«Sehr raffiniert»: Betrüger nehmen Ostschweizer Senioren ins Visier

Indem sie sich als Polizisten ausgeben, erbeuten Betrüger vor allem von
älteren Personen Geld und Wertsachen. Für die Polizei ist die Ermittlung aufwendig.

Natascha Arsic
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Die Betrüger suchen vermutlich im Telefonbuch nach Namen, die eher nur noch ältere Personen tragen, und rufen diese an. (Bild: Fotolia)

Die Betrüger suchen vermutlich im Telefonbuch nach Namen, die eher nur noch ältere Personen tragen, und rufen diese an. (Bild: Fotolia)

Erneut haben sich am Donnerstagabend mehrere Personen bei der Stadtpolizei St.Gallen wegen Anrufen von angeblichen Polizisten gemeldet. Die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden warnte letzte Woche ebenfalls davor.

Anfang des Jahres packte eine 76-jährige Frau in Wil mehrere hundert Franken sowie Schmuck im Wert von Tausenden von Franken in eine Sporttasche. Diese warf sie dann über die Brüstung. Die Seniorin nahm an, dass ein Polizist die Tasche mitnehmen würde. Es handelte sich dabei aber um einen Betrüger. Immer wieder kommt es zu Telefonanrufen durch falsche Polizisten, die versuchen, Geld oder Wertsachen zu erbeuten.

97 Meldungen von falschen Polizisten

«Bislang wurden uns von der Bevölkerung 97 Fälle von falschen Polizisten gemeldet», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Er vermutet, dass die Dunkelziffer jedoch um einiges höher liegt. Personen, die den Betrug durchschauen, würden es oft gar nicht melden. Bis Ende September habe es vier Fälle gegeben, in denen die Täterschaft erfolgreich zirka 5000 Franken erbeuten konnte. Zwei Täter konnten gefasst werden. «Die Täterschaft geht dabei sehr raffiniert vor und ist oft gut informiert», sagt Schneider. Die Vorgehensweise der Betrüger ist dabei oft die gleiche: Im Telefonbuch würden sie nach Namen suchen, die eher nur noch ältere Menschen haben und diese anrufen.

Die angeblichen Polizisten erzählen den Angerufenen beispielsweise, dass in ihrer Gegend viel eingebrochen wurde. Dies sei der Grund, weshalb sie sich nach Geld oder Wertgegenständen erkundigen. Anschliessend bieten sie den Angerufenen an, das Bargeld oder die Gegenstände im Tresor der Polizei zu sichern. Die angerufenen Personen seien dann überrascht, geraten in eine Stresssituation und erzählen, was sie besitzen. Letztlich senden die Betrüger einen Kontaktmann, der die Wertsachen oder das Geld abholt. Laut Schneider operieren die Tätergruppen oft aus Ländern ausserhalb des europäischen Raums. «Dies erschwert die Zusammenarbeit mit den Behörden.» Solche Ermittlungen seien extrem aufwendig.

Ob ein Zusammenhang zwischen den Anrufen im Kanton St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden besteht, kann Schneider nicht sagen. Die Polizei würde sich aber laufend austauschen, auch bei anderen Fällen.
Aus beiden Kantonen lauten die Warnungen gleich: Niemals Bargeld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben. «Die Polizei würde niemals Geld oder Wertgegenstände von Privatpersonen zur sicheren Aufbewahrung abholen», so Schneider.