16 Leuchttürme für Wil

Die Politik und ihre Bilder

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Man geht über Felder, begegnet einer Wolke und sieht darin sogar einen grossen Stern. Nein, gemeint ist nicht die Natur, sondern die nächste Legislatur – so wie sie die Wiler Regierung plant. Ein entsprechendes Papier zeigt auf, in welche Richtung sich die Äbtestadt entwickeln möchte. Wil will vielfältig sein: Kulturstadt, Energiestadt, Sportstadt, Vereinsstadt und noch vieles mehr. Eine Vielfalt, die in einem «Leitstern» – bestehend aus einer Wolke von Begriffen – festgehalten ist. Eines kann Wil aber schlicht und einfach nicht sein: eine Hafenstadt. Leuchttürme gibt es aber trotzdem. So zumindest heissen die Massnahmen in der Legislaturplanung, die regionale Ausstrahlung haben sollen und zu den «besonders zentralen oder herausragenden und prägenden Beiträgen» zählen. Aus praktisch jedem «Aktivitätsfeld» blühen sie dem Betrachter in Sonnenblumengelb entgegen. Das kann gelegentlich auch blenden, wie sich an der Parlamentssitzung vom Donnerstagabend zeigte.

«Hoffentlich gibt es keine Lichtverschmutzung»

«Die Geschäftsprüfungskommission war erstaunt, dass derart viele Aktivitäten als Leuchttürme bezeichnet worden sind», sagte Daniel Gerber (FDP), Präsident der GPK. «Ich hoffe nur, dass es dadurch keine Lichtverschmutzung gibt und dass man vor lauter Türmen überhaupt den Weg noch findet.» Marianne Mettler (SP) stellte die Frage, weshalb denn die vom Kanton vorgegebene Umsetzung des Lehrplans 21 den Leuchtturm-Status verdient habe. Jigme Shitsetsang (FDP) stellte derweil fest, die Stadt habe sich reichlich Ziele gesetzt. Das Lesen der Unterlagen zur Legislaturplanung sei ihm aber etwas schwer gefallen. Zu vernebelt wirkten auf ihn Wörter wie «Leitstern» oder «Begriffswolke». Weiter sagte er: «Wenn ich mir die 16 Leuchttürme vor meinem geistigen Auge vorstelle, verwundert es mich, dass Urs Etter nicht schon einen weiteren Vorstoss eingeleitet hat.»

Michael Sarbach von den Grünen Prowil befand, die Aktivitäten in der Legislaturplanung seien «zu offen und unverbindlich». «Zu allgemein gehalten», meinte auch Benjamin Büsser (SVP). Er forderte, klare Ziele zu setzen. Zum Beispiel könne man als Massnahme definieren, dass der Sportpark Bergholz bis Ende Jahr mängelfrei sei. «Ein solches Ziel könnte man wenigstens messen», sagte Büsser.

Ein mängelfreies Bergholz sei eine Selbstverständlichkeit und gehöre nicht in die Legislaturplanung, entgegnete Stadtpräsidentin Susanne Hartmann. Ein Mangel ist auf jeden Fall die Licht­anlage beim Fussballstadion. Deshalb möchte die Stadt 200000 Franken ausgeben, um die Vorgaben der Swiss Football League zu erfüllen. Das passt wiederum nicht allen Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Zumindest denen nicht, welche die Interpellation von Urs Etter unterschrieben haben. Darin wird gefordert, mit dem Geld weitsichtiger umzugehen.

Eine Weitsicht, die man beim Blick aus einem Leuchtturm sicherlich hätte. Bis in Wil ein solcher gebaut wird, dürfte es dauern. Aber wenigstens gibt es ja auf dem Papier schon ein paar.

Ursula Ammann