«20 Jahre sind genug»

Das Nachtcafé macht seit 20 Jahren mit literarischen, philosophischen und esoterischen Themen und Referaten auf sich aufmerksam. Doch nun ist Schluss. Hauptinitiantin Helga Giger beendet die Nachtcafé-Reihe im nächsten Jahr.

Melanie Graf
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FLAWIL. Das Nachtcafé hat eine lange Tradition. Vor 20 Jahren gründeten Helga Giger und Barbara Saladin im Café Giger im Einkaufszentrum Feld das Nachtcafé. Sie zogen Referenten und Vortragende heran, die sich in irgendeiner Form Gedanken über die Welt machten: literarisch, philosophisch, musikalisch, pantomimisch, gestalterisch, esoterisch oder religiös. «Wichtig für das Nachtcafé war und ist, keine Berührungsängste zu haben und sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet festzulegen», sagt Helga Giger. Stolz erzählt sie, wie die Poetry Night im Nachtcafé, das erste Forum in der Ostschweiz für Neulinge und solche, die sich schon länger literarisch betätigen, war. Und längst sei heute das Vorurteil ausgeräumt, die Veranstaltung sei nur etwas für Frauen, sagt Helga Giger.

Interessante Menschen

«Als Barbara Saladin nach zehn Jahren aufhörte, wollte ich das Nachtcafé nicht aufgeben», sagt die Initiantin. Sie habe Frauen gesucht, die kulturell interessiert seien, und auch welche gefunden. Susanne Brefin stiess dazu und ebenfalls waren Cornelia Buder und Ornella Steinemann beigetreten. Heute besteht das Team aus Susanne Brefin, Werner Angst, Christoph Hotz und Helga Giger.

Seit 2010 findet das Nachtcafé im Restaurant Park statt. «Im Laufe der 20 Jahre haben wir so viele interessante Leute kennengelernt», sagt Helga Giger. Sie sei froh darüber, dass es möglich war, das Nachtcafé über so viele Jahre unabhängig zu führen. «Wir sind kein Verein und sind niemandem verpflichtet.» Das Team habe das Schiffchen Nachtcafé immer über die Runden gebracht. «Ohne Susanne Brefin, Werner Angst und Christoph Hotz hätte ich das niemals geschafft», sagt Helga Giger.

Noch eine Saison

Mit dem Rücktritt Helga Gigers treten auch die verbliebenen drei Organisatoren aus der Reihe. «Helga Giger ist der Motor», begründet Christoph Hotz. Zudem gebe es in Flawil so viele kulturelle Veranstaltungen, viel mehr, als noch vor zehn Jahren. Susanne Brefin hatte sowieso geplant, aus dem Nachtcafé auszusteigen, und für Werner Angst «stimmt es so, wie es ist». «Ich denke, wir haben unsere Sache gut gemacht und können stolz auf uns sein», sagt Helga Giger. Das Nachtcafé schliesst aber nicht von heute auf morgen seine Pforten. Eine letzte Saison noch, dann ist fertig. Eine letzte Saison voller berührender, tiefgründiger, provokativer und philosophischer Referate. So wird Momo Christen von ihren Grenzerfahrungen mit Krankheit und Drogensucht erzählen. Remo Roth erzählt aus seinem Leben, welches geprägt ist von einer lebensbedrohlichen Krankheit. Holger Lendt, der extra von Hamburg nach Flawil reist, bricht ein Tabu und referiert über das Thema «Liebe braucht keine Treue». Das Glück des Augenblicks bringt Mark Riklin ins Nachtcafé. Und ganz zum Schluss, im November, bereitet das Nachtcafé-Team ein Finale vor. Wie sie den Schlussabend gestalten, wollen die Teammitglieder nicht erzählen. Es soll eine Überraschung werden.