Kolumne

Lü: Wil hat ein Döner-Problem

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger

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Bild: Coralie Wenger

Eigentlich müsste das Restaurant in der St. Galler Lokremise Samstag und Sonntag geöffnet haben. Hat es aber nicht – der Pächter macht am Wochenende dicht. Gegen den Willen der Stiftung. Eine kleine Rache, weil der auslaufende Pachtvertrag nicht verlängert wurde? Denkbar ist es. Vielleicht ist der Grund aber einfacher: wegen Reichtums geschlossen.

Als Konsequenz aus dem Fall Hefenhofen hat die Thurgauer Regierung ihr Geschäftsreglement geändert. Neu kann die Regierung im Krisenfall einem Kollegen das Heft aus der Hand nehmen und ein Geschäft entziehen.

Ein Krisenfall ist immer dann, wenn die anderen nicht einverstanden sind.

Wie viele Döner-Buden mag es im Umkreis von 150 Metern leiden? Diese Frage treibt derzeit Wil um – und hat nach einer lautstarken Auseinandersetzung sogar schon zu einer Strafanzeige geführt. Vorläufig sind noch alle drei Anbieter im Geschäft. Aber es ist offensichtlich: Wil hat ein Döner-Problem. Wer neuer Stadtpräsident wird, ist da völlig nebensächlich.

Der Krach um die Degersheimer Hausschlachtanlage ist eskaliert. Der Verwaltungsratspräsident tritt zurück, der Pächter geht. Zerstritten haben sich die beiden unter anderem wegen der hohen Kosten der Kühlanlagen. Vielleicht müsste man sie so lange darin einsperren, bis sie sich frierend aneinander klammern.

Der Sennwalder Gemeindepräsident Peter Kindler hat sein Amt abgegeben, am Mittwoch ist Nachfolger Bertrand Hug ins Rathaus eingezogen. «In freudiger Aufregung», wie er seinen Gemütszustand umschrieb. Hoffen wir für ihn, dass die Gemeinde in freudiger Erwartung war.

In den vergangenen Wochen haben die Berggasthäuser im Alpstein ihre Saison eröffnet. Wie Appenzellerland Tourismus AI mitteilt, wurde auf die neue Wandersaison hin ein digitales Hilfsmittel lanciert, «bei dem sämtliche Wegweiser im inneren Landesteil samt Zeitangaben abgefragt werden können.» Schon toll, dass alle Innerrhoder Wegweiser jetzt auch noch eine Uhr haben.

Geht es um erhöhten Blutdruck, zu hohe Cholesterinwerte oder Diabetes, liegt die St. Galler Bevölkerung im Schweizer Schnitt. Kräftig zugelegt haben die St. Galler auf der Waage: 45 Prozent geben in einer Umfrage an, sie seien zu schwer. Das hat wahrscheinlich etwas mit Frust zu tun.

Wenn man nicht der gewichtigste Kanton sein kann, dann immerhin der schwerste.

In Frauenfeld hat ein Bauer drei Rehkitze vermäht. Obwohl er wusste, dass sich die Jungtiere im hohen Gras versteckten. Es tue ihm leid, sagte er danach. Aber es hätte ja auch jemand anderer als er vor dem Mähen die Wiese absuchen können. Recht hat der Mann. Und dafür, dass er Wild nicht mag, kann er ja auch nichts.

Der St. Galler Stadtrat will im Westen der Stadt ein neues Betriebszentrum für die Technischen Betriebe bauen – inklusive Busdepot. Dem städtischen Hauseigentümerverband behagt das nicht. Er verlangt, dass die Stadt darauf verzichtet, das «überdimensionierte Busangebot» abbaut und stattdessen auf die S-Bahn setzt. Wie andere Millionenstädte auch.

Gossau ist eine sparsame Gemeinde. Dennoch hat das Stadtparlament das Gesamtpensum der drei nebenamtlichen Stadträtinnen von 160 auf 210 Stellenprozente erhöht. Im Zuge der Debatte wurde aber festgestellt, dass zwei der drei Frauen in ihrem Departement gar kein Büro haben. Besorgte Bürger fordern jetzt, dass die Pensenerhöhung rückgängig gemacht wird. 70 Prozent angestellt und nie im Büro geht nun gar nicht.

Der Rorschacher Mohrenkopf-Verkäufer mit geschwärztem Gesicht und Perücke musste bei der Polizei antraben. Ob seine Aktion rassistisch war, ist noch nicht entschieden. Sagt die Staatsanwaltschaft «Nein», will der Mann weitermachen. Derzeit verkauft er Würste – beim herrschenden Wetter würden die Möhrenköpfe ohnehin sofort wegschmelzen. Da ist es wohl ratsam, auch den Verstand in den Schatten zu stellen.

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