Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

100 Jahre und fitter denn je

Der Gewerbeverein Uzwil, der immer eine wichtige Rolle eingenommen hat, wurde vor 100 Jahren gegründet. Mit einem Rück- und Ausblick wurde das Jubiläum am Freitagabend gefeiert.
Philipp Stutz
Der Vorstand des Gewerbevereins präsentierte sich in Kleidern aus der Zeit der «Roaring Twenties»: Lucia Lazzaro, Yves von Dach, Silvan Baumgartner, Leila Saladin, Rolf Raschle und Bernhard Gmür (von links). (Bild: Philipp Stutz)

Der Vorstand des Gewerbevereins präsentierte sich in Kleidern aus der Zeit der «Roaring Twenties»: Lucia Lazzaro, Yves von Dach, Silvan Baumgartner, Leila Saladin, Rolf Raschle und Bernhard Gmür (von links). (Bild: Philipp Stutz)

Die Vorstandsmitglieder nahmen das Jubiläum zum Anlass, um sich der Mode der Gründerjahre anzupassen und sich entsprechend einzukleiden. Man nannte diese Epoche des vergangenen Jahrhunderts auch die goldenen zwanziger Jahre, obwohl die Zeiten damals wirtschaftlich schwierig gewesen waren. Vornehmlich handwerklich geprägte Betriebe hatten sich 1919 zusammengeschlossen. Eines der Ziele des Gewerbevereins bestand in der Erhaltung und Stärkung des Gewerbestandes. Unlauteres Geschäftsgebaren sollte bekämpft werden. Ein weiterer Grundsatz bestand darin, die Kameradschaft zu pflegen. «Das hat noch heute Gültigkeit, obwohl wir inzwischen gut vernetzt sind», sagte Rolf Raschle, Präsident des Gewerbevereins.

«Wir sollten den Moment geniessen»

«Wir sollten den Moment geniessen» 100 Jahre seien eine stolze Zahl, fuhr er fort. «Ich bin seit einem Jahr im Amt und habe damit die Geschicke des Vereins zu einem Prozent mitgeprägt», stellte Raschle fest. Früher sei nicht alles besser gewesen, wie zuweilen behauptet werde. «Wir leben in der Gegenwart, haben vieles erreicht, unter anderem Vollbeschäftigung, und sollten den Moment geniessen.» Vizepräsident Silvan Baumgartner hatte in Archiven gestöbert. Er erinnerte daran, dass die Bevölkerung nach dem Ersten Weltkrieg von einer starken Grippewelle heimgesucht worden war. Die steigende Arbeitslosigkeit hatte während des Zweiten Weltkriegs Notstandsarbeiten zur Folge. Und dem Mangel an Lebensmitteln wurde mit einer Anbauschlacht begegnet.

Mit der fortschreitenden Industrialisierung erfuhren Handel und Gewerbe neue Impulse. Einen grossen Einschnitt habe die 1945 begonnene Melioration und Güterzusammenlegung bedeutet, sagte Baumgartner. Nach dem Krieg siedelten sich neue Betriebe an. Hatten sich in den Anfängen 53 Unternehmen dem Gewerbeverein angeschlossen, sind es heute deren 156.

Mit Hugentoblers Zylinder

Gemeindepräsident Lucas Keel zeigte Talent als Komödiant und erwies sich in seiner Ansprache als Querdenker. Er bekannte, dass seine Rede aus Fakten und Fiktion bestehe. Keel setzte sich einen Zylinder aufs Haupt und schlüpfte zuerst in die Rolle von Johann Georg Hugentobler, ab 1891 Gemeindammann von Henau, wie die Gemeinde früher hiess. Dieser berichtete von der Weltausstellung in Paris, wo die Firma Bühler mit der Entwicklung eines Walzenstuhls von sich reden gemacht hatte. Als Abraham Schawalder, Gemeindammann ab 1915, berichtete Keel von der Rationierung von Lebensmitteln und der Errichtung einer Krisenkasse. Schon damals sei der Gemeinderat unter Dauerbeschuss gestanden. Und schliesslich zeigte sich Verwandlungskünstler Keel im Jahr 2050 als Gemeindepräsident des vereinigten Uzwil, wo nach Lösungen in Denkfabriken – neudeutsch Think Tank – gesucht wird.

Nicht Roboter, sondern Menschen feiern Feste

Nicht Roboter, sondern Menschen feiern Feste «Der Gewerbeverein hat in Uzwil immer eine wichtige Rolle gespielt», sagte Keel, nun wieder ganz in die Gegenwart zurückgekehrt, wenn auch bis in die Achtzigerjahre hinein die Industrie grosses Humankapital beansprucht habe. Uzwil besitze Strahlkraft und verfüge über eine gute Infrastruktur. «In vielem sind wir zwar Durchschnitt, aber es ist ansehnlich, was wir alles zustande gebracht haben.» Uzwil befinde sich auf dem Weg zur Stadt, machte Lucas Keel klar. Dieser Prozess werde eine Weile dauern. Doch bei aller Technologie sei es auch in Zukunft nicht Aufgabe von Robotern, Feste zu veranstalten, sondern diejenige von Menschen: «Wir sind es, die feiern.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.