Wie sich Ostschweizer Fitnesszentren in der Coronakrise grosszügig zeigen – und was das für Sie als Kundin oder Kunde bedeutet

Wie eine Umfrage bei Fitnessstudiobetreibern zeigt, vergüten grosse Ketten ihrer Kundschaft acht Wochen. Kleine Studios sind ebenfalls kulant, spüren aber gleichzeitig den Druck, neue Mitglieder zu gewinnen, um die Verluste im Rahmen zu halten.

Philipp Wolf
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Marcel Wenger, Geschäftsführer des Wenger Fitness Center in Wil, reinigt ein Gerät, nachdem es gebraucht wurde.

Marcel Wenger, Geschäftsführer des Wenger Fitness Center in Wil, reinigt ein Gerät, nachdem es gebraucht wurde.

Bild: Benjamin Manser

Diese Rückerstattungen geben einige Fitnesscenter in der Ostschweiz:

  • Update Fitness: Acht Wochen Zeitgutschrift
  • Activ Fitness:  Acht Wochen Zeitgutschrift plus eine Woche Treuebonus
  • Well Come Fit: Die Mitglieder haben die Wahl zwischen fünf, drei oder null Wochen Zeitgutschrift
  • Wenger Fitness Center in Wil: Sieben Wochen Zeitgutschrift
  • Crossfit Frauenfeld: Acht Wochen Zeitgutschrift

Nach acht langen Wochen dürfen in Fitnesszentren seit kurzem wieder Muskeln gestählt und Kalorien verbrannt werden. Während die Studios zuvor Fixkosten und fehlende Neueinkünfte zu beklagen hatten, verfügten die Kundinnen und Kunden über laufende Abos, die nicht genutzt werden konnten. Die Frage, was mit dieser verlorenen Zeit passiert, hatte sich dabei seit dem Beginn des Lockdowns auch für Ostschweizer Fitnessstudiobetreiber gestellt. Werden die Abos um die Anzahl Wochen verlängert, welche die Studios geschlossen waren, wird nur ein Teil davon rückvergütet oder gar nichts?

Grosse in der Ostschweiz vertretene Fitness-Ketten wie beispielsweise Update Fitness, Activ Fitness oder Basefit verlängern die Abos ihrer Mitglieder um acht Wochen. Activ Fitness, das der Migros gehört, gibt seinen Kundinnen und Kunden gar noch eine einen Treuebonus von sieben Tagen oben drauf. Von Seiten der Update Fitness AG, an der Coop die Aktienmehrheit hält, heisst es, der Entscheid werde sich im Ergebnis der Fitness-Kette niederschlagen.

«Wir stehen aber auf stabilem Grund und sind positiver Dinge.»

Schliessungen sind derzeit keine geplant – im Gegenteil: Die Kette eröffnet diese Woche ein neues Center in Basel. Wie gut Update finanziell dasteht, zeigt nicht zuletzt, dass es seine Kundschaft bereits am 18. März über die Sistierung aller Abos bis zum Ende des Lockdowns informierte. Wie lange dieser für Fitnesszentren dauern würde, wusste damals noch nicht einmal der Bundesrat.

Von der Krise auf dem falschen Fuss erwischt

Tunc Karapalanci, Inhaber Well Come Fit.

Tunc Karapalanci, Inhaber Well Come Fit.

Bild: PD

Well Come Fit, eine kleinere, unabhängige Kette mit vier Standorten in der Ostschweiz, verfügte nicht über die finanzielle Sicherheit, einen solchen Entscheid ins Blaue hinaus zu fällen. Stattdessen beantragte Inhaber Tunc Karapalanci kurz nach dem Lockdown einen Corona-Notkredit – «als Vorsichtsmassnahme», wie er sagt. Das Unternehmen sei von der Krise ein wenig auf dem falschen Fuss erwischt worden. Erst kürzlich hatte Well Come Fit zwei Zentren übernommen – in Winterthur und im zürcherischen Pfungen. Während des Lockdowns gelang es dem Unternehmen zudem nicht, die hohen Fixkosten einzudämmen. Karapalanci sagt:

«Lediglich einer von acht Vermietern kam uns entgegen.»

Gleichzeitig sei man durch die grosszügigen Ankündigungen der Branchengrössen unter Druck geraten. Für Well Come Fit gebe es keine Möglichkeit der «Quersubventionierung», wie beispielsweise für die Fitnessketten von Coop und Migros, so Karapalanci. Schliesslich gab Well Come Fit seinen Abonnentinnen und Abonnenten die Wahl zwischen einem «solidarischen», einem «fairen» und einem «vertragsrechtlichen» Angebot.

Zeigt sich die Kundin oder Kunde solidarisch, verzichtet er gänzlich auf eine Zeitgutschrift und trägt so «zum Erhalt der Arbeitsplätze bei», wie es auf der Webseite des Unternehmens heisst. Wer sich für das «faire» Angebot entscheidet, erhält drei Wochen gut geschrieben und wer das «vertragsrechtliche» wählt, erhält fünf.

Bisher erfahre man viel Solidarität von den Mitgliedern, sagt Karapalanci. «Der Grossteil unserer Kundschaft möchte uns unterstützen.» Um in Zukunft überleben zu können, sei man auf Neukunden angewiesen: «Nur mit bestehenden Kunden wird es schwierig.»

Die Ausfälle müssen mit neuen Mitgliedern aufgefangen werden

Marcel Wenger, Geschäftsführer Wenger Fitness Center

Marcel Wenger, Geschäftsführer Wenger Fitness Center

Bild: PD

Neukunden, das ist für Marcel Wenger – Geschäftsführer des Wenger Fitness Center in Wil – ebenso das Schlüsselwort. Die sieben Wochen Zeitgutschrift, die das Studio seinen Mitgliedern bietet, bedeuten grosse Einbussen. Die Verluste spüre man nicht sofort, das komme erst noch, so Wenger. Er geht nicht davon aus, dass die Existenz seines Fitnesscenters bedroht ist. Noch nicht zumindest. Wenger sagt:

«Wenn man die Ausfälle nicht mit neuen Mitgliedern auffangen kann, wird es schwierig.»

Das zu erreichen, werde in der momentanen Situation wohl nicht leicht. Weniger Sorgen macht sich Wenger derweil darüber, ob Kundinnen oder Kunden von all den Vorschriften und den möglichen Wartezeiten die Lust am Fitness vergehen könnte. Die Rückmeldungen vom Kundenstamm seien bisher positiv und die Trainingsvoraussetzungen hätten sich für die ganze Branche verändert.

In der Krise auf Online-Programme und Equipment-Ausleihe gesetzt

Philipp Huber, Mitinhaber des Crossfit Frauenfeld.

Philipp Huber, Mitinhaber des Crossfit Frauenfeld.

Bild: PD

Bei Crossfit Frauenfeld hat man auf diese neue Situation mit einem erweiterten Online-Angebot und flexibel gestalteten Angeboten reagiert. Schon zu Beginn des Lockdowns habe man begonnen, Online-Programme und Equipment zur Ausleihe anzubieten, sagt Philipp Huber, Mitinhaber des Studios.

«Weil wir die Abos unserer Mitglieder sistieren wollten, mussten wir nach anderen Lösungen suchen, um die finanziellen Herausforderungen zu meistern.»

Zudem kam Crossfit Frauenfeld der Vermieter entgegen. So sei man schliesslich mit einem blauen Auge davon gekommen, sagt Huber. In seiner Existenz ist das Unternehmen nicht bedroht und von seinen Mitgliedern gab es durchwegs positives Feedback für den Abostopp und die Organisation der Wiedereröffnung.

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