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10 Jahre von der Idee zum Spatenstich: Warum die Kindlimann AG erst jetzt umzieht

Die Kindlimann AG zieht Ende 2020 nach Tobel-Tägerschen und gibt unter anderem ihren Standort in Wil auf. Dem Umzug sind über ein Jahrzehnt Planung und Entwicklung vorausgegangen, wie der langjährige Geschäftsführer Arthur Gerber erzählt.
Nicola Ryser
Bald ist die Kindlimann AG nicht mehr an der Glärnischstrasse 33 in Wil zuhause. (Bild: Nicola Ryser)

Bald ist die Kindlimann AG nicht mehr an der Glärnischstrasse 33 in Wil zuhause. (Bild: Nicola Ryser)

Noch steht an der Glärnischstrasse 33 in Wil der Schriftzug «Kindlimann AG» vor dem Gebäude. Bis in zwei Jahren wird dieser verschwunden sein, dann ist das Stahlunternehmen ausgezogen. Ende 2020 soll die Kindlimann AG ihre Standorte in Lausanne, Schwarzenbach und Wil zu einem grossen Standort zusammenführen, in Tobel-Tägerschen auf knapp 44000 Quadratmetern Fläche.

Der Zusammenzug bedeutet die grösste Firmenansiedlung im Hinterthurgau und ist in den Augen des langjährigen Geschäftsführers Arthur Gerber eine einmalige Chance in der 72-jährigen Unternehmensgeschichte. Der Weg bis zum Spatenstich war jedoch alles andere als unkompliziert – er dauerte ganze zehn Jahre.

Zustimmung beim neuen, Dissens beim alten Standort

Angefangen hat alles 2008, wenige Monate vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. «Damals haben wir das Land in Tobel-Tägerschen gekauft, es herrschte Aufbruchsstimmung», sagt Gerber. Der Grundgedanke sei gewesen, einen einzigen Lagerstandort in der Schweiz zu bilden, nachdem die Firma und damit der logistische Aufwand immer mehr gewachsen seien.

Der damals zuständige Regierungsrat des Kantons Thurgau zeigte sich bereit, das Landwirtschaftsland in Tobel-Tägerschen einer Arbeitszone zuzuweisen. «Wir bekamen von Anfang an auch grosse Unterstützung vom damaligen Gemeindepräsidenten Roland Kuttruff.» An einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung, so erzählt Gerber, wurde der Umzonung fast einstimmig zugestimmt. Es folgte eine intensive Zeit der Aufbereitung des Baugesuches.

Arthur Gerber, Mitglied im Verwaltungsrat der Kindlimann AG

Arthur Gerber, Mitglied im Verwaltungsrat der Kindlimann AG

Schnell kam die Frage auf, was mit dem Areal in Wil nach dem Wegzug geschehen soll. «Ganz im Sinne der Richtplanung der Stadt Wil» beabsichtigte die Geschäftsführung der Kindlimann AG laut Gerber eine neue Nutzung für den Standort an der Glärnischstrasse. Dieses Vorhaben mutierte jedoch zu einer komplizierten Angelegenheit.

«Bis Ende 2020 wollen wir am neuen Standort sein. Das bedeutet, wir müssen unter anderem 12000 Tonnen Stahl – also fast zweimal das Stahlmaterial des Eiffelturms – zügeln, und das bei laufendem Betrieb. Es wird eine Herausforderung.»

«Anhand Machbarkeitsstudien und Architekturwettbewerben wäre eine Wohn- und Gewerbeüberbauung sinnvoll gewesen, die der Aufwertung des Südquartiers Rechnung trug», sagt Gerber. Auch seien sie bereit gewesen, die benachbarte Allmend auf ihrem derzeitigen Wiler Standort zu integrieren und damit der Öffentlichkeit weiter zugänglich zu machen. «Mit dem Zirkus, der immer auf der Allmend hielt, hatten wir uns bereits abgestimmt.» Jedoch wichen die Vorstellungen des damaligen Stadtplaners und des Baudepartements zur Nutzung der Allmend erheblich von den der Kindlimann AG ab.

Neuer Investor als Lösung

So gehörte 2014, sechs Jahre nach den ersten Projektaktivitäten, das Areal in Wil immer noch der Kindlimann AG. «Wir wollten mit gutem Gewissen gehen, wollten alles aufbereiten. Doch irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass eine einvernehmliche Lösung über eine allseits befriedigende Nutzung noch längerfristig nicht zu finden ist», attestiert Gerber. Es kam zum Übungsabbruch – und die Firma suchte daraufhin einen Investor. Nicht nur die Ausschreibung und die Auswahl nahmen dabei viel Zeit in Anspruch, auch umfangreiche Analysen möglicher Schadstoffbelastungen erforderten aufwendige Arbeiten.

Schliesslich konnte die Firma das Gelände einem Schweizer Investor verkaufen. Dieser ist laut Gerber bereit, mit der Stadt zusammen die Entwicklung des Areals zu einer sinnvollen Nutzung weiterzuführen. «Die Kindlimann AG wiederum bringt ihre Erfahrung und ihr Wissen beratend ein.» Ab Mitte 2019 geht das Areal zum neuen Eigentümer über.

Somit kam es Ende November, über zehn Jahre nach der ersten Planung, zum Spatenstich in Tobel-Tägerschen («Wiler Zeitung» vom 6. Dezember 2018). «Wir mussten während der Verhandlungen mit der Stadt Wil die Baubewilligung in Tobel-Tägerschen mehr als einmal verlängern», sagt Gerber.

12 000 Tonnen Stahl müssen nach Tobel-Tägerschen

Es habe tatsächlich sehr lange gedauert, bis sie das Projekt richtig angehen konnten. «Mich haben im Verlaufe der zehn Jahre immer mehr Mitarbeitende gefragt, ob der Umzug überhaupt noch stattfinden werde. Ich habe jedoch immer daran geglaubt. Unser Durchstehvermögen hat sich gelohnt.» Nun findet der Umzug statt – und ist mit viel Aufwand verbunden. «Bis Ende 2020 wollen wir am neuen Standort sein. Das bedeutet, wir müssen unter anderem 12000 Tonnen Stahl – also fast zweimal das Stahlmaterial des Eiffelturms – zügeln, und das bei laufendem Betrieb. Es wird eine Herausforderung.»

Die Mitarbeitenden seien von Anfang an mit in die Planung einbezogen worden, auch um deren Ideen und Erfahrungen in die Prozesse am neuen Standort einfliessen zu lassen, erklärt Gerber. «Auch ist der neue Standort in Tobel-Tägerschen ein Glücksfall, befindet er sich doch nur wenige Kilometer vom bisherigen Standort in Wil entfernt.»

57 Jahre alt war Gerber, als die weitere strategische Ausrichtung des Unternehmens in ihren Grundzügen auf dem Tisch lag. 67 ist er heute. Für den langjährigen Geschäftsführer, der noch als Mitglied im Verwaltungsrat der Kindlimann AG fungiert, ist der Start des Neubaus im Kanton Thurgau der Abschluss eines Meilensteins in der Unternehmensgeschichte. «Es bleibt mir nun die angenehme Aufgabe, den Baufortschritt interessiert, aber mit etwas Distanz zu verfolgen. Darauf freue ich mich sehr.»

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