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«Wie krank ist die Welt?» Verärgerte Reaktionen nach Rassismusvorwürfen an die St.Galler Kantonspolizei

Die St.Galler Kantonspolizei wird kritisiert, weil sie nach einer Gewalttat am Weihnachtsmarkt die Hautfarbe des Gesuchten bekannt gemacht hat. Im Netz erhält die Polizei viel Unterstützung.
Daniel Walt
Weiss oder schwarz? Die Polizei erwähnt die Hautfarbe von Unbekannten, nach denen sie sucht, teilweise in ihren Meldungen – das passt nicht allen. (Symbolbild: Getty)

Weiss oder schwarz? Die Polizei erwähnt die Hautfarbe von Unbekannten, nach denen sie sucht, teilweise in ihren Meldungen – das passt nicht allen. (Symbolbild: Getty)

«So weit sind wir also, dass die politisch Überkorrekten nun gar die Polizei bei Gewaltstraftaten an ihren Ermittlungen hindern wollen.» Das schreibt Andreas Ott auf der Facebook-Seite des Tagblatts. Sein Kommentar bezieht sich auf Kritik, die an der St.Galler Kantonspolizei laut wurde. Diese hatte nach der brutalen Attacke auf einen 84-Jährigen am Weihnachtsmarkt in ihrer ersten Mitteilung einen Unbekannten als mutmasslichen Täter erwähnt, der von Augenzeugen als schwarzhäutig beschrieben worden sei.

In der Folge wurde der Polizei Hetze vorgeworfen, und zwar insbesondere ab jenem Zeitpunkt, als sich der Gesuchte stellte und bekannt wurde, dass es sich um einen Schweizer handelte. Die Kantonspolizei ihrerseits konterte die Kritik und stellte fest, die anfängliche Beschreibung von Augenzeugen habe sich als korrekt erwiesen – in einer multikulturellen Gesellschaft wie in der unseren könne auch ein Schweizer Staatsbürger schwarzhäutig sein.

«Ständig wird gemeckert und kritisiert»

Auf Facebook sind die Meinungen zum Thema grösstenteils gemacht. Claudia Gräzer-Kasper fragt sich, was es mit Rassismus zu tun hat, wenn Augenzeugen einen dunkelhäutigen Mann gesehen haben und ein solcher dann von der Polizei gesucht wird. Als «chrank» bezeichnet es Diana Kuster-Vrajik, dass bei jedem «Muggefurz» Rassismusvorwürfe laut würden. Gesetzesbrecher würden ohnehin zu Tode gestreichelt, schreibt sie weiter und stellt fest, dass ausserhalb Europas anders mit diesen umgegangen werde. Dass hierzulande nicht mal die Hautfarbe von Tätern bekannt gegeben werden soll, wenn es nach den Polizeikritikern geht, bezeichnet Kuster-Vrajik als «Bockmischt».

Genereller in seinem Posting wird Thomas Egger: «In was für einer Welt leben wir eigentlich?», fragt er sich. Egal was die Polizei mache, andauernd werde gemeckert und kritisiert – und wenn sie nichts tue, sei es auch wieder nicht recht. Er findet, man solle aufhören damit, die Polizeiarbeit mit solcher «Korinthenkackerei» zu sabotieren.

«Ist halt einfach so»

«Darf man bei einer Fahndung zwischen Mann und Frau unterscheiden? Wird langsam kompliziert», schreibt Martin Rütti ebenfalls auf Facebook. Auch auf Twitter findet sich eine Diskussion zum Thema. Marcel Baur, Vorstandsmitglied der Stadtsanktgaller Grünliberalen, bezeichnet die Kritik an der St.Galler Kantonspolizei als «Blödsinn». Er betont in seinem Tweet, die Hautfarbe sei ein klares Merkmal, und sieht keine Hetze im Polizeicommuniqué.

Daniel Hungerbühler allerdings, Sekretär der SP-Stadtpartei, hält dagegen und bezeichnet zwei Aussagen der St.Galler Kantonspolizei im Tagblatt-Artikel als «Unsinn». Unter anderem glaubt er der Polizei nicht, dass es in gewissen Fällen auch denkbar sei, die Erwähnung «helle Hautfarbe» in eine Polizeimeldung zu integrieren:

Marcel Baur seinerseits doppelt nach und betont erneut, die Suche nach einem Täter erfordere klare Erkennungsmerkmale – beispielsweise das Geschlecht, Tattoos oder eben auch die Hautfarbe:

Trotz Baurs Argumentation bleibt Daniel Hungerbühler bei seiner Überzeugung, dass das Erwähnen der Hautfarbe rassistische Ressentiments schüre. Und er schliesst mit einem bedauernden «Ist halt einfach so in unserer leidigen Gesellschaft.»

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