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145 Jahre ziehen und stossen: Drei Degersheimer Akkordeon-Formationen laden zum Jubiläumskonzert

Das Akkordeon begeistert über Generationsgrenzen hinweg. Am Sonntag werden dies
drei Degersheimer Formationen beim gemeinsamen Jubiläumskonzert in Wolfertswil unter Beweis stellen.
Tobias Söldi
Lina Baumann (Alte Garde), Beat Breitenmoser (Echo vom Züche und Stosse) und Yvonne Brunner (Handharmonika-Club) (v.l). (Bild: Tobias Söldi)

Lina Baumann (Alte Garde), Beat Breitenmoser (Echo vom Züche und Stosse) und Yvonne Brunner (Handharmonika-Club) (v.l). (Bild: Tobias Söldi)

Zusammen haben sie 145 Jahre auf dem Buckel, die drei Akkordeon-Formationen, die aus diesem Grund am Sonntag zu einem Jubiläumskonzert laden. Der Handharmonika-Club Degersheim (HCD) besteht seit 90 Jahre, die Alte Garde Degersheim gibt es seit 40 Jahren, das Echo vom Züche und Stosse – das Küken im Bund – ist 15 Jahre jung.

Der Handharmonika-Club im Restaurant Waldegg in Teufen. (Bild: PD)

Der Handharmonika-Club im Restaurant Waldegg in Teufen. (Bild: PD)

Die drei Formationen zeigen: Das Akkordeon, fester Bestandteil des Schweizer Brauchtums, begeistert seit Generationen – und über Generationsgrenzen hinweg. «Im Handharmonika-Club haben wir Mitglieder, die in der Lehre sind, und solche, die über 70 Jahre alt sind», sagt Präsidentin Yvonne Brunner. Die 38-jährige spielt seit ihrem achten Lebensjahr Handorgel.

Das Schwyzerörgeli wird immer beliebter

Bei der Alten Garde – der Name lässt es bereits vermuten – liegt der Altersdurchschnitt etwas höher. Die Formation ist 1979 aus ehemaligen Mitgliedern des HCD hervorgegangen, die das Proben etwas gemütlicher angehen wollten. Statt einmal pro Woche treffen sich die elf Hobbymusiker einmal im Monat. «Wir sind und bleiben eine Plausch-Gruppe», sagt Lina Baumann aus Flawil. Die 80-Jährige zieht bei der Alten Garde die Fäden – nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch wortwörtlich. Sie begleitet die Handörgeler auf dem Kontrabass. An der Handorgel hat sie sich zwar auch schon versucht. Aber: «Ich mag lieber tiefe Töne.»

Das «Echo vom Züche und Stosse» bei einem Auftritt. (Bild:PD)

Das «Echo vom Züche und Stosse» bei einem Auftritt. (Bild:PD)

Beat Breitenmoser aus Magdenau ist der Jüngste in der Runde. Seit zweieinhalb Jahren leitet der 23-Jährige zusammen mit seinem Altersgenossen Ivo Schweizer die Schwyzerörgeli-Formation Echo vom Züche und Stosse. Gegründet wurde diese im Jahr 2003, als das Schwyzerörgeli, der kleinere, etwas anders geartete Bruder des Akkordeons (siehe Kasten), einen Aufschwung erlebte. In der Ostschweiz hat das Schwyzerörgeli, das ursprünglich aus der Innerschweiz stammt, ab den Nullerjahren an Popularität gewonnen. Breitenmoser wagt gar zu vermuten, dass das Schwyzerörgeli zurzeit beliebter sein könnte als die Handorgel. «Es gibt aber immer ein Auf und Ab.»

Die Kombination von Schwyzerörgeli mit Handorgeln ist nicht ganz einfach, weil die Noten umgeschrieben werden müssen. So bietet das Echo, ebenfalls aus elf Mitgliedern bestehend, auch Schwyzerörgeli-Spielern eine Möglichkeit, in einer Gruppe zu musizieren.

«Ein Instrument muss man eben üben»

Doch auch der Handharmonika-Club und die beiden anderen Formationen kämpfen – wie so viele Vereine – mit Nachwuchsproblemen. Gründe gibt es verschiedene: Natürlich ist das Handorgelspiel ein zeitintensives Hobby. «Ein Instrument muss man eben üben», sagt Yvonne Brunner. Während der Lehre oder der Schule, wenn die Zeit knapp ist, komme die Musik oft zu kurz. Auch die Kosten sind ein Thema: Für ein neues Schwyzerörgli zahle man schnell einmal gegen 3000 Franken, sagt Beat Breitenmoser. Andere, so eine weitere Vermutung, hätten auch Mühe mit der Verpflichtung, die man mit dem Beitritt zu einem Verein eingehe.

Stilistisch ist man offen

Trotz allem überwiegt die Zuversicht. «Solange es Leute gibt, bin ich zuversichtlich, dass wir Mitglieder finden», schmunzelt Lina Baumann. Um den Nachwuchs zu begeistern, bietet der HCD an seinen Konzerten Schülerinnen und Schülern der Musikschule die Möglichkeit, sich auf der grossen Bühne zu versuchen. «Das zieht nochmals ein ganz anderes Publikum an», sagt Präsidentin Yvonne Brunner. Auch stilistisch ist man offen: Tango, Pop, Märsche –

«Auf der Handorgel kann man eigentlich alles spielen»

Und fehlen einmal die Noten zu einem Stück, dann hört man sie eben selbst von einer Aufnahme ab.

Und natürlich ist neben dem musikalischen auch das menschliche Miteinander von zentraler Bedeutung, der Restaurantbesuch nach den Proben, die sozialen Kontakte und Gespräche – da sind sich alle drei einig.

Hinweis:
Das Jubiläumskonzert findet am Sonntag, 20. Januar, um 15 Uhr in der Kirche Bruder Klaus in Wolfertswil statt. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte. Jede Formation wird drei Stücke aufführen, darunter jeweils eines aus den Anfangstagen.

Diatonisch oder nicht?

Handharmonika, Handorgel, Quetschkommode oder Zerrwanst – im Volksmund hat das Akkordeon zahlreiche, auch humoristische Namen. Grundsätzlich gilt es, zwei Typen zu unterscheiden: den chromatischen und den diatonischen. Ein chromatisches Akkordeon ist gleichtönig aufgebaut, das heisst, beim Ziehen und Stossen entsteht derselbe Ton. Diatonische Instrumente dagegen – und dazu zählt etwa das Schwyzerörgeli – geben beim Ziehen und Stossen zwei unterschiedliche Töne von sich. Schwyzerörgeli und Handorgeln sind zwei verschiedene Instrumente. Wer das eine spielt, beherrscht das andere nicht automatisch. So hat das Schwyzerörgeli eine eigene Notenschrift ohne Notenschlüssel, während die Handorgel nach dem Violinschlüssel spielt. Gespielt wird entweder auf einer Knopfgrifftastatur oder einer Klaviatur. (tos)

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