195 Jahre im Dienste Bedürftiger

Die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St. Gallen hat bis 1999 das Wattwiler Altersheim Bunt geführt. Trotzdem kennt man sie in der Region Wil und im Toggenburg kaum noch. Mit einer Kampagne will sie das ändern.

Hansruedi Kugler
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Die Gemeinnützige Gesellschaft hat aktuell den Förderschwerpunkt «Familienergänzende Kinderbetreuung». Spielgruppen und Kindertagesstätten sind besonders aufgefordert, Projekte einzureichen. (Bild: Urs Bucher)

Die Gemeinnützige Gesellschaft hat aktuell den Förderschwerpunkt «Familienergänzende Kinderbetreuung». Spielgruppen und Kindertagesstätten sind besonders aufgefordert, Projekte einzureichen. (Bild: Urs Bucher)

TOGGENBURG. Heute würde man neudeutsch wohl sagen, sie sei eine NGO, eine Nichtregierungs-Organisation. Früher ein wichtiges Hilfswerk für Arme, Kranke und Alte, heute Unterstützerin innovativer sozialer Projekte. Rund 200 000 Franken verteilt die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St. Gallen (GGK) jedes Jahr. Ermöglicht wird dies durch den Ertrag aus dem Stiftungsvermögen, Beiträgen der 1200 Mitglieder und mit Spenden. Im Rheintal und in St. Gallen kennt man die GGK gut. In den anderen Regionen weit weniger. Auch ins Toggenburg fliesst relativ wenig Geld. «Wir vermuten, dass man uns im Toggenburg einfach noch zu wenig kennt», sagt der Kirchberger Donat Ledergerber, SP-Kantonsrat und Vorstandsmitglied der GGK.

Schwerpunkt Frühförderung

Der neue Förderschwerpunkt «Familienergänzende Kinderbetreuung» liegt ihm besonders am Herzen. Rund 100 000 Franken setzt die GGK dieses Jahr für den Schwerpunkt ein. Der Schulleiter und Bildungspolitiker sagt denn auch: «Frühförderung ist entscheidend für den Erfolg der Kinder. Die Integration fremdsprachiger Kinder und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehören für mich ebenfalls zu wichtigen Zielen.» Auch für Spielgruppen und Kindertagesstätten wäre die GGK Anlaufstelle für Aufbau, Investitionen in Mobiliar, für die Erneuerung des Spielplatzes oder für die Errichtung einer Waldspielgruppe.

Lange Altersheim Bunt geführt

Auf der Liste der unterstützten Projekte sind wenige Toggenburger zu finden. 2014: Spielplatz Brunnadern 5000 Franken, für die «offene Turnhalle Nesslau» 2000 Franken; 2013: Leichtathletikschule 4000 Franken; 2012: Schüür Brunnadern 5000 Franken; 2010: Blauring Kirchberg 10 000 Franken. Das finanzielle Engagement der GGK war auch schon deutlich grösser: In Wattwil hat die Gemeinnützige Gesellschaft eine bedeutende Rolle gespielt. Sie war eine wichtige Stütze der Wattwiler Altersbetreuung. Von 1919 bis 1999 führte sie das Altersheim Bunt, in welchem durchschnittlich bis zu 18 Pensionäre lebten. 1918 verschenkte Lina Albertina Vogt-Anderegg, die letzte Angehörige der Fabrikantenfamilie Anderegg, die ehemalige Fabrikantenvilla der GGK.

Als es noch keine AHV gab

Diese Schenkung illustriert die Funktion der GGK geradezu typisch: 1819 gegründet, war sie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein – in einer Zeit ohne AHV, IV und Krankenkassen – ein Hilfswerk für Arme, Kranke und Alte. Heute würde man sagen: eine NGO – ein privates Engagement von Unternehmern und bürgerlichen Politikern. So ist die GGK auch ein bürgerlicher Hilfsverein geblieben und Donat Ledergerber der einzige Sozialdemokrat im achtköpfigen Vorstand.

Raum für private Initiativen

Das Engagement der GGK hat sich im Lauf der Zeit stark verändert: Altersvorsorge, Krankenpflege und Bildung sind staatliche Pflichtaufgaben geworden. «Bei den Grundbedürfnissen darf es keine Willkür und keinen Zufall geben. Aber neben diesen Pflichtaufgaben des Staates gibt es immer auch Raum für private Initiativen», sagt Donat Ledergerber. Ob Spielplatz oder Waldspielgruppe, Prävention oder Altersberatung: Nicht jede Gemeinde kann oder will solche Projekte finanzieren. Und schon gar nicht alleine. «Es gibt halt reiche und ärmere Gemeinden», sagt Ledergerber. Die GGK könne hier eine sinnvolle Ergänzung sein. «Oft machen wir aber auch eine Co-Finanzierung mit der öffentlichen Hand.»

Freiwilligenarbeit unterstützen

Unterstützt werden vorwiegend private Non-Profit-Projekte, mit einmaligen Beiträgen, gelegentlich auch auf maximal drei Jahre verteilt. Betriebskostenbeiträge oder Baubeiträge schliesst die Gemeinnützige Gesellschaft aus. Besonders förderungswürdig seien Organisationen mit hohem Anteil an Freiwilligenarbeit, sagt Donat Ledergerber.

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