Minuten vorher, um 7.26 Uhr los. Der nächste Zug nach St.Gallen fährt erst um 7.49 Uhr. Erst um 8.15 Uhr kommt der Pendler in St.Gallen an. Wartezeit am Bahnhof Wil: 21 Minuten. (Bild: fahrplanentwurf.ch)

Der Anschlusszug, der IC nach St.Gallen, fährt aber just zwei Minuten vorher, um 7.26 Uhr los. Der nächste Zug nach St.Gallen fährt erst um 7.49 Uhr. Erst um 8.15 Uhr kommt der Pendler in St.Gallen an. Wartezeit am Bahnhof Wil: 21 Minuten. (Bild: fahrplanentwurf.ch)

Fernverkehr und Güterzüge haben Vorrang

«Am meisten darunter leiden diejenigen, die aus dem unteren Toggenburg oder dem Hinterthurgau nach St.Gallen pendeln», meint Urs K. Scheller, Präsident der Interessengemeinschaft Öffentlicher Verkehr Region Wil (IGOeV). Als der Fahrbahnentwurf öffentlich auslag, äusserten sich knapp 30 Personen zur Verschlechterung des Anschlusses zwischen der S9 und der S1 im Knoten Wil. Wie das St.Galler Volkswirtschaftsdepartement schreibt, habe sich der Kanton St.Gallen seit der Bekanntgabe des neuen Fahrplans auf sämtlichen Stufen intensiv beim Bundesamt für Verkehr (BAV) und der SBB gewehrt.

Auch Scheller hat sich zusammen mit der Stadt Wil und den betroffenen Gemeinden für eine Verbesserung eingesetzt – ohne Erfolg. «Durch die Fahrlagen des Fern- und Güterverkehrs kann die S1 nicht in der gewünschten Fahrlage verkehren», begründet das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen die Sachlage.

Das heisst im Klartext: Der Fernverkehr und Güterzüge haben Priorität, die S-Bahn muss hinten anstehen.

Diesen Entscheid, die Güterzüge anstelle der S-Bahn-Personenzüge auf den Schienen zu bevorzugen, hat das BAV kürzlich gefällt. Scheller hat wenig Verständnis für deren Vorgehen: «Die Gleise zwischen St.Gallen und Zürich sind bereits jetzt dicht ausgelastet.» Zusätzliche Züge, die die Situation in Wil verbessern könnten, seien praktisch unmöglich. Er schätzt, dass aufgrund der Verschlechterung in Wil viele Pendler auf das Auto umsteigen werden. «Das wird stattfinden. Noch unbekannt ist das Ausmass.»

Gehör verschafft, aber doch keine Lösung

Von Bütschwil nach St.Gallen dauert die Fahrt mit dem Auto beispielsweise rund 35 Minuten. Wer ab Dezember mit dem ÖV fahren will, muss dafür eine Stunde einrechnen. Scheller stört, dass der Güterverkehr höher als der Personenverkehr priorisiert wird. Ihn irritiert aber auch, dass die SBB und das BAV diesen Entscheid eigenhändig getroffen haben. Scheller sagt dazu:

«Sind die Strukturen erst einmal festgelegt, lassen sie sich kaum wieder umstossen»

Ist die gewährte Mitsprachemöglichkeit deshalb bloss eine Alibiübung? Scheller verneint. «Wer weiss, wie der Fahrplan ohne unsere Mitsprache aussähe.» Sie hätten sich Gehör verschaffen können, nur nennenswerte Verbesserungen hätten sie nicht erzielen können. Wenn die Interessengemeinschaft, die Stadt Wil und die ganze Region jedoch weiterhin am gleichen Strick ziehe würden, könne man hoffentlich eine Lösung für die ausgebremsten und wartenden Pendler finden.

Immerhin bietet der Fahrplanwechsel für Zugreisende nach Zürich Verbesserungen. Das zwischenzeitlich eingesetzte knapp 40 Jahre alte Rollmaterial wird durch Doppelstockzüge ersetzt. Ein schwacher Trost, findet Scheller.

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