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Wie Glühwürmchen in Einerkolonne: Auf nächtlicher Spurensuche mit einer Wandergruppe in Stein AR

Im Rahmen der 14. Schweizer Wandernacht pilgerten im Appenzellerland verschiedene Wandergruppen durch die Dunkelheit. Auf der «Geheimnis-Tour» rund um Stein war nicht nur der Mond ein Highlight.
Claudio Weder

Samstagabend, kurz nach 21 Uhr. Die Anhöhe oberhalb des Dorfes Stein ist erreicht. Nun muss alles schnell gehen. Handys und Fotokameras werden gezückt, um noch ein letztes Bild der untergehenden Sonne einzufangen. Nur wenige Sekunden dauert das Spektakel, dann verschwindet die glühend-rote Kugel hinter den Hügeln. Den Mond beachtet derweil noch niemand. Kaum sichtbar zeichnet er sich wie ein blasser Fingerabdruck am Himmel ab.

Erstes Highlight der Tour: der Sonnenuntergang oberhalb von Stein. (Bilder: Claudio Weder)

Erstes Highlight der Tour: der Sonnenuntergang oberhalb von Stein. (Bilder: Claudio Weder)

Von der Anhöhe reicht der Blick zurück zur Schaukäserei in Stein, dem Startpunkt der «Geheimnis-Tour». Die Wanderung ist Teil der offiziellen Schweizer Wandernacht und wird bereits zum zweiten Mal von der Schaukäserei Stein organisiert. Die 34-köpfige Wandertruppe ist in dieser Nacht jedoch nicht die einzige, die unterwegs ist. Unterdessen pilgern im Appenzellerland auch am Sämtisersee, zwischen Schachen und Gossau oder rund um Brülisau Nachteulen und andere Wandervögel durch die Dunkelheit.

Das (Nacht-)Wandern ist des Müllers Lust

Warum auf der «Geheimnis-Tour» gerade der Mond zum Protagonisten gemacht wird, liegt auf der Hand. «In wenigen Tagen ist Vollmond – und vor fünfzig Jahren fand die erste Mondlandung statt», erklärt Wanderleiter Martin Keller. Der diplomierte Tourenleiter ist sich anspruchsvollere Routen gewohnt. Dennoch sei eine Wanderung im Schein des Mondes für ihn etwas Reizvolles. «Das macht man schliesslich nicht jeden Tag», sagt er.

Romantisch: Der Mond kommt zum Vorschein.

Romantisch: Der Mond kommt zum Vorschein.

Ähnliches berichtet eine Teilnehmerin aus Wald ZH. Auch sie sei sich gewohnt, bei Tag zu wandern, auch wenn es nicht die erste Nachtwanderung sei, an der sie teilnehme. Erst kürzlich sei sie – gemeinsam mit ihren beiden Hunden – auf dem Lenzerhorn bei Lenzerheide gewesen. Bei Tageslicht, versteht sich. Eine nächtliche, rund dreistündige Wanderung durchs hügelige Appenzellerland sei aber genauso spannend wie eine Bergtour auf einen knapp 3000 Meter hohen Gipfel im Bündnerland.

Dies kann auch ein Ehepaar aus Stein bezeugen. Beide haben bereits im vergangenen Jahr an derselben Mondwanderung teilgenommen – obwohl sie als Einheimische die Gegend so gut kennen wie ihre linke Hosentasche.

Kräutertee und Holunder-Molke

Nach rund einer Stunde bricht die Dunkelheit herein, die Luft wird kühler, doch ans Frieren denkt nach dem kurzen, aber steilen Aufstieg von der Sonderau zum Altersheim Pfand noch niemand. Im Gegenteil. Und so wird denn auch beim Eintreffen in der Weissküferei von Hans Reifler etwas ausserhalb von Hundwil der servierte (kalte) Appenzeller Kräutertee dankend entgegengenommen.

Die Stirnlampen erweisen sich als nützliches Utensil.

Die Stirnlampen erweisen sich als nützliches Utensil.

Lange Zeit, die geschnitzten Holzgerätschaften des Weissküfers zu bestaunen, bleibt allerdings nicht. Der Zeitplan drängt zum Weitermarsch. Draussen werden die Stirnlampen montiert. Die braucht es, denn der Mond, der hie und da hinter den Wolken hervorschaut, vermag den Pfad nur schwach zu erleuchten.

Wie Glühwürmchen steigen die «Vollmondjäger» in Einerkolonne zur Fuchsenegg auf, dem höchsten Punkt der Tour auf gut 1000 Metern über Meer. Zwei Milchkannen stehen bereit, im Innern jedoch keine Milch, sondern Molke, in Plastikflaschen abgefüllt, Geschmacksrichtung von Himbeere bis Holunder. Gestärkt geht es zuletzt über die vom Mond beleuchtete idyllische Hochebene, vorbei an Kühen, die den wandelnden Lichtpunkten fragliche Blicke zuwerfen, nach Stein zurück. Derweil schlägt die Kirchenuhr ein Uhr nachts.

Stärkung auf der Fuchsenegg: Es gibt Molke in allen Geschmacksrichtungen.

Stärkung auf der Fuchsenegg: Es gibt Molke in allen Geschmacksrichtungen.

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