«Wie kann so ein Arzt noch arbeiten?»: St.Galler Amtsarzt und Coronaskeptiker Rainer Schregel verbreitet auf Facebook weiterhin fragwürdige Inhalte

Gegen den Amtsarzt Rainer Schregel läuft beim Kanton St.Gallen ein Verfahren, weil er die Pandemie in den sozialen Medien verharmlost und eine Journalistin beleidigt hat. Jetzt macht er sich über den Tod eines 101-jährigen Coronapatienten lustig – und erntet heftige Kritik.

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Rainer Schregel während eines Interviews auf dem Youtube-Kanal Strickertv.

Rainer Schregel während eines Interviews auf dem Youtube-Kanal Strickertv.

Screenshot: strickertv

(red.) Aus der Blüte seines Lebens sei er gerissen worden. Die Seuche habe ihm viele Jahrzehnte seines Schaffens gestohlen. Es sei ungerecht, einen so jungen Menschen aus dem Kreis seiner Gleichaltrigen zu stossen.

Mit diesen Worten kommentiert der St. Galler Amtsarzt Rainer Schregel auf seinem öffentlichen Facebook-Profil eine Zeitungsmeldung mit folgender Überschrift: «101-Jähriger an Corona verstorben». Die «Ostfriesischen Nachrichten» melden darin den elften Coronatodesfall im Landkreis Leer, im nordwestlichen Zipfel Deutschlands. Wie der St. Galler Amtsarzt in den sozialen Medien über den Tod eines Menschen schreibt, ist für viele Nutzer inakzeptabel. Schregels Post macht derzeit auf Twitter die Runde – und zieht einen Schwall öffentlicher Empörung nach sich.

«Ist ein solcher Post wirklich eines Amtsarztes würdig?», fragt ein User und erhält klare Antworten aus seiner Twitterblase: «Sag bitte, dass das Fake oder schlechte Satire ist. Ich gehe andernfalls auf den Kanton los», schreibt ein Benutzer. In einem weiteren Kommentar heisst es:

«Es ist einfach gegen die Ethik, solche menschenverachtende Worte zu schreiben.»

Ein anderer User schreibt: «Wie kann so ein Arzt noch arbeiten? Jede Person hat Leben verdient. Egal wie alt sie ist!»

Ginge es nach dem Kanton St. Gallen, würde Rainer Schregel derzeit nicht als Amtsarzt arbeiten. Das Gesundheitsdepartement hat den lange in Wattwil praktizierenden Deutschen im August vorsorglich des Amtes enthoben, weil er öffentlich das Coronavirus verharmlost und eine Journalistin dieser Zeitung beleidigt hatte. Allerdings hat das St. Galler Verwaltungsgericht diese Verfügung wegen formeller Fehler aufgehoben; der Kanton hatte Schregel nicht ausreichend rechtliches Gehör gewährt. Der umstrittene Amtsarzt ist somit wieder offiziell im Amt. Das Verfahren des Kantons läuft aber weiter.

Auf Anfrage dieser Zeitung sagte Schregel nach dem Gerichtsentscheid, er wolle nun einen Schlussstrich ziehen und sich nicht mehr öffentlich zur Sache äussern. Derweil macht der Amtsarzt in den sozialen Medien munter weiter. So kommentiert er etwa einen Artikel der «New York Post», in dem es darum geht, dass eine Impfung nicht alle bisherigen Massnahmen gegen das Coronavirus ersetzen werde, mit den Worten: «Wann erkennen die Menschen den globalen Betrug?» Oder witzelt über den Tod eines 101-Jährigen. Dieser Post ist mittlerweile gelöscht worden. Möglicherweise war er gar für die Facebook-Gefolgschaft des strittigen Amtsarztes zu viel.