Wieder mehr Fische im Rheintal

KRIESSERN. Aktionsplan Alpenrheintal abgeschlossen: Der Kanton St.Gallen wertet die Aufwertungen für Ökologie und Fischerei in Rheintaler Gewässern als Erfolg. Die Fischer hätten aber gern mehr Regenbogenforellen.

Marcel Elsener
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Regenbogenforelle. (Bild: pd)

Regenbogenforelle. (Bild: pd)

KRIESSERN. Monotone Gewässer, viel zu wenig Fische: Die Situation im Rheintal musste sich verbessern. Und sie hat sich verbessert, dank des 2004 eingeleiteten Aktionsplans Alpenheintal, wie die St. Galler Fischereibehörden am Dienstag in Kriessern den regionalen Fischereivereinen erläuterten. Und doch bleibt ein ernüchterndes Fazit: Das Problem der mageren Fänge wird andauern, weil viele Gewässer weiterhin «fischfeindlich» sind, allen voran der Rhein als «Wasserautobahn».

Revitalisierung lautet das Zauberwort – und es gilt nicht nur für 30 realisierte Aufwertungsprojekte an insgesamt 16,5 Kilometern Wasserstrecken von Bächen und Kanälen, sondern auch für die Beziehungen zwischen Naturschützern, Fischern, Gemeindevertretern und kantonalen Behörden. Die Zusammenarbeit sei auf eine neue Basis gestellt und das «sektorielle Denken überwunden» worden, bilanziert Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei, im Schlussbericht. «Unter dem Strich darf der Aktionsplan als Erfolg betrachtet werden.»

Alle Fischarten häufiger

Unter den Projekten mit Gesamtkosten von zehn Millionen Franken finden sich lokale mit Pilotcharakter wie der Hochwasserschutz in Rüthi oder der renaturierte Mühlbach in Wartau ebenso wie gesamtregional bedeutsame: Wenn die Fische bei der Einmündung des Schluchs in den Rhein sowie beim Wehr bei der Überleitung in den Binnenkanal frei wandern können, ist das Binnenkanalsystem wieder mit dem Rhein vernetzt, wie Thiel hervorstreicht: «Aus fischökologischer Sicht ein Projekt von herausragender Bedeutung für das ganze Gewässersystem im Alpenrheintal.» Den Erfolg dieser Aufwertungen belegen die Kontrollfänge am Werdenberger Binnenkanal: Alle vorkommenden Fischarten waren häufiger anzutreffen. Zwar profitierten nicht alle Arten von der Revitalisierung gleichermassen, doch nahmen besonders Äschen und Groppen markant zu.

Wermutstropfen Forellen

Speziell erfolgreich waren die Massnahmen zur Förderung der sensiblen Äsche: Dank eigener Zucht sei der Rückgang gestoppt und die «höchste Qualität an lokal angepassten Äschen gesichert». Unbefriedigend bleibt die Situation bei den Forellen: Der Besatzversuch Regenbogenforelle wurde abgebrochen, weil der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stand. Fast alle Fische wanderten ab in den Bodensee, der Fangerfolg im Tal bleibt äusserst bescheiden.

Den enttäuschten Fischern musste Thiel erklären, dass der Kanton wohl «das Nutzungsrecht, aber keine Fanggarantie gebe». Man wolle keine Fangbecken schaffen, sondern den natürlichen Lebensraum der Fische im Ökosystem wirken lassen. Leicht erhöht, aber auf tiefem Niveau, hat sich im übrigen auch die Zahl der Bachforellen.

Aufgrund der Rheinkorrektion und der Industrialisierung werden die Gewässer im Rheintal nie mehr so fischreich sein wie vor dem 20. Jahrhundert. Trotzdem verspricht sich Thiel vom Grossprojekt Rhesi auch bei allenfalls nur bescheidenen Aufweitungen eine «massive Verbesserung». Es bleibt viel zu tun – und es braucht Geduld.