WIL: 109 800 Franken für Ferdinand

Wenn das Wiler Auktionshaus Rapp zur Versteigerung ruft, schaut die Welt der Briefmarken- und Münzensammler in die Ostschweiz. Seit Mittwoch sind dort Objekte im Wert von mehreren Millionen Franken versteigert worden.

Martin Rechsteiner
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Die beiden Briefmarkenalben eines Ostschweizer Sammlers gehörten zu den wertvollsten Stücken. (Bilder: pd)

Die beiden Briefmarkenalben eines Ostschweizer Sammlers gehörten zu den wertvollsten Stücken. (Bilder: pd)

WIL. Noch bis spätabends überboten sich gestern Investoren, Sammler und Händler an der Auktion des Hauses Rapp in Wil gegenseitig. In Kennerkreisen sind die Versteigerungen des Ostschweizer Auktionshauses äusserst beliebt. Für sechsstellige Beträge wechseln dort jeweils Münzen und Briefmarken ihre Besitzer. Der Gesamtwert der gehandelten Sammlerstücke beläuft sich bei jeder Auktion auf mehrere Millionen Franken.

Marianne Rapp Ohmann Geschäftsführerin Auktionshaus Rapp

Marianne Rapp Ohmann Geschäftsführerin Auktionshaus Rapp

«Wir gehören zu den weltweit grössten Auktionshäusern für Briefmarken und Münzen», sagt Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp. Deshalb kommen die Kunden auch von überall her. Interessenten aus Europa, Amerika und Asien fanden dieser Tage den Weg nach Wil. «Seit Mittwoch, als die Auktion begonnen hat, waren weit über tausend Personen hier», sagt Rapp Ohmann. Hinzu kämen zahlreiche Kunden, die über das Internet oder per Telefon mitböten.

Das Exemplar des «Basler Dybli», gestempelt auf einem Couvert. Es wurde am Donnerstag versteigert.

Das Exemplar des «Basler Dybli», gestempelt auf einem Couvert. Es wurde am Donnerstag versteigert.

Ein «Basler Dybli» versteigert

Gründe für Sammler, während der insgesamt viertägigen Auktion in die Ostschweiz zu kommen, gab es genug. So kam am Donnerstag zum Beispiel ein Exemplar des seltenen «Basler Dybli» unter den Hammer. Die Basler Briefmarke aus dem Jahr 1845 war die erste mehrfarbige der Welt und besitzt einen hohen Sammlerwert. «Die Basler Taube, auf einem Brief und gestempelt, haben wir für insgesamt 87 840 Franken verkauft», sagt Marianne Rapp Ohmann. «Zu den wertvollsten Stücken, die wir dieses Jahr an der Auktion angeboten haben, gehörten aber zwei Schaubek-Briefmarkenalben.» Die beiden Alben, gefüllt mit Briefmarken aus den ehemaligen britischen Kolonien, stammten aus der Ostschweiz. Sie dürften für über 100 000 Franken den Besitzer gewechselt haben.

Millionen für Briefmarken

Für eine grosse Überraschung gesorgt hat eine Goldmünze mit dem Porträt von Kaiser Ferdinand II. Für diese hat ein Bieter am Mittwoch insgesamt 109 800 Franken bezahlt. «Bis anhin haben Exemplare dieser Münze auf Auktionen nur etwa 45 000 Franken eingebracht», sagt Marianne Rapp Ohmann. Insgesamt kamen während der Auktion Münzen im Wert von über 1,75 Millionen Franken unter den Hammer. Bei den Briefmarken dürfte der Gesamtwert laut Rapp Ohmann alleine bei den Auktionen am Freitagnachmittag vier bis fünf Millionen Franken betragen haben.

Zusätzlich zum Ersteigerungspreis der Objekte bezahlen Bieter jeweils 22 Prozent Aufgeld an die Auktionäre. Wer über sie seine Objekte versteigert, hat ebenfalls 15 bis 20 Prozent Kommission zu entrichten.