Wieder Architekten aus St. Gallen?

Vor einem Jahr hatten drei St. Galler Kantonsräte einen Bericht über die Wiedereinführung der Architekturausbildung an der Fachhochschule Ostschweiz gefordert. Ob der Lehrgang wieder eingeführt wird, ist aber völlig offen.

René Hornung
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Vor über fünf Jahren schlossen die letzten Studierenden des Lehrgangs Ingenieur-Architektur in St. Gallen ab. Schon 2003 hatte die Fachhochschule beschlossen, die Abteilung zu schliessen. Die Zahl der Studierenden war unter die kritische Grenze gesunken. Im Verbund der Fachhochschule Ostschweiz werden aber weiterhin Teile des Fachs unterrichtet: An der HTW in Chur werden Bauingenieure ausgebildet und in Rapperswil Landschaftsarchitekten. Die zuvor in Vaduz angebotene Architekturausbildung ist mit der Aufwertung zur Universität heute nur noch Maturanden zugänglich.

Zehn nationale Lehrgänge

In der Schweiz werden an drei Universitäten und an sieben Hochschulen Architektur-Lehrgänge angeboten. Die (Fach-)Hochschul-Lehrgänge haben dabei stark an Bedeutung gewonnen. Hier bilden sich Absolventen einer Zeichnerlehre weiter und erreichen – je nach Schule – ähnliche Qualifikationen wie ETH-Absolventen.

Einen besonders guten Ruf hat in den letzten Jahren die ZHAW Winterthur erworben. Sie liegt für Studierende aus der Region St. Gallen in Pendlerdistanz und die Hochschule beschäftigt auch zahlreiche Dozierende aus der Region St. Gallen. Die Weiterbildung vom Zeichner zum Entwurfsarchitekten ist bei den Berufsleuten sehr beliebt, allerdings mit der Folge, dass Bauzeichner rar geworden sind. Neben Winterthur sei aktuell auch die Architekturausbildung in Luzern beliebt, sagt Stephan Mäder, Leiter des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der ZHAW Winterthur. Doch trotz der Beliebtheit: «Wartelisten gibt es bei uns in Winterthur keine», betont Mäder.

Dass die St. Galler Architekten gerne eine Ausbildungsstätte vor Ort hätten, weil sie darauf hoffen, dass dann der aktuelle Mangel an Nachwuchs gelindert werden könnte, versteht Stefan Mäder, doch er warnt auch vor übertriebenen Erwartungen: «Der Raum Zürich mit seinen vielen Büros ist für junge Architekten nach wie vor sehr attraktiv.» Ob Ausbildungsplätze gegen diesen Sog etwas ausrichten können, sei fraglich. Und offen ist auch, ob die für einen Lehrgang vom Bund empfohlene nötige Mindestzahl von 60 Studierenden zusammenkommen würde.

Postulat trifft auf offene Ohren

Bei der Fachhochschule Ostschweiz selbst ist das Postulat der beiden Architekten Markus Bollhalder (CVP) und Hans Richle (SVP) sowie von Arno Noger (FDP) auf offene Ohren gestossen. Die Hochschule selbst habe Interesse an der Wiedereinführung des Lehrgangs, schrieb die St. Galler Regierung schon in ihrer Stellungnahme zum Postulat und empfahl deshalb auch die Gutheissung.

Nun ist die Hochschule daran, die Grundlagen für den Postulatsbericht aufzuarbeiten, wie Direktor Albin Reichen erklärt. Man werde sorgfältig alle Zahlen zusammentragen und müsse sich auch überlegen, welchen Stellenwert die Ausbildung in Winterthur habe – ein Schulort, der für weite Teile der Ostschweiz in Pendlerdistanz liegt. Auch die neue Stellung der Universität in Vaduz werde berücksichtigt.

Die Rektorenkonferenz werde sich ihrerseits mit dem Thema befassen und man müsse auch das Einzugsgebiet St. Gallens noch abklären. Reichen nennt das Beispiel der Studierenden aus dem Kanton Schwyz, der Mitträger sowohl der Fachhochschulen Ostschweiz wie auch Zentralschweiz ist. Je nach Kantonsteil entscheiden sich junge Leute für einen anderen Studienort.

Vor allem Bauprojektleiter

Die St. Galler Regierung hat in ihrer Stellungnahme zum Postulat angedeutet, dass ein neuer Lehrgang sich klar auf den Beruf des Bauprojektleiters konzentrieren sollte, denn hier gebe es den grössten Mangel. Und sie deutete auch an, dass eine Lösung auch im Rahmen der Internationalen Bodensee-Hochschule denkbar sei. In diesem Verbund sind 29 Ausbildungsstätten zusammengeschlossen – sie nutzen gegenseitig die Angebote.

Aktuelle Nachrichten